Sie sind Erste Bürgermeisterin von Obermaiselstein und gelten als jüngste Bürgermeisterin Bayerns. Wie sind Sie in die Kommunalpolitik gekommen?

Politik hat mich früh interessiert, weil sie dort beginnt, wo Menschen leben. Ich habe selbst ein Jugendparlament gegründet, war später Stadträtin und Wirtschaftsreferentin in Immenstadt. Irgendwann wurde mir klar: Wenn ich wirklich gestalten will, muss ich Verantwortung übernehmen. Also habe ich in Obermaiselstein meinen Hut in den Ring geworfen, quasi mein Hobby zum Beruf gemacht.

Ist das Alter ein Türöffner, oder manchmal auch hinderlich?

Beides. Natürlich sorgt der Titel für Aufmerksamkeit und öffnet Gespräche. Gleichzeitig möchte ich nicht nur auf mein Alter reduziert werden. Entscheidend ist, was man vor Ort bewegt. Am Ende zählt nicht, ob jemand jung oder alt ist, sondern ob man zuhört, Entscheidungen trifft und mit langem Atem an Themen dranbleibt.

Was reizt Sie an Kommunalpolitik besonders?

Kommunalpolitik ist unglaublich konkret. Es geht um Dinge, die den Alltag der Menschen direkt betreffen. Man sieht sehr schnell, was funktioniert, was fehlt und wo man nachbessern muss. Genau diese Nähe macht das Amt so spannend.

Was machen Sie als junge Bürgermeisterin vielleicht anders?

Ich versuche, Politik nahbarer und verständlicher zu machen. Dazu gehört für mich auch Social Media: nicht als Selbstdarstellung, sondern als Möglichkeit, Menschen mitzunehmen und Entscheidungen zu erklären. Gleichzeitig ist mir wichtig, zuzuhören und vor Ort präsent zu sein. Für einen Mobilfunkmast bin ich als Stadträtin etwa von Haustür zu Haustür gegangen, habe erklärt, zugehört und versucht, Bedenken ernst zu nehmen. Digital und persönlich gehören für mich zusammen – man muss halt miteinander reden. 

Viele Kommunen stehen unter Druck: leere Kassen, hohe Erwartungen, teilweise auch Anfeindungen. Warum zieht es trotzdem wieder jüngere Menschen in die Kommunalpolitik?

Vielleicht gerade deshalb. Viele junge Menschen merken, dass Demokratie nicht abstrakt ist, sondern vor der Haustür beginnt. Natürlich sind die Rahmenbedingungen schwierig, und Bedrohungen oder Hass dürfen niemals normal werden. Aber Kommunalpolitik bietet auch die Chance, Dinge wirklich zu verändern – direkt, sichtbar und gemeinsam.

Welche Rolle spielen digitale Themen für Ihre Arbeit in Obermaiselstein?

Eine sehr große. Gerade im ländlichen Raum entscheiden gute Mobilfunk- und Internetverbindungen über Teilhabe, wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität. Digitalisierung ist für mich kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um Verwaltung, Kommunikation und Infrastruktur besser zu machen. Sie muss den Menschen konkret helfen.

Sie sind Alumna von BayFiD, dem Talentprogramm Bayerns Frauen in Digitalberufen. Was hat Ihnen das Programm mitgegeben?

BayFiD hat mir ein starkes Netzwerk eröffnet und meinen Blick auf digitale Themen noch einmal geschärft – von KI bis New Work. Besonders wertvoll war der Austausch mit Frauen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen. Das Programm hat mir auch Mut gemacht, öfter Ja zu sagen: zu Sichtbarkeit, Verantwortung und neuen Aufgaben.

Welches Learning aus dem Politikgeschäft möchten Sie den Absolventinnen mitgeben?

Nicht warten, bis man sich zu 100 Prozent bereit fühlt. Man wächst in Verantwortung hinein. Politik braucht Menschen, die Lust haben, Dinge zu gestalten – gerade junge Frauen. Es wird nicht immer einfach, und man braucht Geduld. Aber wenn man wirklich etwas verändern will, ist Kommunalpolitik einer der wirksamsten Orte dafür.

Kurzvita
Philine Blees ist Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Obermaiselstein im Allgäu. Zuvor engagierte sie sich im Jugendparlament, wurde mit 21 Jahren Stadträtin und Wirtschaftsreferentin in Immenstadt und arbeitete im Bereich Social Media. Als Alumna des Talentprogramms BayFiD – Bayerns Frauen in Digitalberufen – verbindet sie Kommunalpolitik, Digitalisierung und Gestaltung vor Ort.

Maximilian Stepfer
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