StartBusinessWeibliche Startups finanzieren sich seltener durch Förderungen

Weibliche Startups finanzieren sich seltener durch Förderungen

Startups, die von Frauen gegründet wurden, finanzieren sich anders als jene von Männern. Während Gründerinnen überdurchschnittlich viele eigene finanzielle Mittel aufwenden, liegen sie bei der Finanzierung über öffentliche Förderungen weit hinter den Gründern.

Das Potenzial von Frauen in Gründungsteams wird vermehrt wahrgenommen, trotzdem bleibt der Anteil an Gründerinnen immer noch weit hinter dem der Männer. Nicht nur das zeigte der diesjährige Austrian Startup Monitor. Sondern auch, dass sich rein von Frauen gegründete Startups anders finanzieren als solche, die von Männern gegründet wurden. Am häufigsten finanzieren sich Startups über das eigene Ersparte. Rund 70 Prozent aller österreichischen Startups setzen auf eigene Mittel, wobei Einzelgründerinnen und weibliche Gründungsteams mit 85 Prozent über dem Durchschnitt liegen. An zweiter Stelle liegen nationale öffentliche Förderungen. 51 Prozent aller Startups haben solche Mittel 2021 in Anspruch genommen. Rein männliche (51 Prozent) sowie gemischte Teams (55 Prozent) finanzieren sich deutlich häufiger auf diese Art und Weise als weibliche Startups (32 Prozent).

Auch bei den anderen, weniger häufig genutzten Formen wie der Finanzierung durch den Cashflow, durch Business Angels, Bankkredite, Familie und Freund:innen, oder durch Akzelerator-Programme, EU-Förderungen, Venture Capital und Crowdfunding gibt es erkennbare Unterschiede zwischen männlichen, weiblichen und gemischten Teams. Weibliche Teams und Einzelgründerinnen werden häufiger von Familie und Freund:innen (30 Prozent) finanziert als andere Startups (Durchschnitt: 19 Prozent), erhalten hingegen weniger Unterstützung von Business Angels (12 Prozent) und haben seltener Zugang zu Risikokapital (6 Prozent) als rein männliche Teams und Einzelgründer (29 bzw. 22 Prozent).

Bekommen Startups zu viele Förderungen?

Die Tatsache, dass Frauen bei öffentlichen Förderungen deutlich unter dem Durchschnitt liegen, ist bemerkenswert. Österreich hat ein stark ausgeprägtes Fördersystem für Unternehmen: Die größten Förderinstitutionen sind die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (aws) und die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG). Ihre Förderprogramme wurden 2020 von 65 bzw. 55 Prozent der geförderten Startups in Anspruch genommen. Allein die aws vergab laut ihrem Leistungsbericht 2021 1,4 Milliarden Euro an Garantien und Krediten und 2,3 Millionen Euro an Zuschüssen an Unternehmen. Die FFG investiert unterdessen jährlich über 70 Millionen Euro in Startups. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Förderungen von den Bundesländern und Gemeinden zu erhalten. Im internationalen Vergleich liegt Österreich mit den angebotenen staatlichen Unternehmensprogrammen weit über dem globalen Durchschnitt. Andere Volkswirtschaften kommen in der Bewertung des Global Entrepreneur Monitors durchschnittlich auf 4,8 Punkte, während Österreich mit sechs Punkten über der 5er-Marke („highly sufficient“) liegt.

Befürworter:innen des österreichischen Fördersystems loben die große Auswahl an Programmen und die hohen ausgeschütteten Summen. Sie seien besonders für Startups wichtig, die sich in einer frühen Phase befinden, in der Business Angels noch nicht einsteigen würden. Kritiker:innen bemängeln jedoch, dass Startups lange von Förderungen abhängig seien und dass der Staat in den Wettbewerb mit privaten Investor:innen trete. So auch Lisa Fassl, Startup-Beauftragte der Bundesregierung und Vizepräsidentin der Austrian Angel Investors Association. Sie kritisiert bei einer Studienpräsentation die hohe Anzahl an Förderungen: „In Österreich gibt es viele Startups, die sich lange ausschließlich über Förderungen finanzieren. Das ist komfortabel, da kein Risiko besteht und man keine Anteile abgeben muss.“ Obwohl Fassl der Meinung ist, dass sich Österreich an Estland orientieren solle, wo sich Startups primär über den privaten Markt finanzieren, hält sie fest: „In gewissen Bereichen machen öffentliche Förderungen Sinn, beispielsweise bei Themen mit sozialem Impact oder bei High-Risk-Themen wie Deep Tech.“ Es ist aufgrund mangelnder Transparenz schwer festzustellen wie Startups, die Förderungen in Österreich beziehen, über einen längeren Zeitraum hinweg performen. Fest steht, dass Förderungen für all jene zugänglich sein sollten, die sie benötigen. Unabhängig davon, ob es ein weibliches, männliches oder gemischtes Team ist.

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