Zwei Frauen, ein gemeinsames Ziel
Sie arbeiten beide im Geschäftsbereich Energie der ÖBB Infra – an unterschiedlichen Stellen, aber mit einem gemeinsamen Ziel. Wofür sind Sie jeweils verantwortlich?
Gerda Lutz-Kutschera: Als Projektmanagerin für Erneuerbare Energien begleite ich neue Anlagen von der Idee bis zur Inbetriebnahme. Ich bin für Agri-Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher im Megawatt-Bereich zuständig und dafür, dass sie ins 16,7-Hz-Bahnstromnetz integriert werden. Das reicht von technischer Planung und Behördenverfahren über die Koordination externer Partner bis zur Umsetzung vor Ort. Auch die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen oder begleitende Naturschutzmaßnahmen gehören dazu.
Azra Kujundzic: Ich leite das Team Portfoliomanagement im Geschäftsbereich Energie. Wir sorgen dafür, dass der grüne Bahnstrom der ÖBB sicher und möglichst kosteneffizient zur Verfügung steht. Dazu steuern wir das Bahnstromportfolio, optimieren den Einsatz unserer eigenen Erzeugung aus Wasserkraft, Photovoltaik und Windkraft und beschaffen jene Mengen, die wir zusätzlich am Markt brauchen. Außerdem bewerten wir neue Anlagen wirtschaftlich und entwickeln Strategien für ihre spätere Bewirtschaftung.
Wo zeigt sich konkret, wie eng Ihre Arbeit zusammenhängt?
G.L.-K.: Aktuell besonders bei der ersten Hybridanlage mit Photovoltaik und BESS für 16,7-Hz-Bahnstrom bei den ÖBB. BESS steht für „Battery Energy Storage System“, also einen Batteriegroßspeicher. Solche Projekte zeigen sehr gut, dass erneuerbare Energie nicht nur errichtet, sondern von Anfang an auch technisch und wirtschaftlich mitgedacht werden muss.
A.K.: Genau dort greifen unsere Aufgaben ineinander. Mein Team liefert
die wirtschaftlichen Grundlagen für die Bewertung solcher Speicherprojekte. Gleichzeitig dienen diese Anlagen als Modell für die künftige Bewirtschaftung von Großspeichern bei den ÖBB. Damit das funktioniert, braucht es eine enge Abstimmung zwischen Projektmanagement, Systemdesign und Portfoliomanagement.
Was begeistert Sie daran, an der Energiezukunft der ÖBB mitzuarbeiten?
A.K.: Mich begeistert die Vielfalt. Trotz mehr als 20 Jahren in der Energiewirtschaft lerne ich ständig dazu. Gleichzeitig schätze ich die Zusammenarbeit mit einem hoch engagierten Team.
G.L.-K.: Für mich ist es die Verbindung von nachhaltiger Mobilität und erneuerbarer Energie. Besonders motivierend ist es, an Projekten zu arbeiten, die sichtbar zur Energie- und Mobilitätswende beitragen.
Der Energiebereich gilt noch immer als männerdominiert. Was möchten Sie jungen Frauen mitgeben?
A.K.: Bleibt fachlich neugierig, entwickelt euch weiter – und traut euch etwas zu. Viele Chancen gehen nicht deshalb verloren, weil man sie nicht bekommt, sondern weil man zu lange an sich selbst zweifelt. Wenn sich eine Möglichkeit ergibt, sollte man sie ergreifen.
G.L.-K.: Lasst euch nicht auf die Kategorie weiblich/männlich reduzieren, sondern konzentriert euch auf das, was ihr könnt und mitbringt. Niemand kann alles wissen – wichtig ist, die eigenen Stärken zu kennen, weiterzulernen und sich Menschen zu suchen, die einem den Rücken stärken. Und genauso wichtig: auch selbst andere zu unterstützen.