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Ein kurzer Moment der Überwindung namens – Mut

„Ich möchte Mathe genauso spielerisch an junge Menschen vermitteln, wie ich sie als Kind empfunden habe“, sagte mir Bettina Cornean vor wenigen Tagen bei der herCareer-Messe in München, der größten Messe für weibliche Karriere im deutschsprachigen Raum. Um ihrer Vorstellung eine konkrete Form zu geben, arbeitet Bettina, die ihr Abi extern erworben und dann Mathe und Physik studiert hat, derzeit an einem Buch. Zusätzlich hat sie, gemeinsam mit einem Partner, vor vier Jahren Zeit die Nachhilfe-Plattform „Die Mathleten“ gegründet und wurde bereits mehrfach zum besten Mathe-Nachhilfe-Institut Münchens gekürt. Das alles hat sie, die ich zuvor nicht kannte, mir in wenigen Minuten vor meinem Vortrag über eines meiner Lieblingsthemen „It’s all about Role Models“ erzählt.

Unter den Zuhörerinnen befand sich eine andere junge Frau, die in der IT-Security tätig ist. Was sie da genau macht, war schwer herauszufinden, weil sie sehr schüchtern war und ihr jede weitere Information, zum Beispiel in welcher Branche sie arbeitet, nur durch an Unhöflichkeit grenzendes, hartnäckiges Nachfragen zu entlocken war.

Beide Beispiele zeigen: Mut spielt eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, andere auf sich aufmerksam zu machen, seine Leistungen oder seine Expertise zu präsentieren oder sich selbst in ein attraktives Licht zu rücken. So scheitert am fehlenden Mut ein erheblicher Teil weiblicher Berufswünsche. Etwa, weil junge Frauen sich nicht an unkonventionelle Ausbildungen heranwagen, weil sie nicht „das einzige Mädchen“ in einer Klasse von Tech-, Data- oder IT-Studenten sein auch wollen. Später fehlt ihnen oft der Mut, etwas anzupacken, bei dem sie an den eigenen Ansprüchen scheitern könnten (Achtung, Perfektionismus-Falle!). Oder sie wagen sich nicht auf ein Terrain, das bislang vorrangig von Männern besetzt war – was zum Beispiel auf fast alle Führungsfunktionen zutrifft. Man kann also sagen: Mut macht die halbe Miete, vieles vom Weiteren ergibt sich dann (scheinbar) wie von selbst.

Die neue Ausgabe von SHEconomy ist ein Mutmacher-Heft. Eigentlich gestaltet unter dem Schwerpunkt Technologie und Innovation – aber je mehr wir uns in das Thema vertieften, desto intensiver merkten wir, wie stark gerade dieser Bereich, wenn er erfolgreich von Frauen bespielt wird, mit Mut verbunden ist. Unser Cover-Testimonial Hildegard Wortmann, Vorständin bei Audi und eine der ganz wenigen Frauen an der Spitze eines internationalen Autokonzerns, sagt im Interview ganz klar heraus: „Ich finde, man sollte in seinem beruflichen Leben mutig die Chancen ergreifen, die sich einem bieten“.

So viel Courage liegt nicht einer jeden. Mit den Geschichten, über die wir diesmal berichten, zeigen wir aber auf: Es ist nur ein kurzer Moment der Überwindung, nur einmal ins kalte Wasser springen – dann aber ist man rasch im Fluss mit sich selbst und seinen beruflichen Wünschen. Natürlich mit allen Hürden und Rückschlägen, die man auch in anderen Jobs erlebt.

Egal, ob es das Interview mit Sieglinde Pfändler ist, die maßgeblich an der Entwicklung des ersten IBM-Quantencomputers mitgewirkt hat, der Report über Female Leaders, die an der Konzeption neuer „empathischer Städte“ mitwirken oder das Portrait von der „einarmigen Prinzessin“, Vize-Miss Germany Gina Rühl, die sich mithilfe einer Hightech-Armprothese und Social Media wieder ins Leben zurückgekämpft hat ­– sie alle zeigen auf, dass Mut viel zu oft überlebensgroß buchstabiert wird, fast immer aber eine Frage des Mindsets ist, an dem jeder für sich in den geeigneten Momenten feilen kann.

Deshalb: Trauen Sie sich etwas zu, glauben Sie an sich! Wir zeigen Ihnen Wege auf, wie es gehen kann. Eine schöne Woche, wünscht Ihnen



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