Wenn Manager*innen Schule machen: Neues Mentoring bringt Wirtschaft und Schulleitungen zusammen
Personalführung, Budgetverantwortung, Change-Management – Aufgaben, die in jedem Managementhandbuch stehen, aber in der Ausbildung von Schulleitungen kaum vorkommen. Genau diese Lücke will die Innovationsstiftung für Bildung (ISB) mit einem neuen Cross-Mentoring-Programm schließen. Vorgestellt wurde es am 23. Juni 2026 im FLiP (Erste Financial Life Park) in Wien.
Neun Tandems, ein Jahr Praxis
Initiiert hat das Programm Therese Niss, Vorstand der MINTality Stiftung, gemeinsam mit der ISB weiterentwickelt. In der Pilotphase bilden neun Wiener Schulleitungen und ebenso viele Führungskräfte aus der Wirtschaft Tandems, gematcht nach thematischem Fokus, Führungsstil und regionaler Nähe. Über rund zehn Monate sind vier bis sechs persönliche Treffen vorgesehen, darunter mindestens ein Besuch direkt an der Schule, ergänzt durch gemeinsame Workshops zu Führung und Organisationskultur sowie kollegialen Austausch unter den Schulleitungen.
Wissenschaftlich begleitet wird das Format von der Pädagogischen Hochschule Wien, verankert ist es im „Plan Zukunft“ von Bildungsminister Christoph Wiederkehr. ISB-Vorstand Jakob Calice sieht darin einen strategischen Hebel: Schulleitungen bekämen so Zugang zu Perspektiven, die innerhalb des Bildungssystems selbst kaum zu finden seien.
Keine Einbahnstraße
Der Austausch ist ausdrücklich als Geben und Nehmen angelegt. Schulleitungen profitieren von Strategie- und Change-Erfahrung aus der Wirtschaft. Umgekehrt lernen Führungskräfte aus Unternehmen ein Umfeld kennen, das eigene Regeln hat: Führung einer Expert*innenorganisation ohne klassische Weisungsbefugnis, der Umgang mit vielfältigen Interessengruppen, hoher Sinnbezug in der täglichen Arbeit. „So lernt auch die Wirtschaft von der Schule“, bringt es Niss auf den Punkt, das gegenseitige Verständnis zwischen beiden Welten solle wachsen.
Für die Erste-CEO Gerda Holzinger-Burgstaller ist ihr Engagement als Mentorin auch eine Standortfrage: Innovationsfähige Schulen seien Voraussetzung für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort, sagt sie und rechnet damit, selbst neue Perspektiven mitzunehmen. Auf der anderen Seite steht etwa Kathrin Weissenbacher, Schulleiterin am BGRG/WMS Simonsgasse, die sich vom Blick aus einem völlig anderen System gezielte Impulse für die eigene Schulentwicklung erhofft.
Vom Pilot zum Standard
Aktuell ist das Programm ein Pilotprojekt mit neun Tandems. Die Evaluierung durch die PH Wien soll aber die Grundlage für den nächsten Schritt liefern: Langfristig will die ISB das Cross-Mentoring als dauerhaften Baustein fest in der Fortbildung von Schulleitungen verankern.