she.innovates meets A1 MINTchanger*innen 2026: KI kann viel. Aber sie gestaltet keine Zukunft.
Manchmal besteht die nächste Innovation nicht darin, noch etwas Neues hinzuzufügen, sondern darin, Komplexität herauszunehmen. Manchmal bedeutet Digitalisierung nicht, den persönlichen Kontakt zu ersetzen, sondern Menschen mehr Zeit genau dafür zu geben. Und manchmal ist die wichtigste Fähigkeit einer Führungskraft nicht, auf alles eine Antwort zu haben, sondern die richtigen Fragen zu stellen.
Bei she.innovates meets A1 MINTchanger*innen im Headquarter von A1 in Wien hat sich ein Gedanke durch die Gespräche des Abends gezogen: In einer von Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und technologischem Wandel geprägten Wirtschaft reicht Technologie allein nicht. Nein, es braucht Menschen, die Entscheidungen treffen, Zusammenhänge verstehen, Neues ausprobieren und Perspektiven einbringen, die bisher vielleicht noch zu selten am Tisch saßen.
Genau dafür bringt das Format Frauen aus MINT, Innovation, Leadership und Unternehmertum zusammen. Nicht nur, um über Zukunft zu sprechen, sondern um daraus konkrete Verbindungen entstehen zu lassen. Das erklärte Ziel: Jede Teilnehmer*in sollte mit mindestens fünf neuen, relevanten Kontakten nach Hause gehen.
Je mehr KI, desto wichtiger der Mensch?
Schon zum Auftakt wurde deutlich, dass technologische Innovation und menschliche Verantwortung nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen. Boris Recsey, Chief Growth, Commercial & Finance Officer bei sheconomy, erzählte von einem Beispiel aus seinem privaten Umfeld: Sein Sohn nutzt KI intensiv für seine Bachelorarbeit: von Recherche bis Analyse. Gleichzeitig werde transparent dokumentiert, wie und wofür KI zum Einsatz kommt. Bewertung und Schlussfolgerungen bleiben also menschliche Aufgaben. Eva Zehentner, Head of Group HR at A1 Telekom Austria Group, führte den Gedanken weiter: Gerade weil immer mehr Aufgaben digital erledigt oder an Technologien ausgelagert werden können, gewinne persönliche Begegnung an Bedeutung.
„Je mehr wir an KI und andere Dinge auslagern, desto wichtiger wird der menschliche Faktor und das, was das Zwischenmenschliche und das Interpersonelle ausmacht“, sagte Zehentner. Technologie verändert, wie wir arbeiten. Persönliche Netzwerke entscheiden weiterhin mit darüber, was daraus entsteht.

System Reset: Wenn weniger die bessere Innovation ist
Wie radikal sich der Innovationsbegriff gerade verschiebt, zeigte das Gespräch „System-Reset: Warum Einfachheit das neue Feature ist“ mit Stefanie Winkler-Schloffer von A1 und Ute Stadlbauer vom Austria Wirtschaftsservice (aws), moderiert von Simone Fasse, Editor at Large bei sheconomy. Für fast jedes Problem existiert inzwischen eine App, ein zusätzliches Feature oder ein weiterer digitaler Prozess. Doch mehr Möglichkeiten bedeuten nicht automatisch eine bessere Customer Experience. „Je mehr Möglichkeiten es gibt, umso schwerer wird es für viele von uns auch, sich zu entscheiden“, stellte Winkler-Schloffer fest.
A1 hat Simplifizierung deshalb als strategisches Thema verankert. „Simplifizierung ist kein Selbstzweck“, betonte sie. Prozesse und Angebote sollen einfacher werden, damit Kundinnen Produkte leichter nutzen können und Mitarbeiter*innen weniger Zeit mit komplexen Systemen und mehr Zeit mit Menschen verbringen.
Dass Digitalisierung dabei nicht automatisch „digital only“ bedeutet, zeigen auch die Zahlen: A1 habe laut Winkler-Schloffer im vergangenen Jahr 20 neue Shops in Österreich eröffnet. Der Wunsch nach persönlicher Beratung beschränke sich dabei keineswegs auf ältere Generationen.

