„Nach vorne schauen, heißt Zukunft zu gewinnen“
„Je mehr KI integriert ist, desto wichtiger wird die persönliche Handschrift“, betonte Angelika Rosam, Herausgeberin von Falstaff LIVING, gleich zu Beginn der 4. LIVING Design Awards im Wiener MAK. Und Hausherrin Lilli Hollein, Generaldirektorin des MAK, erinnerte daran, wie wichtig Preise für das Sichtbarmachen von Können und kreativer Leistung sind. Zwei Aussagen, die den Abend wunderbar auf den Punkt brachten: Je digitaler unsere Welt wird, desto unersetzlicher wird das Echte, das Spürbare und die unverwechselbare Seele des Menschengemachten.
Mitte Oktober wurde der prächtige Säulensaal des MAK zum Treffpunkt der internationalen Design- und Architekturszene. Was Angelika Rosam vor vier Jahren mit fünf Kategorien ins Leben gerufen hatte, ist mittlerweile zu einer beachtlichen Leistungsschau in 14 Kategorien angewachsen. Längst reicht die Strahlkraft der Awards weit über Österreich hinaus.

Besonders erfreulich: die geballte Frauenpower! Allen voran die legendäre italienische Designerin Paola Lenti, die für ihr unverwechselbares Outdoor Design ausgezeichnet wurde. Der Award für „Creativity made in Austria“ ging an Marie Hartig vom Studio Hartig, jener für „Creativity International“ an die britische Designerin Bethan Laura Wood. Auch beim „Hotel Design“ war mit Karianne Rimmereid von Bonaparte Interiør weibliche Gestaltungskraft vertreten: Gemeinsam mit Vardehaugen Architects wurde das Projekt „Ytri Island Retreat“ prämiert.
Ein schöner Beweis dafür, dass die internationale Designwelt längst nicht mehr nur von großen Männernamen geprägt wird. Und dass Sichtbarkeit eben auch damit zu tun hat, wem wir eine Bühne geben.
Einen dieser großen Namen durfte man an diesem Abend freilich besonders feiern: Matteo Thun. Der vielfach ausgezeichnete Designer und Architekt, der in den 1990er-Jahren an der Wiener Angewandten Produktdesign und Keramik unterrichtete, nahm den Lifetime Achievement Award entgegen und brachte seine Gestaltungsphilosophie auf einen erfreulich einfachen Nenner: „Wir wollen das Leben für die Menschen einfacher, besser und schöner gestalten.“

Dass Design weit mehr ist als die Frage, ob ein Sessel hübsch aussieht oder eine Lampe zum Wohnzimmertisch passt, zeigte sich auch an der Bandbreite der ausgezeichneten Projekte. Von Architektur und Hotellerie über Mobilität bis zum klassischen Objektdesign ging es letztlich immer auch um die Frage, wie wir künftig leben wollen.
Für den festlichen Rahmen sorgten ein köstliches Galadinner, inspirierende Begegnungen und die supercharmante Moderation von Teresa Vogl. Die von Künstlerin Billi Thanner entworfenen, je nach Lichteinfall changierenden Trophäen waren dabei selbst kleine Kunstwerke.
Das letzte Wort gebührt allerdings Matteo Thun, der den Blick über die Preisverleihung hinaus richtete: „Nach vorne schauen heißt, die Zukunft zu erkennen und Zukunft zu gewinnen.“
Ein schöner Anspruch. Genau darum geht es bei gutem Design: mutig vorauszudenken, um die Welt von morgen zu einem besseren Ort für uns alle zu machen.
