RISE! geht in die zweite Runde: Diesmal wird ganz Wien orange
„Hinsehen statt wegsehen!“ appellierte RISE!-Initiatorin Christine Klimaschka am 6. Oktober im Haus der Europäischen Union bei der Präsentation der zweiten Ausgabe des Kulturprojekts – um im Anschluss gleich die legendäre österreichische Frauenministerin Johanna Dohnal zu zitieren: „Aus taktischen Gründen leiser zu treten, hat sich immer noch als falsch erwiesen.“ Und sie legte gleich einen Satz nach, der das Anliegen der Initiative auf den Punkt bringt: „Man kann Gewalt nicht durch Kunst verhindern, aber man kann durch Kunst verhindern, dass man wegschaut.“
Dass Kunst Menschen bewegen kann, hat RISE! bereits im März eindrucksvoll bewiesen. Am Weltfrauentag verwandelten gemeinsam mit und unter dem Ehrenschutz von Österreichs First Lady Doris Schmidauer mehr als 2.000 Frauen – und einige wenige Männer – die Wiener Staatsoper in einen gewaltigen Resonanzraum weiblicher Solidarität. Unter dem Motto „Women’s Voices for Change“ wurde gemeinsam mit Künstlerinnen wie Christina Stürmer, Lidia Baich, Ilia Staple, Mariko Hara, Vazista und Rachelle Jeanty – gemeinsam organisiert mit dem Verein Madita – gesungen, gefeiert und ein Zeichen für jene gesetzt, deren Stimmen sonst kaum gehört werden. Für konkrete Frauenprojekte der Caritas Wien konnten 70.000 Euro an Spenden gesammelt werden.
Nun geht RISE! in die zweite Runde. Diesmal soll nicht nur die Staatsoper, sondern gleich die ganze Stadt zum Schauplatz werden. Vom 25. bis 28. November stehen Wien mehrere Kunstaktionen und Veranstaltungen bevor, die im Rahmen der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ gemeinsam mit den UN Women Austria auf ein Thema aufmerksam machen, bei dem Wegsehen keine Option sein darf.

Wenn Kunst zum Warnsignal wird
Den weithin sichtbaren Auftakt liefert am 25. November Lichtkünstlerin Billi Thanner. Ihre INFINITY-Installation an der Wiener Votivkirche wird in Orange erstrahlen – jener Farbe, die international als Symbol für eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen und Mädchen steht.
Im Künstlerhaus widmet sich die Ausstellung „HEADSHOT“ einem besonders bedrückenden Aspekt des Themas: Femiziden. Die Fotografen Iris und Erik Diewald-Hagen porträtieren dafür Frauen aus der Öffentlichkeit, stellvertretend für jene, deren Leben durch Gewalt ausgelöscht wurde. Die Ausstellung ist vom 27. November bis 6. Dezember zu sehen.
Hinschauen, auch wenn es unbequem wird
Den Höhepunkt bildet am 28. November „ORANGE THE NIGHT“ in der Wiener Hofburg. Doris Schmidauer, unter deren Ehrenschutz RISE! erneut steht, erinnert bei der Präsentation an die Verantwortung jedes Einzelnen: „Jede Frau hat ihren Wirkungsbereich“, erinnerte sie bei der Veranstaltung. In ihrem offiziellen Statement betonte sie zudem, dass Zivilcourage bedeute, auch dann aufzustehen, wenn es unbequem werde. Betroffene dürften nicht allein gelassen werden.
Auf dem Programm stehen Musik, Tanz und Performances, unter anderem eine eigens für diesen Abend kreierte Darbietung der international gefeierten Choreographin Sophie Laplane mit den Ballettstars Rebecca Horner und Liudmila Konovalova, der Sängerin und Latin Grammy Nominee Tamara Flores, der iranischen Künstlerin Vazista, Österreichs bekanntester DJ Dominique Jardin, Singersongwriter Christl und dem mehrfach ausgezeichneten Theaterensemble NESTERVAL. Moderiert wird der Abend von Lilian Klebow und Mari Lang. Der Reinerlös des Abends kommt zwei Gewaltpräventionsprojekten der Caritas Wien und des Vereins MADITA zugute.
