StartOpinionDie Queen, Keith Richards und das Role-Model-Puzzle

Die Queen, Keith Richards und das Role-Model-Puzzle

Schon seltsam. Obwohl die meisten von uns mit der Monarchie nichts am Hut haben, bewegt uns das Ableben von Queen Elizabeth II. doch mehr, als wir es uns wahrscheinlich vorgestellt haben. Die für mich berührendste und zugleich einleuchtendste Erklärung lieferte Guido Tartarotti von der österreichischen Tagezeitung KURIER, indem er schrieb: „Etwas, das immer da war, fehlt – und plötzlich klopft die Endlichkeit an die Türe“. Und einige Zeilen weiter: „Jetzt bleibt uns allen, die wir etwas brauchen, das sich nie verändert nur noch Keith Richards. Der ist wirklich unsterblich. Vermutlich.“

Bei näherer Überlegung gibt es natürlich – abgesehen von ihrem Fixplatz in der Geschichte –Unsterblichkeits-Aspekte bei der Queen, etwa in Bezug ihre Role-Model-Tauglichkeit. Meine ganz persönliche Lieblingsgeschichte von Elisabeth II. ist zum Beispiel, dass sie es sich bei einem Besuch des Königs Abdullah von Saudi-Arabien auf Schloss Balmoral, 1998, nicht nehmen hat lassen, ihn persönlich zu chauffieren – den Herrscher eines Landes, in dem Frauen erst seit 2018 (!) alleine Autofahren dürfen. Bei einem Besuch des Rumänischen Staatsoberhauptes Nicolae Ceausescu im Jahr 1978 versteckte sich die Queen hinter einem Busch im Park des Buckingham Palace, um nicht gemeinsam mit dem Diktator abgelichtet zu werden.

Auch in Modedingen kann man sich ein Stückchen abschneiden: Etwa bei Königin Elisabeths Mut zu starken Farben, was, wenn man nicht mehr gaaanz jung ist, sehr oft sehr positiv zur Unterstreichung von Persönlichkeit dient. Oder die Raffinesse, mancher ihrer Outfits: Man erinnere sich an den legendären blau-gelben Hut, den sie anlässlich der Verkündung des Brexits trug.

Sicher gab es Schattenseiten, wo sich die Queen weniger vorbildlich verhielt. Aber das soll nicht hier und heute Thema sein. Was ich mit meinem Text vermitteln möchte: Wir sollten viel häufiger unsere Role-Model-Betrachtungen „filetieren“, weil sich damit auch für uns mehr Möglichkeiten eröffnen. Eine Frau wäre dann Vorbild beim Thema Mut, eine andere beim Thema Präsentation, eine dritte bei Gehaltsverhandlungen, eine vierte, wenn es um innovatives Denken geht, usw. Denn keine muss alles können; somit wäre es auch ein Abgesang an den Perfektionismus.

Baut man nun aus diesen Puzzlesteinen von unterschiedlichen, real existierenden Personen sein eigenes, quasi individualisiertes Role-Model zusammen, stärkte dies automatisch die Vielseitigkeit in uns. Und je mehr in uns steckt, desto mehr haben wir weiterzugeben! Insofern wünsche ich Ihnen eine anregende Woche mit vielen tollen Begegnungen, die Sie bereichern und bei denen Sie andere bereichern können.



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