Berufsbegleitende MBAs und Weiterbildungsprogramme erleben derzeit großen Zulauf. Was suchen Menschen heute in solchen Formaten – Wissen, Karrierechancen oder auch Orientierung in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt? Weiterbildung schafft Kompetenzen, Sicherheit und die Fähigkeit, Veränderungen aktiv mitzugestalten. Die Antwort lautet daher: sowohl als auch. Menschen suchen in jedem Fall einen konkreten Nutzen, selten „Bildung um der reinen Bildung willen“. Ein Titel allein reicht vielen nicht immer, wobei ein Teil unserer Zielgruppe durchaus Berufserfahrung validieren möchte, beispielsweise Techniker*innen, die einige Jahre an der Schnittstelle zum Business (-Case) gearbeitet haben.

Die FH Technikum Wien* ist bekannt für ihre Praxisnähe. Warum wird „Learning on the Job“ für viele Branchen gerade zum entscheidenden Erfolgsfaktor?

Wir leben frei nach dem Motto, Theorie ist gut, aber erst die Kenntnis um die Anwendung von Wissen in der Praxis schafft den Mehrwert. Gerade berufsbegleitendes Lernen eröffnet dafür alle Möglichkeiten: Studierende können ihre Erfahrungen sowie Fragen aus ihrem Berufsalltag im Unterricht einbringen. So entsteht ein wertvoller Wissenstransfer. Seit unserer Gründung setzen wir in allen Studiengängen neben Technik auf die Mischung von persönlichkeitsbildenden und wirtschaftlichen Skills und Internationalisierung. Auf diese Art entwickeln unsere Absolvent*innen ein vollständiges Kompetenzprofil.

Früher galt Weiterbildung oft als etwas, das man zusätzlich „obendrauf“ macht. Heute scheint Lernen selbst Teil der Arbeit zu werden. Verändert das auch die Rolle von Hochschulen?

Absolut. Hochschulen werden zunehmend zu langfristigen Bildungspartnern. Wir begleiten Menschen nicht mehr nur für einige Jahre während eines Studiums, sondern über viele Phasen ihres Berufslebens hinweg. Lebenslanges Lernen wird Realität. Das bedeutet für Hochschulen, flexiblere Formate anzubieten, neue Lernformen zu entwickeln und Inhalte laufend an technologische Entwicklungen anzupassen.

Welche Kompetenzen brauchen Unternehmen derzeit am dringendsten – und welche davon lassen sich nur durch praxisnahes Lernen entwickeln?

Neben technischem Know- how sind vor allem Problemlösungskompetenz, interdisziplinäres Denken, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen, gefragt. Interdisziplinäre und transversale Kompetenzen sind die Basis für diese Fähigkeiten, die selten ausschließlich im Hörsaal entstehen. Sie entwickeln sich besonders gut im Rahmen von Projekten, in der Zusammenarbeit mit Unternehmen sowie durch die Anwendung von Wissen in realen Situationen wie im projektbasierten Arbeiten, in Berufspraktika oder im Austausch mit anderen Personen. Deshalb legen wir als Fachhochschule großen Wert auf Praxisprojekte, Laborarbeit und enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft.

Viele Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Wird Weiterbildung künftig wichtiger sein als permanentes Recruiting?

Es wird beides benötigt. Aber je rasanter die technologischen Entwicklungen, desto notwendiger sind kleinteilige (Weiter-) Bildungs-Formate. Aus meiner Sicht ist es zudem riskant, notwendige Maßnahmen zu lange hinauszuzögern oder Mitarbeitende bei der Suche nach Lösungen sich selbst zu überlassen. Der sinnvolle Einsatz neuer Tools setzt zunächst ein Verständnis ihrer Möglichkeiten voraus. Dafür braucht es wiederum Klarheit über die eigenen Anforderungen und Anwendungsfälle.

Zuletzt ganz praktisch gefragt: Was raten Sie Menschen, die beruflich den nächsten Schritt machen möchten, aber überzeugt sind, dafür keine Zeit zu haben?

Viele warten mit einem Studium oder einer Weiterbildung auf den richtigen Zeitpunkt – und warten letztlich ewig. Dabei muss es aus meiner Sicht nicht immer der große Sprung sein. Man kann auch mit einem Seminar starten. Entscheidend ist, sich regelmäßig Zeit für die eigene Entwicklung zu nehmen. Das ist die wahre Investition in die Zukunft.

* Die FH Technikum Wien bietet als Fachhochschule Bachelor- und Masterstudiengänge in Tages-, Abend- und dualer Form an. Die Technikum Wien Academy, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft, ergänzt das Angebot mit berufsorientierten Aus- und Weiterbildungen – von Seminaren bis hin zu Hochschullehrgängen

FELIX BÜCHELE
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