„Von der Einzelkämpferin zur Wegbegleiterin“
Wann wurde Ihr Netzwerk ins Leben gerufen?
Der offizielle Start für die Club Membership von Frau Netzwerkt war im Mai 2023 und seither sind wir alle auf einer sehr spannenden Reise.
Wie viele Mitstreiter*innen zählt Ihr Netzwerk aktuell?
Wir haben aktuell deutschlandweit 60 Club Member. Wir setzen auf organisches Wachstum und Qualität vor Quantität, das schätzen auch die Member.
Auf den Punkt gebracht – welche drei Eigenschaften zeichnen Ihr Netzwerk aus?
Interdisziplinär – Unsere Member kommen aus unterschiedlichen Branchen und Lebensrealitäten. Das sorgt per se für neue Perspektiven, neue Kontakte und neue Möglichkeiten , die wir in homogenen Netzwerken in der Form nicht vorfinden können.
Authentisch – Die Club Member schätzen den vertrauensvollen Austausch untereinander, indem sie über echte Herausforderungen und Erfolge sprechen.
Wachstum – Die vielfältigen Club-Formate liefern wertvolle Einblicke in Themenbereiche, die ihre persönliche und berufliche Entwicklung gezielt voranbringen.
Wie läuft der Austausch innerhalb der Community ab und über welche Kanäle?
Analog über die regelmäßig stattfindenden Club Events im Frau Netzwerkt-Lab in München oder anderen Locations. Digital über eine Web-App, regelmäßige Newsletter sowie eine freiwillige WhatsApp-Gruppe.
Netzwerk oder auch Interessenvertretung – wie tritt Ihr Netzwerk nach außen auf?
Beides. Wir entwickeln uns als Netzwerk mehr und mehr zu einer Plattform für Female Entrepreneure, Führungskräfte und Unternehmen, die diese Entwicklung fördern.
Wie steht es um den Nachwuchs – ist es schwer, ihn zu motivieren, oder ist er begeistert, Teil des Netzwerks zu werden?
Mit dem Backlash und dem politischen Rechtsruck spüren viele junge Frauen erst, dass Frauenrechte keine Selbstverständlichkeit sind. Wenn sie zudem im Beruf aufsteigen, treffen sie auf strukturelle Barrieren, die ihre männlichen Kollegen nicht kennen. Dann suchen sie die Räume für den Austausch, für den Support.
Gemeinsam sind wir stark – was treibt Sie und Ihre Netzwerk-Mitstreiter*innen an?
Wir entwickeln uns endlich weg von den Einzelkämpferin hin zu Wegbegleiterin. Frauen, die sich vernetzen, füreinander eintreten, erkennen schnell: gemeinsam entstehen Möglichkeiten, die alleine undenkbar gewesen wäre.
Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Netzwerk? Wo sehen Sie das Netzwerk in fünf Jahren?
Neben unserem starken Netzwerk für Frauen bauen wir unser Beratungsangebot auch für Unternehmen aus, die verstanden haben, dass weibliche Führungskräfte kein Nice-to-have sind, sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Gibt es eine Erfolgsgeschichte eines Mitglieds, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? Wie hat Ihre Community dazu beigetragen?
Einige! Vor einer Gruppe zu sprechen, fiel einem Member schwer, dennoch hat sie an unserem Präsentations-Workshop teilgenommen und wird dieses Jahr selbst einen Workshop halten. Eine andere Frau hat innerhalb kurzer Zeit sich zu einer Finanzexpertin entwickelt und ihr Depot stark und breit aufgestellt, obwohl sie vorher keinerlei Finanzkenntnisse hatte.
Werben Sie gezielt neue Mitglieder für Ihr Netzwerk an, und wenn ja, wie?
Wir nutzen Social Media, um auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen. Ansonsten kommen viele Frauen über die Club Member.

Wie organisieren Sie die Arbeit im Netzwerk?
Der Business Club wird von engagierten Freelancer:innen und Praktikant:innen unterstützt, so dass wir die wachsenden Anfragen, Events und Kooperationen professionell steuern können.
Was wären Ihrer Meinung nach die nächsten wichtigen Schritte Richtung Gender Equality?
Chancengleichheit herstellen, indem wir strukturelle Barrieren abschaffen: von gleichem Lohn für gleiche Arbeit über flächendeckende Kinderbetreuung bis hin zur Beförderungen von Frauen, die immer das falsche Alter zu haben scheinen. Frauen brauchen keine gut gemeinten Ratschläge, sondern Zugang zu Netzwerken, Ressourcen und Entscheidungspositionen. Solange das Geschlecht darüber entscheidet, welche Chancen jemand bekommt, leben wir keine Gleichberechtigung.
Haben Sie das Gefühl, dass sich Frauen oft doppelt oder dreifach anstrengen müssen, um gleiche Positionen wie Männer zu bekommen?
Ganz klar ‚ja‘. Aufgrund unserer Sozialisierung nehmen wir Männer kompetenter wahr als Frauen. Es ist Zeit, mit diesen unbewussten Vorurteilen aufzuräumen und Frauen gleich zu behandeln. Dass Frauen sich doppelt und dreifach beweisen müssen, kostet unnötig viel Energie und Zeit, die in anderen Bereichen besser investiert wäre.
Wie bewerten Sie die Rolle von (Frauen-) Netzwerken in unserer heutigen Gesellschaft und in der Zukunft?
Netzwerke tragen wesentlich zum persönlichen und beruflichen Erfolg bei. In einer Multi-Options-Gesellschaft geben Netzwerke zudem Zugehörigkeit, schaffen Stabilität und unterstützen Frauen in ihrer Sichtbarkeit und erhöhen ihre beruflichen Chancen.
Welches Klischee rund um Frauen im Wirtschaftsleben können Sie nicht mehr hören?
Dass Frauen aufgrund der Quote in Führungspositionen kommen und nicht aufgrund ihrer Kompetenz. Mit der aktuellen Entwicklung werden wir noch weitere 100 Jahre benötigen, bis wir Gleichberechtigung leben. Mit der Frauenquote können wir die Strukturen dahingehend ändern, dass Frauen überhaupt erst eine Chance bekommen, an die Spitze kommen zu können.