Frauen kommen in den Medien noch immer deutlich seltener vor als Männer und dort, wo sie sichtbar sind, oft in stereotypen Rollen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Vereins FELIN (female leaders initiative) in Zusammenarbeit mit der Agentur Media Affairs.

Für die Untersuchung wurden zwischen 1. Dezember 2025 und 28. Februar 2026 rund 15.000 Bilder aus der Kronen Zeitung Steiermark, der Kleinen Zeitung Steiermark, von steiermark.orf.at sowie aus „Die Woche Steiermark“ (Ausgabe Graz) ausgewertet.

Frauenanteil bei nur einem Drittel

Das zentrale Ergebnis: Frauen sind in den analysierten Medien nur zu 33 Prozent bildlich präsent. Ein Wert, der sich seit der Vergleichsstudie 2022 kaum verändert hat. Den größten Einfluss auf das Gesamtergebnis haben Kronen Zeitung und Kleine Zeitung, da sie mit Abstand die meisten Bilder liefern.

Hinter der scheinbar stabilen Gesamtzahl verbergen sich laut Studie jedoch teils massive Verschiebungen in einzelnen Themenbereichen. Männlich dominiert bleiben demnach vor allem Politik, Wirtschaft, Finanzwesen, Spitzensport sowie Zukunftsbranchen wie die IT-Branche. Stärker vertreten sind Frauen hingegen in Gesundheit, Bildung und im Sozialbereich, aber auch in Kultur, Landwirtschaft, Forschung sowie zunehmend im Journalismus. Überdurchschnittlich häufig erscheinen sie dagegen im Kontext von Beauty und Mode oder als Begleiterinnen prominenter Männer.

Deutlich gestiegen ist zudem der Anteil von Frauen, die als Gewaltopfer dargestellt werden. Birgit Penker, Geschäftsführerin von Frauen*service Graz, verweist auf einen drastischen Anstieg auf mittlerweile 83 Prozent und mahnt zugleich eine sprachliche Verantwortung der Medien ein: „Begriffe wie ‚Familientragödie‘, ‚Beziehungsdrama‘ oder ‚Eifersuchtstat‘ verharmlosen tödliche Gewalt gegen Frauen und verschleiern Täterschaft.“ Die Studienautor*innen führen die Entwicklung unter anderem auf die internationale Berichterstattung zu Fällen wie Pelicot und Epstein sowie auf die hohe Zahl an Femiziden in Österreich zurück.

Politik, Wirtschaft und Wissenschaft fordern Konsequenzen

Die Ergebnisse sorgten für breite Reaktionen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom betonte die Bedeutung sichtbarer Vorbilder: „Role Models und sichtbare Karrierewege schaffen Orientierung und stärken jungen Frauen den Rücken, ihren eigenen Weg zu gehen.“

Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr warnte davor, dass mediale Darstellung Realität nicht nur abbilde, sondern auch verzerren könne: „Wenn Frauen sexualisiert dargestellt werden, als ‚Frau von‘ bzw. zur Präsentation von Produkten vorkommen, werden sie auf Äußerlichkeiten reduziert und es wird ihnen jegliche Kompetenz und Eigenständigkeit abgesprochen.“ Sie appellierte an die Medien, ihrer Verantwortung stärker gerecht zu werden.

FELIN-Geschäftsführerin Katrin Fischer sprach von einem strukturellen Problem: „Unsichtbarkeit ist in den Strukturen angelegt, in Auswahlmechanismen, in Routinen redaktioneller Praxis und manchmal auch in tradierten Glaubenssätzen darüber, wem Sichtbarkeit ‚zusteht‘ und wem nicht.“ Sie zeigte sich aber überzeugt, dass sich diese Muster korrigieren lassen. Auch Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft sowie der Presseclub Steiermark und die Initiative Frauen:domäne schlossen sich der Forderung nach mehr weiblicher Sichtbarkeit an.

Handlungsempfehlungen der Studie

Aus den Ergebnissen leiten die Studienautor*innen mehrere Empfehlungen ab. Im Kern geht es darum, bei Interviewanfragen und Podiumsdiskussionen gezielter nach weiblichen Expertinnen zu suchen, den Frauenanteil in Redaktionen und Führungspositionen zu erhöhen und verbindliche Zielvorgaben für Medienunternehmen zu definieren. Ebenso wird empfohlen, Genderkompetenz fest in der journalistischen Aus- und Weiterbildung zu verankern und Frauen durch Mentoring- sowie Medientrainings gezielt für öffentliche Auftritte zu stärken.

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