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Shades of Leadership: Dr. Anna Svea Fischer

Dr. Anna Svea Fischer ist seit 2004 Professorin an der Hochschule München, die mit fast 20.000 Studierenden eine der größtenHochschulenfür angewandte Wissenschaften in Deutschland ist. Bis zu ihrem Wechsel an die Hochschule hat Anna in verschiedenen Aufgaben Menschen geführt, u.a. als Leiterin Controlling in einem internationalen Nahrungsmittelunternehmen. Anna ist bekennende Transgender-Frau. Im Interview mit Nicole Bastien erklärt sie, wie Gestaltungsfreiheit des Teams gute Führung begünstigen.

Was bedeutet Führen für dich?

Die Anforderung an gutes Führen hängt sehr stark von der Aufgabe und der Situation ab. Wenn wir einmal Extremsituationen außen vor lassen, dann am besten so: Ziele klar vorgeben und vermitteln, die Wege zum Ziel inspirierend erarbeiten und beschreiten lassen, in der Situation beispielhaft agieren und Verlässlichkeit vorleben. Zuversicht für das Gelingen verbreiten, aber auch Risiken offen ansprechen. Überzeugen, mitnehmen, aber auch den Willen zur Zielerreichung klar machen. Entschlossenheit und Partizipation.

Was unterscheidet dich von anderen Führungskräften?

Ob ich so viel anders bin, weiß ich gar nicht. In der Regel vertraue ich den Menschen und gewähre ihnen den Raum, den sie benötigen. Ich bin der Überzeugung, dass die Mitarbeitenden ihren Job viel besser verrichten können, als ich das jemals könnte. Meine Überzeugung ist, dass zu viel Kontrolle mögliche Entwicklungsräume verbaut. Deshalb lasse ich auch sich viele Dinge entwickeln. Ich interessiere mich für Menschen. Nähe und Wertschätzung für sie sind mir wichtig.

Was war deine größte Führungsherausforderung und wie hast du sie gelöst?

Immer die aktuelle. In den vergangenen Monaten hat mich besonders beschäftigt, wie ich Studierende in der Zeit der Pandemie und der durch sie geprägte Online-Lehre führe. Es gibt Themen, die sind für Studierende schon im Präsenz-Betrieb langweilig. Wie schaffe ich auch online Interesse für solche Themen und vermittle ihnen, warum dieses Thema dennoch Relevanz für sie hat, war schon eine Herausforderung. Ob es mir gelungen ist, mögen meine Studierenden entscheiden. Ich versuche, eine gemeinsame Verantwortung für das Gelingen zu vermitteln, spreche Probleme offen an, diskutiere mit den Studierenden, was adäquate Prüfungsformen seien können. Studierende sind da meist recht streng zu sich selbst. Ich probiere gerne neuartige Tools aus, was Abwechslung bringt – und ich freue mich über das Gelingen.

Was oder wer hat dich auf deinem Weg als Führungskraft besondersgeprägt?

Ich habe sehr oft in Teams gearbeitet, manchmal auch in einer Art konkurrierender Teams. Erstaunlicherweise gab es dennoch in unserem Team nie Konflikte, die uns in der Arbeit behindert hätten. Wir hatten immer sehr viel Spaß, es wurde viel gelacht. Zugleich waren unsere Ergebnisse immer mindestens gut, oftmals die besten. Für mich war es deshalb immer sehr wichtig, eine harmonische Zusammenarbeit zu erfahren. Das muss nicht bedeuten, dass man sich permanent um den Hals fällt. Harmonie ist auch das Ergebnis einer gelebten Professionalität, die andere Menschen immer respektiert. Es geht um das Zwischenmenschliche. Wenn das passt, sind viele Dinge möglich.

Wenn es diesen einen Rat gäbe, was eine gute Führungskraft und gute Führung ausmacht, welcher wäre es für dich?

Für eine gute Führungskraft: Nimm dich selbst nicht so wichtig, gib deine Fehler zu, lerne über dich selbst zu lachen und rede mit den Menschen. Für gute Führung: Lässt Fehler zu und gib allen das ehrliche Gefühl echter Teilhabe und Gestaltung. Sorgt aber gleichzeitig auch für Klarheit und vermittelt allen Sicherheit.


Nicole Bastien ist Coach, Leadership Visionary und Autorin, die mit der Reihe Shades of Leadership menschliches Führungshandeln und herausragende Führungspersonen aufspürt.

Mehr zu Nicole Bastien:

www.nicolebastien.com

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Führen ist nicht Managen und immer facettenreich. Die Facetten greifen wir in Shades of Leadership auf uns stellen Führungspersonen in den Mittelpunkt, die neben einer klaren Vorstellung von Führung sich trauen, sie selbst in ihrem Führungshandeln zu sein. Sie entsprechen keiner Schublade eines bestimmten Führungsstils, sondern sind durch ihren eigenen Spürsinn für Führung bemerkenswerte Role Models.

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