Unser Energiesystem ist im Wandel. Warum ist die Transformation so wichtig – und wo liegen hier die Herausforderungen?

Gerade durch die Krise in Nahost sehen wir, wie abhängig wir in Österreich und Europa in unserer Energieversorgung sind. Wir haben zwar einen sehr hohen Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien, aber er steht uns nur in bestimmten Zeiten zur Verfügung. Wir können uns nur jede fünfte Stunde selbst mit heimischer erneuerbarer Energie versorgen. In der Nacht oder im Winter sind wir abhängig von Gaskraftwerken oder müssen Strom importieren. Die Gaskraftwerke haben wir zwar in Österreich, aber auch das Gas kommt aus dem Ausland. Deshalb müssen wir noch mehr eigene Potenziale nützen. 

Welche Potenziale sind das?

Vor allem die Windkraft in der Herbst- und Winterzeit. Das ist ihre stärkste Saison, aber eine schwache Saison für die Photovoltaik. Natürlich brauchen wir auch mehr Speicher, um den Strom vom Mittag in die Nacht und vom Sommer in den Winter zu verlagern. Die Transformation ist eine riesige Aufgabe, aber auch eine Chance. Und dafür brauchen wir einen Schulterschluss aller Beteiligten. Nur wenn alle zusammenarbeiten, kann der Erneuerbaren-Ausbau ein Tempo erreichen, das wir für eine sichere, leistbare und nachhaltige Energiezukunft brauchen.

Welche Rolle spielen Frauen aus Ihrer Sicht bei der Energiewende? 

Klar ist, dass die alten Methoden nicht mehr funktionieren, um große Infrastrukturprojekte zu errichten und die Energieversorgung zu transformieren. Es braucht neue Plattformen, neue Arbeitsweisen und sehr viel Kommunikation. Hier liegt die Chance für Frauen, die es ja gewohnt sind, vielschichtig zu denken.

Die E-Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Wie erleben Frauen heute den Einstieg und die Arbeit in der Branche?

Es hat sich sehr viel getan. Auch wenn die Elektrotechnik weiterhin eine zentrale Rolle spielt und ich alle – insbesondere Frauen – einlade, diesen Beruf zu ergreifen, braucht es ebenso Kompetenzen in Kommunikation, Innovation und Digitalisierung. Auch diese Bereiche sind attraktiv. Und unsere Aufgabe ist sinnstiftend. Wir arbeiten gegen den Klimawandel und für die Resilienz des Landes.

Sie haben das Netzwerk „Oesterreichs Energie Powerfrauen“ ins Leben ge-
rufen. Was passiert in diesem Netzwerk und wie wird man Teil davon? 

Wir haben das Frauennetzwerk „Powerfrauen“ vor über drei Jahren gegründet, um Frauen zu vernetzen, die schon in der Energiewirtschaft sind. Wir wollen uns gegenseitig stärken und die Frauen in der Branche sichtbar machen. Es ist großartig zu sehen, wie viele Frauen es in der E-Wirtschaft schon gibt. Wir veranstalten ein paar Mal im Jahr Netzwerktreffen, zu denen wir interessante Rednerinnen einladen. Darüber hinaus gibt es einen monatlichen Online-Power-Lunch, bei dem wir voneinander lernen. Das wird sehr gut angenommen. Und natürlich schauen wir auch, dass wir einander die Räuberinnen-Leiter machen.  

Oesterreichs Energie/Martin Hörmandinger
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