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Roboter übernehmen immer mehr Tätigkeiten in Lagerhäusern

Intelligente und effiziente Roboter übernehmen die Lagerhäuser. Die meisten Kommissionieraufgaben werden künftig von Bots erledigt. Aber gleichzeitig werden auch viele neue Berufsfelder entstehen.

Vor einem Jahrzehnt begann Amazon mit der Einführung von Robotern in seinen „Fulfillment-Zentren“, wie der Online-Händler seine riesigen Auslieferungslager nennt. Anstatt dass Menschen die Regalreihen auf und ab liefen, um die Waren für die Bestellungen zu entnehmen, hoben Maschinen die Regale an und trugen sie dann zu den Kommissionierer*innen. Das spart Zeit und Geld. Inzwischen hat Amazon weltweit mehr als 350.000 Roboter verschiedener Art im Einsatz. Aber das reicht nicht aus, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Die Fortschritte in der Lagerrobotertechnik haben in Verbindung mit den steigenden Arbeitskosten und der Schwierigkeit, Arbeitskräfte zu finden, einen Wendepunkt in der Logistikbranche herbeigeführt. Angesichts der Schließungen durch Covid-19, die zu Unterbrechungen in der Lieferkette führen, und des Booms bei den Heimlieferungen, der wahrscheinlich anhalten wird, arbeiten die Fulfillment-Zentren auf Hochtouren.

Zeitarbeitskräfte für Stoßzeiten

Trotz der Bots müssen viele Unternehmen Zeitarbeitskräfte einstellen, um die Stoßzeiten zu bewältigen. Der Wettbewerb um Mitarbeiter*innen ist hart. Im Vorfeld der Weihnachtseinkaufssaison im Dezember stellte Amazon allein in Amerika rund 150.000 zusätzliche Mitarbeiter*innen ein und bot dafür Einstiegsprämien von bis zu 3.000 US-Dollar. Die langfristigen Auswirkungen einer solch hohen Abhängigkeit von immer schwerer zu findenden Arbeitskräften im Vertrieb sind laut einer neuen Studie der Unternehmensberatung McKinsey klar: „Automatisierung in der Lagerhaltung ist nicht mehr nur „nice to have“, sondern ein Muss für nachhaltiges Wachstum.“ Dies bedeutet, dass mehr Roboter benötigt werden, einschließlich neuerer, effizienterer Versionen. McKinsey prognostiziert, dass der Markt für Lagerautomatisierung bis 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 23 Prozent auf einen Wert von mehr als 50 Milliarden US-Dollar anwachsen wird. Dies bedeutet auch, dass derzeit von Menschen übernommene Tätigkeiten künftig von Robotern ausgeführt werden.

Präzisere und effizientere Roboter

Die neuen Roboter sind im Kommen. Einer von ihnen ist der Prototyp eines Roboters der Serie 600. Diese Maschine „verändert alles“, so Tim Steiner, Geschäftsführer der Ocado Group, die 2002 als britischer Online-Lebensmittelhändler begann und sich im Laufe der Jahre zu einem führenden Anbieter von Lagerrobotern entwickelt hat. Die neue Reihe vorgestellter Produkte, soll den großen Lebensmittelketten helfen, gegen Amazon und eine Welle neuer Start-ups für schnelle Lieferung von Lebensmitteln anzukommen. Ocado verkauft seine Technologie an große Einzelhändler wie Kroger, Morrisons (Großbritannien) und Casino (Frankreich). Der Roboter der Serie 600, ist laut Ocado leichter und energieeffizienter als sein Vorgänger und über die Hälfte der Teile sind 3D gedruckt. Der zweite neue Roboter hat fortschrittlichere Roboterarme, die in Lagerhäusern von Unternehmen Artikel direkt aus dem Netz nehmen. Ocado sagt, dass es eine Technologie der künstlichen Intelligenz entwickelt hat, um die Präzision der Arme so zu verbessern, dass sie der von menschlichen Kommissionierer*innen nahe kommt.

Maschinen könnten 80 Prozent der Bestände kommissionieren

In der Zwischenzeit hat Ocado auch ein so genanntes „virtuelles Distributionszentrum“ vorgestellt, das im Wesentlichen eine Kombination aus intelligenter Software und kleinen, über ein System verbundenen Mikro-Fulfillment-Zentren darstellt. Ocado sagte, das Angebot würde die Kapazität der Artikel in jedem Lager maximieren und gleichzeitig die Lieferzeiten verkürzen. Die Aktien von Ocado stiegen am vergangenen Mittwoch um mehr als 5 Prozent. Einige Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Roboter in den kommenden Jahren etwa 80 Prozent ihrer Bestände kommissionieren können, obwohl vieles von der Bandbreite der Waren in den verschiedenen Betrieben abhängt. Objekte mit unregelmäßigen Formen, wie Bananen und loses Gemüse, können für Roboter schwer zu greifen sein, wenn sie in erster Linie für die Aufnahme von Produkten in ordentlichen Verpackungen konzipiert wurde. Auch das Gewicht, das Roboter heben können, könnte begrenzt sein, so dass sie mit einem Flachbildfernseher oder einem schweren Bierfass Schwierigkeiten hätten. In der Zukunft könnten Systeme entwickelt werden, die viele dieser Einschränkungen überwinden, beispielsweise mehrarmige Roboter.

Welche Arbeitsplätze werden also bleiben?

Zumindest in den Lagerhallen bleiben vor allem Techniker*innen übrig, die Roboter warten und reparieren. Es wird wohl auch eine Handvoll Aufsichtspersonen geben, die über die Roboter wachen und ihnen zur Hand gehen, wenn es etwas gibt, das ihre mechanischen Mitarbeiter*innen noch nicht erledigen können. Aber nicht nur innerhalb des Lagers wird es zu Veränderungen kommen, sondern auch außerhalb, sobald fahrerlose Lieferfahrzeuge zugelassen sind. Dann werden viele Produkte die Lieferkette durchlaufen und bei Menschen zu Hause ankommen, ohne davor von Menschenhand berührt zu werden. Aber es werden auch andere Arbeitsplätze entstehen. Zunächst einmal muss jemand all diese neuen Roboter bauen. Die neue Fabrik von Amazon Robotics wird mehr als 200 neue Arbeitsplätze in der Fertigung schaffen, obwohl das im Vergleich zu den mehr als eine Million Arbeitsplätzen, die der Pionier des elektronischen Handels seit der Ankunft der ersten Roboter in seinen Fulfillment-Zentren geschaffen hat, sehr wenige sind. Der technologische Wandel schafft unweigerlich neue Aufgaben für Menschen. In den 1960er Jahren gab es Tausende von Telefonist*innen, ein Beruf, der seit der Automatisierung der Vermittlungsstellen fast verschwunden ist. Aber die Zahl anderer Arbeitsplätze in der Telekommunikation ist sprunghaft angestiegen. Da die Logistik durch eine stärkere Automatisierung effizienter wird und die Online-Geschäfte wachsen, dürfte die Gesamtzahl der Arbeitsplätze im elektronischen Handel dennoch weiter steigen.

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