Viele jüngere Kräfte haben gerade Probleme, Einsteigerjobs zu bekommen. Was lässt sich da tun?

Es stimmt. Der Einstieg in den Arbeitsmarkt ist gerade für Junioren spürbar schwerer geworden. Der Wettbewerb ist hoch. Aber es gibt Wege, wie man aus der Masse heraussticht. Mein erster Rat lautet, sich nicht nur auf das fachliche Wissen zu konzentrieren. Fachkenntnisse sind heute nicht mehr alles. Am Ende entscheidet im Berufsleben oft, wie gut wir kollaborieren und kommunizieren. Genau das kommt im Studium leider viel zu kurz. Arbeitet an diesen Fähigkeiten. Zeigt, dass ihr im Team denken könnt.

Gleichzeitig hat die junge Generation einen riesigen Vorteil. Viele bringen oft ganz natürliche und neue Wege mit, wie man Künstliche Intelligenz im Alltag nutzt. Für Unternehmen ist das hochrelevant. Bringt genau diese frische Perspektive mit ein. Es gibt zudem eine gute Nachricht. Auf dem Markt passiert gerade ein Umdenken. Viele Unternehmen merken, dass die reine Konzentration auf kurzfristige Einsparungen gefährlich ist. Wer heute keine Junioren einstellt, dem fehlen morgen die erfahrenen Kräfte. Erste große Technologiekonzerne wie IBM stellen deshalb gezielt wieder mehr Einsteiger ein. Sie verändern die Rollen. Junioren codieren weniger Routine. Sie interpretieren Kundenwünsche und validieren Ergebnisse. Die Unternehmen brauchen euch also.

Aber?

Bitte schickt keine generierten Texte aus dem Computer. Wir erleben gerade eine echte Flut an unpersönlichen Anschreiben, die komplett von einem Bot geschrieben sind. Das fällt aber sofort auf, und dann fällt eine Bewerbung leider auch durch das Raster. Macht euch echte Gedanken. Wo wollt ihr wirklich arbeiten und warum? Greift auch mal zum Hörer und ruft an. Besucht Meetups und nutzt Netzwerke vor Ort. Zeigt den Menschen hinter der Bewerbung. Wir und sicher auch andere Unternehmen suchen Persönlichkeiten und keine perfekt optimierten Texte.

Wie setzen DieProduktMacher AI ein, wie hat sich die Arbeit als Digitalagentur und Unternehmensberatung verändert?

Für uns verändert AI gerade fast alles. Nicht nur unsere eigene Arbeitsweise, sondern den gesamten Markt und unsere Services. Wir haben sehr früh angefangen, uns intensiv damit zu beschäftigen. Wir wollten einfach verstehen, was für uns und vor allem für unsere Kunden wirklich Sinn ergibt.

Heute nutzen wir die Technologie in fast allen Projektphasen. Das reicht von der ersten Discovery bis zur finalen Implementierung. Wir werden dadurch effizienter und können die Qualität unserer Ergebnisse spürbar steigern. Aber neue Technologie hat auch immer Tücken. Deshalb ist uns der verantwortungsvolle Umgang extrem wichtig. Wir haben klare Leitlinien entwickelt, um sicher und ethisch korrekt zu arbeiten. 

In der Zusammenarbeit mit unseren Kunden geht es mittlerweile um viel mehr als nur um neue Tools. Es geht um die gesamte Transformation. Wir bauen Strategien und führen Plattformen ein. Aber der wichtigste Hebel ist am Ende nicht die Technik. Es ist der Mensch. Jede Technologie ist nur so gut wie die Menschen, die sie am Ende im Alltag nutzen. Der Veränderungsprozess und die Begleitung der Teams sind deshalb der entscheidende Faktor für den Erfolg.

Ihr habt eine besondere starke Unternehmenskultur, wie wirkt sich AI hier aus? Auch beim Thema Führen?

Eine starke Kultur bricht durch neue Technologien nicht zusammen. Sie zeigt sich genau darin, wie wir mit der Veränderung umgehen. Beim Führen geht es aktuell um viel mehr als um neue Werkzeuge. Es geht darum, Ängste zu nehmen. Wie nehmen wir die Menschen mit? Wie unterstützen wir sie beim Lernen? Als Führungskraft muss man jetzt hinhören und aktiv dranbleiben.

Wir haben uns intensiv gefragt, was AI für die Profile der Zukunft bedeutet. Welche Fähigkeiten brauchen wir morgen wirklich? Wir haben viel Zeit investiert, um diese Skills für uns zu definieren. Nur so können wir unsere Teams richtig unterstützen und sie auf ihrem neuen Weg begleiten. Für uns als Organisation ist das ein echter Wandel. Wir fördern den offenen Austausch und probieren verschiedene Lernformate aus. Das Thema ist für uns kein kurzfristiger Trend. Wir haben es als eine der wichtigsten Säulen fest in unserer Strategie verankert. Kultur wächst dort, wo man die Zukunft gemeinsam gestaltet.

Zur Kultur gehören auch Projekte, die zunächst nicht auf den Umsatz einzahlen, etwa KI-Förderung für Mädchen. Warum steckt ihr als Agentur wertvolle Zeit und Stunden in solche Initiativen, die ihr eigentlich auf Kundenprojekten einsetzen könntet?

Wir wollten von Anfang an eine Firma sein, die etwas zurückgibt. Bei den DieProdzktMacher hat jeder im Team Zeit, die er frei in Projekte investieren kann, die ihn begeistern. Genau so ist diese Initiative auch entstanden. Die Idee kam direkt aus dem Team. Für uns ist das keine verlorene Arbeitszeit. Wir brauchen auch in Zukunft gute Talente in unserer Branche. Wenn wir jetzt nicht in den Nachwuchs investieren, wann dann? Ich bin selbst Mutter. Ich weiß genau, wie wichtig es ist, Kindern früh zu zeigen, was alles möglich für sie ist. Wir wollen Berührungsängste nehmen und Mut machen. Am Ende ist es ganz einfach. Wir geben hier etwas weiter, von dem wir selbst absolut überzeugt sind.

Was muss passieren, bzw. welche Rahmenbedingungen brauchen wir, um mehr Mädchen und Frauen für Tech zu begeistern?

Es sind im Grunde drei Dinge, die sich ändern müssen.Als erstes brauchen wir Sichtbarkeit. Wenn ein Mädchen sieht, was eine andere Frau geschafft hat, kann sie das auf sich selbst übertragen. Wir brauchen Vorbilder zum Anfassen. Der zweite Punkt betrifft die Schulen. Wir müssen weg von alten Stereotypen und der reinen Theorie. Mädchen müssen Technik früh ausprobieren dürfen. Es geht darum, einfach mal zu machen. Ganz spielerisch und ohne Druck. Und drittens müssen wir Unternehmen uns viel mehr einbringen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass die Talente fertig zu uns kommen. Wir müssen die Brücke in die Praxis selbst bauen.

Kamila Stanitzek ist Co-Founderin und CEO der Münchner Digitalagentur DieProduktMacher. Seit 2013 entwickelt, transformiert und skaliert die Unternehmensberatung digitale Produkte, die konkrete Probleme lösen und nachhaltigen geschäftlichen Mehrwert schaffen. Stanitzeks Schwerpunkte liegen unter anderem in der digitalen Strategie, der Optimierung von Customer Journeys und der Entwicklung von KI-Strategien

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