Auch beim aws steht Vereinfachung auf der Agenda. Stadlbauer schilderte, wie gewachsene Systeme und Förderprozesse grundlegend neu gedacht werden. Statt an bestehende Strukturen immer weitere Lösungen anzubauen, werden Prozesse analysiert, vereinheitlicht und mit Feedback von Kund*innen weiterentwickelt. Der System Reset besteht damit nicht darin, Technologie zurückzudrehen. Sondern sie gezielter einzusetzen.
Kurswechsel: Führung verändert sich
Noch deutlicher wurde der Umfang der Transformation beim Panel „Kurswechsel: Frauen stellen die Weichen für die Zukunft“. Agnieszka Kühn, CEO Mercedes-Benz Österreich, Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, und Michaela Bundschuh, Geschäftsführerin von d-fine Austria, diskutierten über Mobilität, Energie, KI, neue Berufsbilder und welche Menschen diesen Wandel gestalten.
Kühn sprach von „multiplen Transformationen“ in der Automobilindustrie: Elektrifizierung, regulatorische Veränderungen, Digitalisierung, neue Software, KI, neue Wettbewerber und geopolitische Entwicklungen greifen gleichzeitig ineinander. Damit verändert sich auch Führung. „Es ist viel wichtiger, dass Führungskräfte nicht die Experten sind, sondern dass sie die richtigen Fragen stellen, dass sie zuhören können“, sagte Kühn. Wenn sich Technologien und Märkte immer schneller entwickeln, kann Expertise allein keine Autorität mehr garantieren. Gefragt ist die Fähigkeit, Wissen und Menschen zusammenzubringen.
Bundschuh beobachtet eine ähnliche Entwicklung in der Beratung: Früher klar getrennte Kompetenzbereiche verschmelzen jetzt und daher müssten Fachwissen, IT und Technologi stärker zusammengedacht werden. Anhand eines Beispiels zeigte sie, wie massiv KI Produktivität bereits verändern kann: Eine Arbeit, die zuvor etwa einen Monat benötigt habe, könne ein Kollege mit Unterstützung von KI inzwischen an einem Tag erledigen. Das mache den Menschen aber nicht überflüssig, „vielmehr brauche es Menschen, die Ergebnisse verstehen, Systeme gestalten und überprüfen können.“
Warum mehr Perspektiven mehr sind als ein Diversity-Ziel
Die technologische Transformation führte im Panel zwangsläufig auch zur Frage: Wer gestaltet sie? Dabei ging es gerade nicht darum, Frauen pauschal vermeintlich „weibliche“ Führungsqualitäten zuzuschreiben. Kühn lenkte die Diskussion auf die unterschiedlichen Perspektiven, die durch vielfältigere Teams in Entscheidungsprozesse kommen.

„Je vielfältiger das Team ist, desto langfristiger sind die Ziele und Erfolge ausgerichtet“, sagte sie. Unterschiedliche Erfahrungen erweiterten die Aspekte, die bei Entscheidungen berücksichtigt werden.Barbara Schmidt kennt die Veränderung aus einer traditionell stark männlich geprägten Energiewirtschaft. Vor dreieinhalb Jahren machte sie aus informellen Treffen von Frauen ein offizielles Netzwerk. Sichtbarkeit ist dabei nur der erste Schritt. Frauen sollen auf Bühnen kommen, voneinander lernen, Informationen teilen und berufliche Möglichkeiten weitergeben. Veränderung wird bereits sichtbar: Bei einem kurz zuvor abgehaltenen Branchen-Kongress lag der Frauenanteil laut Schmidt bei 26 Prozent , „damit deutlich höher als in früheren Jahren.“
Für Kühn bleibt das langfristige Ziel allerdings ein anderes: Dass nicht mehr darüber gesprochen werden muss, ob eine Frau oder ein Mann eine Position übernimmt. Quoten hält sie auf dem Weg dorthin dennoch für wichtig, weil sie dazu beitragen können, Normalität herzustellen.
