Die Immobilienwirtschaft steht vor einem Wandel – strukturell, wirtschaftlich und kulturell. Natalia de Leve zeigt, wie Frag en diesen Wandel aktiv mitgestalten: mit klarer Haltung, unternehmerischem Mut und neuen Geschäftsmodellen. Im Interview spricht die Immobilienmanagerin über Diversität als Erfolgsfaktor, faire
Marktmechanismen und warum beim Kauf nicht nur der Zinssatz entscheiden sollte.

Frau de Leve, die Immobilienwirtschaft gilt bis heute als stark männlich geprägt. Warum braucht die Branche aus Ihrer Sicht dringend mehr Diversität?

Homogene Führungsteams neigen eher zu höherer Risikobereitschaft und zu Gruppendenken. Gemischte Teams hingegen betrachten Risiken und Chancen ausgewogener und wägen Alternativen strukturierter ab. Entscheidungen werden dadurch weniger impulsiv und gleichzeitig tragfähiger. Gerade bei komplexen Immobilienentscheidungen wie zum Beispiel bei der Überprüfung einer Strategieänderung bin ich überzeugt, dass die Vielfalt an Perspektiven einen echten Mehrwert schafft.

Mit welchen Fähigkeiten bereichern Frauen die Immobilienbranche?

Frauen bringen aufgrund ihrer Positionierung, Sozialisation und Erfahrung zusätzliche Blickwinkel in Entscheidungsprozesse ein, die sich auf die Entscheidungsqualität auswirken. In herausfordernden Marktphasen erlebe ich, dass Frauen häufig mit Fähigkeiten wie Anpassungsfähigkeit bei veränderten Rahmenbedingungen, einer strukturierten Herangehensweise und vorausschauendem Denken überzeugen. Dies zeigt sich besonders im Umgang mit Komplexität: das große Ganze im Blick zu behalten, ohne relevante Details zu verlieren.

Ihr Maklermodell setzt auf transparente Fixpreise und verzichtet auf eine Käuferprovision. Warum ist dieses Modell für Privatkäufer*innen fairer?

Aus meiner Sicht ist die Provisionsteilung nicht logisch. Die Beauftragung erfolgt durch die Verkäufer*innen – nicht durch die Käufer*innen. Trotzdem sollen Käufer*innen Maklerleistung mitfinanzieren, obwohl sie diese weder beauftragt noch inhaltlich beeinflusst haben. Dieses Modell hat sich über Jahrzehnte gehalten.

Wie war das möglich?

Der Markt war lange intransparent. Jetzt hat sich die Situation aber grundlegend verändert. Ein transparentes Fixpreismodell ohne Käuferprovision ist für Käufer*innen fairer, weil es Planungssicherheit schafft und die tatsächliche Kaufkraft erhöht. Gleichzeitig profitieren auch Verkäufer*innen: Eine niedrigere Eintrittshürde erhöht die Nachfrage, beschleunigt die Vermarktung und wirkt sich häufig positiv auf den Verkaufspreis aus.

Welche Immobilienkäufe oder -anlagen halten Sie mit Blick auf 2026 für sinnvoll?

Investments, die auf reale Nachfrage, flexible Nutzung und einen klar überprüfbaren Zukunftspfad setzen. Besonders tragfähig sind Projekte, die sich an veränderte Anforderungen anpassen lassen, zum Beispiel durch flexible Grundrisse, Teilbarkeit oder die Möglichkeit alternativer Nutzungen. Entscheidend ist zudem eine nachvollziehbare wirtschaftliche Logik über den gesamten Lebenszyklus der Immobilie, inklusive CO2-Strategie und realistischer Exit-Überlegungen.

Welche Fehler beobachten Sie häufig bei privaten Käufer*innen oder Investor*innen, wenn sich das Zinsumfeld verändert, und wie lassen sich diese vermeiden?

Häufig wird an Niedrigzins-Erwartungen festgehalten oder nur auf den Zinssatz geschaut. Entscheidend ist aber die Gesamtwirtschaftlichkeit. Wer realistisch kalkuliert und nicht einzelne Parameter isoliert betrachtet, trifft die besseren Entscheidungen.

BEIGESTELLT
Geld Invest Featured