Der Women in Work Index bewertet die Fortschritte bei der Verwirklichung der Geschlechtergleichstellung am Arbeitsplatz in 33 OECD-Ländern. Aufholbedarf gibt es vor allem bei fairer Bezahlung und Vollzeitquote.

Besonders auffällig ist die sinkende Vollzeitbeschäftigung unter Frauen. Der Anteil fiel gegenüber dem Vorjahr von 65,8 auf 64,5 Prozent, während Männer mit 90,2 Prozent nach wie vor deutlich häufiger in Vollzeit arbeiten. Ein strukturelles Ungleichgewicht, das sich hartnäckig hält.


Zwar liegt die Arbeitslosenquote von Frauen mit rund fünf Prozent unter jener der Männer (rund sechs Prozent). Doch diese Zahl täuscht. Denn viele Frauen arbeiten in Teilzeit, sind unterbezahlt und haben geringere Aufstiegschancen. Erwerbstätigkeit bedeutet eben nicht automatisch wirtschaftliche Gleichstellung – ein Unterschied, der in der politischen Diskussion oft untergeht. Beim Thema Lohn bleibt die Lage ebenfalls unbefriedigend: Mit 17,6 Prozent liegt der Gender Pay Gap in Österreich weiterhin deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 12,4 Prozent. Zwar hat sich die Lücke um 0,7 Prozentpunkte verringert – ein kleiner Schritt, aber kein Grund zur Entwarnung.

Die Spitzenreiter machen es vor

An der Spitze des Rankings stehen zum fünften Mal in Folge dieselben fünf Länder: Island, Luxemburg, Neuseeland, Schweden und Slowenien. Was sie verbindet: konsequente strukturelle Maßnahmen. Flexible Elternzeitmodelle, flächendeckende Kinderbetreuung, garantierte Betreuungsplätze und großzügiger Elternurlaub für beide Elternteile sind dort keine Ausnahme, sondern Standard.

Island sticht dabei besonders hervor. Mit einer Erwerbsbeteiligungsquote von 85,1 Prozent liegt das Land weit über dem OECD-Schnitt von 73,1 Prozent. Klare politische Rahmenbedingungen und eine Unternehmenskultur, in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf selbstverständlich ist, machen den Unterschied.

Agatha Kalandra, Vorstandsmitglied und Sustainability-Leaderin bei PwC Österreich, bringt es auf den Punkt: „Die Erfahrungen der Spitzenländer zeigen klar: Investitionen in strukturelle Maßnahmen wirken. Fehlende Kinderbetreuung, starre Arbeitsmodelle und anhaltende Gehaltsunterschiede verhindern hingegen, dass top ausgebildete Talente voll genutzt werden.“

Globaler Fortschritt verliert an Fahrt

Aber auch im internationalen Bild gibt es Anlass zur Sorge. Zwar haben sich alle untersuchten Länder seit Einführung des Index im Jahr 2011 verbessert – doch das Tempo hat deutlich nachgelassen. Zwischen 2023 und 2024 stieg der OECD-Durchschnitt lediglich um 0,6 Punkte. Das entspricht nur der Hälfte der durchschnittlichen jährlichen Verbesserungsrate und ist der geringste Anstieg seit der COVID-Pandemie. Als Hauptursachen gelten ein historischer Rückgang der Vollzeitbeschäftigung von Frauen sowie steigende Arbeitslosenquoten.

Immerhin: Beim Gender Pay Gap verzeichnete der OECD-Raum den stärksten Rückgang der vergangenen fünf Jahre – von 13,0 auf 12,4 Prozent. Auch die Lücke bei der Erwerbsbeteiligung verringerte sich, von 8,8 auf 8,5 Prozent.

Brüssel schafft neuen Rahmen

Ein konkreter Impuls kommt aus der EU: Ab Juni 2026 tritt die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in Kraft. Arbeitgeber werden dann verpflichtet, Gehaltsspannen in Stellenanzeigen zu nennen, Vergleichsgehälter offenzulegen und Bewerberinnen und Bewerber nicht mehr nach ihrem bisherigen Einkommen zu fragen.

Hier geht es zur gesamten Studie

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