„Bis auch Du es erkannt hast“
Dass Gewalt gegen Frauen keine Privatangelegenheit ist, machte auch Volksanwältin Gaby Schwarz bei der Präsentation deutlich, die auch zu den wesentlichen Unterstützerinnen von RISE! zählt. Sie verwies insbesondere auf die schwierige Situation von Betroffenen im ländlichen Raum, wo fehlende Anonymität und weite Wege zu Beratungsstellen zusätzliche Hürden darstellen.
Mit ihrer Initiative #mutfrauen will Schwarz Frauen ermutigen, ihre Stimme zu erheben und anderen beizustehen. Mehr als 50 Frauen haben sich bereits daran beteiligt. Warum sie immer wieder gefragt werde, ob sie Feministin sei? Ihre ebenso knappe wie schlagfertige Antwort: „Bis auch Du es erkannt hast.“

Von der Solidarität zum politischen Druck
Wie wichtig es ist, aus öffentlicher Aufmerksamkeit auch politische Konsequenzen entstehen zu lassen, unterstrich Helene Gressenbauer-Rösner, Ehrenpräsidentin von UN Women Austria. „Wir wollen den Druck so weit erhöhen, dass Regierungen ins Handeln kommen“, erklärte sie.
Mit UN Women Austria hat RISE! diesmal eine Partnerorganisation an Bord, die sich international für Frauenrechte und die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt einsetzt. Präsidentin Katharina Kräftner verwies auf das diesjährige Kampagnenmotto, das Gerechtigkeit für Betroffene, ihren Schutz und ein Ende der Straflosigkeit in den Mittelpunkt stellt.
Dass es dafür mehr als einzelne Aktionen braucht, betonte auch die deutsche Bestsellerautorin und Frauenrechtsaktivistin Kristina Lunz – erst vor wenigen Tagen präsentierte sie ihr Buch „Wer hat Euch erlaubt, Frauen so zu hassen“ (Heyne). Gegen gesellschaftliche Widerstände könne man nicht ständig allein wieder aufstehen. „Es braucht eine andere, die kommt und einem unter die Arme greift“, sagte sie.
Getragen wird die Initiative deshalb auch von einem Netzwerk aus Unternehmen und Organisationen. Zu den Unterstützerinnen gehören unter anderem REMUS-Group-Co-CEO Marion Gergely und Ursapharm-Österreich-Geschäftsführerin Ulrike Swoboda. Sie wollen ihre Reichweite nutzen, um das Thema über die eigentlichen Veranstaltungstage hinaus sichtbar zu machen.
Vielleicht liegt genau darin die größte Herausforderung für RISE!: Aus einem Abend voller Emotionen eine Wirkung zu entwickeln, die bleibt. Im März haben 2.000 Frauen in der Staatsoper gezeigt, wie viel Kraft in einer gemeinsamen Stimme steckt. Im November geht es darum, diese Kraft in Aufmerksamkeit, Zivilcourage und konkretes Handeln zu übersetzen.
Denn das Entscheidende ist nicht, wie viele Menschen hinschauen, wenn Wien orange leuchtet. Sondern wie viele es auch danach noch tun.
Termine:
RISE! SEE THE SIGNS
- 25. November: INFINITY ORANGE, Billi Thanners Lichtinstallation an der Votivkirche
- 27. November bis 6. Dezember: HEADSHOT, Künstlerhaus Wien
- 28. November: ORANGE THE NIGHT, Wiener Hofburg, Einlass 19 Uhr, Programmbeginn 20 Uhr
Informationen und Tickets: www.women-rise.at