StartInnovationPlanetNicht alles was „weniger“ heißt, ist Verzicht

Nicht alles was „weniger“ heißt, ist Verzicht

Das erste Sommerwochenende mit Temperaturen um die 30 Grad und der Earth Overshoot Day fielen heuer auf Anfang April. Natürlich war das reiner Zufall - allerdings einer, über den es lohnt länger nachzudenken.

Es ist schon verrückt. Wir schreiben Anfang April und haben bereits das erste Sommerwochenende mit Temperaturen bis zu 30 Grad hinter uns. Man weiß nicht: Soll man sich freuen, weil das Daunenmonster endlich wieder im hintersten Teil des Schrankes verschwinden kann, oder eher entsetzt sein, weil der sogenannte Übergangsmantel heuer nicht oder kaum zum Zug kommt? Soll man verzückt am duftenden Flieder schnuppern oder einfach nur naiv hoffen, dass das prachtvolle Blütenmeer allerorts bloß ein Traum, eine Einbildung ist?

Die Antwort gibt möglicherweise der Earth Overshoot Day, der in Österreich in diesem Jahr bereits am 7. April (übrigens zeitgleich mit 30 Grad Außentemperatur) stattfand und in Deutschland für 2. Mai angesetzt ist. Dieser Begriff bedeutet, dass bis dahin alle natürlichen Ressourcen, die die Erde innerhalb eines Jahres zur Verfügung stellen kann, aufgebraucht sind beziehungsweise sein werden. Vor zwei Jahren fiel dieser Stichtag der Erdüberlastung in Deutschland noch auf den 28. Juli; in Österreich sah es genauso schlimm aus wie jetzt.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, den Earth Overshoot Day nach hinten zu verschieben. Der WWF rät etwa, Lebensmittelabfälle um die Hälfte zu reduzieren – dann wäre dieser gleich elf Tage später. Das Green Tech Valley, ein Technologie Hotspot für Klimaschutz im Süden Österreichs mit mehr als 300 Öko-Pionier*innen, plädiert für mehr Kreislaufwirtschaft: Reparaturen statt Neukäufe, Secondhand-Kleidung und Refurbishing von Mode, Wassersparen mit Duschsparkopf. Alles leicht und vor allem sofort umsetzbar, sodass man seinen Platz in der Mitte der anfänglich gestellten Fragen finden kann: In der Freude wie der Besorgnis – aber vor allem in der Zuversicht, dass Dinge sich wieder zum Besseren wenden können, wenn wir nur alle unseren kleinen Teil dazu beitragen.

Die letzten Wochen und Monate gehörten bei sheconomy jenen Menschen, die in diesem Punkt den meisten anderen um Schritte voraus sind – das Ergebnis ist ein umfangreiches Heft zum Thema Nachhaltigkeit. Es sind Unternehmerinnen wie Janna Ensthaler, die mit ihrem „Green Generation Fund“ bereits 100 Millionen Euro gesammelt hat, oder die Investorin Marie-Helene Ametsreiter, Partnerin bei Speedinvest, einem der größten Venture-Capital-Fonds in Europa – ein erheblicher Teil der Start-ups ihres Portfolios beschäftigt sich mit Klimatechnologie oder zukunftsweisender Industrietechnologie. Es sind Vermögens- und Finanzexpertinnen, die sich dem Thema Biodiversität verschrieben haben, Museumsdirektorinnen wie MAK-Chefin Lilli Hollein, die ihre Häuser den Nachhaltigkeitszielen der UNO öffnen, oder ganz generell „Green Leaderinnen“, die in Sachen Nachhaltigkeit eine wichtige Vorreiterrolle in der gesamten D-A-CH-Region einnehmen.

Was sie alle miteinander verbindet, ist das Streben nach einem kollektiven Wohlbefinden, ein Gespür für Dinge, die nicht länger hinausgeschoben werden dürfen und der Blick für die Chancen, die ein Konsumwandel und die Energiewende mit sich bringen. Denn nicht alles, was „weniger“ heißt, muss Verzicht oder „Bestrafung“ sein, wie Irene Giner-Reichl, Mitbegründerin des Global Women’s Network for the Energy Transition, richtigerweise festhält. Immer öfter bedeutet es einfach nur Perspektivwechsel – und damit auch Gewinn.

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Fotomaterial(c) Canva
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