Metallteile schweißen, schwere Bauteile durch die Fertigung bewegen, Arbeiten in gefährlichen Umgebungen übernehmen: Genau für solche Aufgaben werden humanoide Roboter in der Industrie interessant. Auf der Hannover Messe 2026 zeigen Aussteller bereits konkrete Anwendungen rund um Physical AI — etwa Agile Robots aus München mit dem humanoiden Agile One oder Hexagon mit AEON, einem System für industrielle Handhabung, Inspektion und digitale Zwillinge. Die Hannover Messe 2026 findet vom 20. bis 24. April 2026 unter dem Leitthema „THINK TECH FORWARD“ auf dem Messegelände Hannover statt. Im Fokus stehen KI-gestützte Fabriken, klimaneutrale Produktion, Wasserstoff, innovative Materialien und neue agentische Lieferketten. Ein Novum ist der neue Defense Production Park für Sicherheits- und Verteidigungstechnologien.

Die deutsche Industrie blickt laut Digital-Branchenverband Bitkom mehrheitlich mit Erwartung auf die neue Robotergeneration. 58 Prozent der Industrieunternehmen sind der Auffassung, dass humanoide Roboter dem Fachkräftemangel in der deutschen Industrie entgegenwirken können. 68 Prozent glauben, dass sie helfen können, Arbeitsunfälle zu reduzieren. Im Produktionsalltag sind humanoide Roboter derzeit noch die Ausnahme. 6 Prozent der Unternehmen setzen sie bereits ein, 10 Prozent planen den Einsatz und 8 Prozent diskutieren darüber. Zugleich ist die langfristige Offenheit enorm: 97 Prozent der Industrieunternehmen können sich vorstellen, dass humanoide Roboter künftig in der Breite der Produktion eingesetzt werden. Für Bitkom-Vizepräsidentin Dr. Tanja Rückert kommt die Debatte zu Physical AI zur richtigen Zeit. „Geopolitische Unsicherheiten, die wirtschaftliche Lage und der demographische Wandel setzen die deutsche Industrie unter Druck“, sagt sie. „Humanoide Roboter können hier Teil der Lösung sein: Sie können die Unternehmen leistungsfähiger machen und Aufgaben dort übernehmen, wo Arbeiten besonders gefährlich und risikobehaftet sind oder Personal fehlt.“

Produktivität ja – aber in den Belegschaften überwiegt noch Skepsis

So groß das Interesse der Unternehmen ist, so zurückhaltend sind nach ihrer Wahrnehmung viele Beschäftigte. 62 Prozent der Industrieunternehmen sagen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stünden dem Einsatz humanoider Roboter skeptisch gegenüber. Dahinter dürfte vielfach auch die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz stehen.Rückert hält deshalb vor allem die Einführungskultur in den Unternehmen für entscheidend: „Richtig eingesetzt, unterstützt die Technologie den Menschen, steigert die Produktivität und sichert so die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie – und erhält damit bestehende Arbeitsplätze oder schafft neue. Damit dies gelingt, müssen Unternehmen ihre Belegschaft frühzeitig einbinden, Sorgen ernst nehmen und Berührungsängste durch gezielte Aus- und Weiterbildung abbauen.“ Dass humanoide Robotik auf der Hannover Messe 2026 so sichtbar ist, passt zur größeren Entwicklung: Die Messe bezeichnet Industrial AI als einen zentralen Wettbewerbsfaktor, und humanoide Systeme werden dort als Teil dieser industriellen Transformation inszeniert. Die Leitfrage ist nicht mehr nur, was technologisch möglich ist, sondern wo sich Robotik in Produktion, Logistik und Sicherheit wirtschaftlich sinnvoll einsetzen lässt. Für die deutsche Industrie liegt genau darin der Nutzen: Humanoide Roboter sollen nicht einfach Menschen ersetzen, sondern dort einspringen, wo Arbeit gefährlich, körperlich belastend oder personell kaum noch zu besetzen ist.

Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen Befragung von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Dafür wurden anlässlich der Hannover Messe 555 Industrieunternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit mindestens 100 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt

Pixabay / Hexagon
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