Der Abschluss reicht nicht mehr
Was all diese Veränderungen für Karrieren bedeuten, führte direkt zum Thema Life Long Learning.Barbara Orazume, Head of Corporate Solutions and Short Courses der TU Academy, beobachtet, dass sich nicht nur die Halbwertszeit von Wissen verkürzt. Auch die Art, wie Menschen lernen wollen, verändert sich. Neben längeren akademischen Weiterbildungen gewinnen kürzere Formate, Austausch und Lernen innerhalb einer Peergroup an Bedeutung.
„Wir stehen nicht dafür, dass wir die ganze Weisheit haben, die wir den Leuten vermitteln“, erklärte Orazume. Weiterbildung bedeute zunehmend, Lernräume zu schaffen. Ein wesentlicher Teil dessen, was Teilnehmer*innen mitnehmen, entstehe dabei durch die anderen Menschen im Raum.
Wie früh dieses kontinuierliche Lernen beginnen kann, zeigte Viktoria Haslauer, Techniklehrling bei A1. 40 Stunden Beruf, Future Campus, Berufsschule, Programmieren und zusätzliche technische Zertifikate gehören für sie gleichzeitig zum Ausbildungsalltag. Was sie antreibt? „Hauptsächlich ist es einfach die Neugier, diese Lust auf irgendetwas Neues und auf etwas, was man einfach noch nicht kennt.“

Dabei hatte Haslauer vor ihrer Bewerbung für die Lehre nach eigener Aussage kaum Berührung mit Technik. Sie probierte es aus – und entwickelte eine Leidenschaft dafür. Genau dieses Ausprobieren hält auch Orazume für entscheidend. Lernen brauche zwei Modi: Reflexion und Tun. „Man kann sich viel selbst analysieren, man kann beobachten, was gebraucht wird am Arbeitsmarkt, aber erst im Tun findet man eigentlich heraus, wo die eigenen Stärken sind.“
Aus Kontakten wird Community
Damit schließt sich der Kreis zu einem wesentlichen Gedanken von she.innovates: Gute Veranstaltungen schaffen Begegnungen, aber entscheidend ist, was danach daraus entsteht. Der Community-Gedanke von sheconomy reicht deshalb bewusst über einzelne Eventabende hinaus. Und genau hier setzt die she Community Membership an: Kontakte weiterführen, Wissen teilen und ein Netzwerk aufbauen, das nicht nach dem letzten Panel endet.
Zum Angebot von sheconomy gehören neben Events auch Online- und Offline-Formate sowie Career Sessions, in denen es um konkretes Wissen und handfeste Skills für Karriere und Berufsalltag geht.
Für alle, die Teil der Community werden möchten, gibt es anlässlich der she.innovates ein Special: Wer sich bis 15. Oktober anmeldet, erhält mit dem Code mintchangerin26 25 Prozent Rabatt auf die Membership ➡️
https://sheconomy.media/shop/she%c2%b7community-membership/
Unterstützt wurde she.innovates von A1, Mercedes-Benz Österreich, d-fine, Austria Wirtschaftsservice (aws), Wristbanditz, Generali, Oesterreichs Energie, EGYM Wellpass, Erste Asset Management und TU Wien Academy.
Innovation aus dem eigenen Haus: der Gender Key
Und weil Innovation nicht nur diskutiert, sondern auch selbst entwickelt werden kann, war bei she.innovates auch eine eigene sheconomy-Innovation Thema: der Gender Key. Das kostenlose Plugin macht inklusive Sprache per Tastendruck ganz einfach und ergänzt bei entsprechenden Personen- und Berufsbezeichnungen die weibliche Form: aus einem „Innovator“ wird beispielsweise auf Knopfdruck „Innovator*in“.
Der Gedanke dahinter: Sichtbarkeit soll nicht an komplizierter Anwendung scheitern. Den Gender Key gibt es kostenlos zum Download unter:
https://sheconomy.media/gender-key/
IMPRESSIONEN der she.innovates: