StartBalanceWechseljahre ansprechen: „Klar, deutlich, unbefangen und laut!“

Wechseljahre ansprechen: „Klar, deutlich, unbefangen und laut!“

Daniela Ullrich ist Kommunikationsprofi, langjährige Journalistin und seit kurzem auch Podcasterin. Mit ihrem Podcast Menomio möchte sie das Thema Wechseljahre enttabuisieren und die Chancen dieser Umbruchphase aufzeigen.

„Über die spannendste Zeit im Leben wird viel zu wenig gesprochen“, ist sich Daniela Ullrich sicher. Im Interview spricht die 48-jährige Oberösterreicherin über weitere Beweggründe, erste Erfahrungen in ihren Wechseljahren und gibt Tipps für den (Arbeits-)Alltag in dieser besonderen Zeit im Leben einer Frau.

Lasst uns über die Wechseljahre sprechen! Ist Ihr Aufruf nicht zu intim?

Daniela Ullrich: Keinesfalls, warum auch? Genau da liegt ja das Problem, dass viel zu wenig über die Wechseljahre gesprochen wird. Wechseljahre sind eine Chance, kein Problem! Und ich finde, darüber muss viel mehr geredet werden. Klar, deutlich, unbefangen und laut. Übrigens, nicht einmal im Medizin-Studium spielen die Wechseljahre eine Rolle. Ein Irrsinn eigentlich, oder?

Wie kam es zur Gründungsidee und den Anstoß für Menomio?

D.U.: Das Ziel meines Podcasts ist, die Wechseljahre zu einem riesengroßen positiven Thema zu machen. Und zwar so lange, bis es eine Selbstverständlichkeit ist.

Seit meiner „Diagnose“ im Herbst 2022 beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema, weil ich nicht glauben möchte, dass meine nächsten Jahre davon geprägt sein sollen, ständig zu schwitzen, zehn Kilo zuzunehmen, depressiv zu werden und unter chronischer Schlaflosigkeit zu leiden. Denn das ist der weit verbreitete Ruf der Wechseljahre. Da ich gerne Podcasts höre, um mir Wissen anzueignen, habe ich mich nach meiner Diagnose auf die Suche gemacht. Leider ohne Erfolg, nichts hat mich wirklich angesprochen. Ich wollte allumfassend informiert werden, nicht über Spezialgebiete.

Schweißausbrüche, Schlafstörungen und das Gefühl, älter zu werden – die Wechseljahre sind oft ausschließlich mit negativen Assoziationen verbunden. Was wollen Sie mit Ihrem Podcast erreichen?

D.U.: Ich möchte zeigen, dass die Wechseljahre ihren schlechten Ruf nicht verdient haben. Es gibt Hilfe für Betroffene. Und man kann die Zeit des Umbruchs für einen Neuanfang nutzen. Die Medizin hinkt leider hinterher, es gibt zu wenig Aufklärung. Ich möchte – gemeinsam mit meinen Interviewgästen – Mut machen, inspirieren und im besten Fall Lösungen anbieten. Wenn es nach jeder Folge auch nur einer Frau besser geht, habe ich mein Ziel erreicht. Und ja, die Herausforderung als Vorbild in den Wechseljahren nehme ich gerne an. Es gibt übrigens rund 40 Symptome der Wechseljahre. Viele werden nicht als solche erkannt und Frauen ab 38 leiden unnötig.

Wie kann man die Wechseljahre beruflich optimal nutzen und was würden Sie sich von Arbeitgebern und Politik in Bezug auf Frauen in den Wechseljahren wünschen?

D.U.: Die Wechseljahre bringen viele Frauen dazu, wieder „egoistischer“ zu werden, mehr auf sich selbst zu schauen, die eigenen Bedürfnisse wieder in den Vordergrund zu stellen. Viele erkennen erst jetzt, welchen Weg, welche Möglichkeiten, welche Karriere sie sich jetzt zutrauen.

Für Arbeitgerber:innen wichtig, es „auf dem Schirm“ zu haben, dass sich Mitarbeiterinnen ab 38 Jahren in den Wechseljahren befinden können. In Deutschland gibt es bereits viele große Unternehmen (SAP, Bonprix, …), die mit Workshops, Kursen und diversen Angeboten Frauen unterstützen und helfen.
Wichtig für Frauen: Am besten gleitet man durch die Phase und schafft Awareness, in dem man offen anspricht, wenn man aufgrund der Wechseljahre andere Arbeitsbedingungen braucht. Sei es Home-Office Möglichkeiten, Gleitzeit, Rückzugsorte im Büro, Duschmöglichkeiten oder einfach nur das Verständnis der Kolleginnen und Kollegen und der Vorgesetzten.

Der Arbeitskräftemangel ist de facto ein Frauenmangel, denn viele Frauen in den Wechseljahren reduzieren häufig aufgrund von Wechselbeschwerden ihre Arbeitszeit, wagen keine Karriereschritte oder steigen sogar ganz aus dem Beruf aus, dazu gibt es Zahlen auf wexxeljahre.de aus England und Deutschland. Ich würde mir auch viel mehr Aufklärung und Information von Ärzten wünschen. Viele Ärzte haben das Thema nicht auf dem Zettel, weil sie nicht daran denken, dass jede Frau ab 38 davon betroffen ist.

Wie können Frauen mit Herausforderungen wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen umgehen, um ihr allgemeines Wohlbefinden zu erhalten und ihre Karriereziele zu verfolgen?

D.U.: Für jede Frau gibt es Hilfe. Die Angebote und Möglichkeiten sind vielfältig. Bei der einen Frau sind es die Hormone, bei der anderen eine Ernährungsumstellung oder Bioidente Hormone oder der Yogakurs oder … Das ist sehr individuell, wichtig ist nur, dass keine Frau leiden muss. Jede kann und soll ihren ganz individuellen Weg finden.

Wichtig: Ein Drittel der Frauen spürt in den Wechseljahren gar nichts, einem Drittel geht es sosolala und ein Drittel leidet massiv unter Wechselbeschwerden.

Gibt es Beispiele von Frauen, die die Wechseljahre als Anstoß für positive Veränderungen genutzt haben?

D.U.: Ich denke, ich bin so ein Beispiel: Ich habe mit fast 48 noch einmal eine ganz neue berufliche Herausforderung gewagt und in einem Start-up-Unternehmen angefangen, in dem die nächstälteste Kollegin 20 Jahre jünger ist als ich. Außerdem habe ich mit der neuen Vollzeitstelle auch meinen Podcast gestartet, bei dem ich alles selbst mache und auch hier wieder einige Stunden pro Woche investiere.


Daniela Ullrichs wichtigste Tipps um gut durch die Wechseljahre zu kommen 

1. Reden

Darüber reden und sich austauschen hilft! Keine Frau ist mit ihren Problemen alleine

2. Informieren

Es gibt mittlerweile Plattformen wie wechselweise.net, wexxeljahre.de oder eveandi.health, die sich dem Thema annehmen. Menomio hören informiert und hilft auch.

3. Positiv denken

Nicht glauben, dass man jetzt zum alten Eisen gehört oder das Leben vorbei ist. Das genaue Gegenteil ist nämlich der Fall – jetzt beginnt erst der schöne Teil vom Sommer des Lebens!

4. Individuelle Bedürfnisse akzeptieren

Frei nach dem Motto: Gut ist, was gut tut. Egal welche Hilfsmittel, jede Frau darf ihren Weg ganz individuell gehen.

5. Offen sein

Für sich und für andere.


Hier geht es zum Wechseljahre-Podcast MENOMIO:

 

Fotomaterial© HK Pix

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