StartMoneyMehr weiblicher Zaster im Investoren-Cluster

Mehr weiblicher Zaster im Investoren-Cluster

Mehr weibliche Investorinnen führen zu mehr Finanzierungen für weiblich geführter Start-ups und einer diverseren Wirtschaft. Das ist der Auftakt einer Serie, in der wir ab sofort die spannendsten Geldgeberinnen des deutschsprachigen Raums vorstellen.

Würden Frauen in gleichem Maße investieren wie Männer, hätte das einen Anstieg privater Assets um rund 3,2 Billionen Dollar zur Folge – so viel wie das Bruttoinlandsprodukt von Großbritannien – beziffert der New Yorker Finanzdienstleister BNY Mellon. Immer noch setzen Frauen aus Sicherheitsgründen mehr auf Sparen als aufs Investieren. Das Gefühl, nicht genug über Investitionen zu wissen und den Markt nicht zu verstehen, spielt dabei laut der Investment-Plattform Capital.com immer noch eine große Rolle.

Mehr Frauen am Cap Table, mehr Funding für Gründerinnen

Nichtsdestotrotz braucht es mehr weibliche Investorinnen, sagt Selma Prodanovic, Investorin und Initiatorin der Austrian Angels Investors Association (aaia) und Vice President des European Business Angel Network EBAN. Mehr weibliches Kapital würde auch weiblich geführten Start-ups helfen, Finanzierungsrunden abzuschließen, weiß die Expertin. Denn auch beim Investieren zeigt sich eine Gender Bias: „Die meisten Investoren sind Männer. Investments haben viel mit Vertrauen zu tun – Menschen investieren in Menschen, die so ticken wie sie selbst.“ Die Auswirkungen davon sind eklatant, erklärt Prodanovic: „Nur ein bis zwei Prozent der Investitionen fließen derzeit in rein weiblich geführte Startups. Das bedeutet, dass nur zwei von hundert Euro an Frauen gehen.“

Mehr Frauen, mehr Gewinn

Mehr Frauen als Kapitalgeber könnten somit nicht nur zu einer diverseren Start-up-Szene führen, auch die Bereiche, in die Frauen investieren, sind von globaler Relevanz. So zeigt eine 2020 erschienene Studie der Bosten Consulting Group, dass Frauen stärker in wertegetriebene Technologien und Nachhaltigkeit investieren als Männer. Frauen tendieren außerdem stärker dazu, sich an Fakten zu orientieren als Männer, wie die Studie belegt. Die Risiko-Aversion könnte also nicht nur ein Vorteil sein, sondern auch Mitgrund, warum divers geführte Start-ups langfristig höhere Gewinne einfahren als rein männlich geführte. Auf der Seite der Investorinnen sind ebenfalls höhere Gewinne zu verzeichnen: Ringen sich Frauen zum Investieren durch, verdienen sie damit mehr als Männer.

Mehr Frauen, mehr Probleme?

Aber wo sind all die Frauen, die es auch auf Kapitalgeberseite braucht, um für mehr Gender Balance in Start-ups und neuen Entwicklungen zu sorgen? Nur etwa 15 Prozent aller Investitionen stammt einer 2023 erschienenen Ausgabe der Harvard Business Review zufolge von Frauen. Und selbst wenn Frauen in Frauen investieren, beißt sich in der nächsten Finanzierungsrunde die Katze in den Schwanz.

Während weiblich geführten Start-ups, die finanziell von Männern unterstützt werden, Kompetenz zugesprochen wird, passiert das nicht im selben Ausmaß, wenn weibliche Investorinnen in Gründerinnen investieren. Hier gehen Geldgeber:innen in der nächsten Runde eher davon aus, dass Kapital nur aufgrund der Tatsache geflossen ist, dass sowohl Geldgeberinnen als auch Gründerinnen weiblich waren. Derselbe Effekt ist für männliche Gründer im Übrigen nicht feststellbar.

Vielleicht ist auch das einer der Gründe, weshalb in letzter Zeit immer mehr Frauen aus dem Finanzbereich, den Hut darauf hauen. Sifted, einer der führenden und von der Financial Times unterstützten Medien-Plattformen für die europäische Startup-Community, titelte kürzlich: „European VCs see exodus of women investors“, übersetzt: „Europäische Venture Capital Unternehmen erleben eine Abwanderung von Investorinnen“. Seit Beginn dieses Jahres hätten mehr als Dutzend female partners von Wagniskapitalfonds ihre Organisationen verlassen – und zwar aus Frustration. Weil ihre Leistung anders bemessen würde als jene von männlichen Kollegen, weil die gläsernen Decken nach wie vor kaum zu überwinden wären, weil weibliche Gründerinnen mit mehr Hürden zu kämpfen hätten als männliche.  Keine gute Entwicklung – denn alle Studien rund um Unternehmenserfolge, Performance oder Produktivitäts-Output besagen, dass gemischte Teams bessere Ergebnisse liefern. Das Ziel sollte also immer sein, sowohl im eigenen Gründungsteam als auch am Cap Table auf Diversität zu achten.

Mehr Frauen, mehr Nachhaltigkeit

Aber – wie kann man unter den gegebenen Umständen, die traurigerweise eher zu einem Backlash als zu einer steigenden Parität führen, potenzielle weibliche Investorinnen dazu motivieren, Female Entrepreneurship zu unterstützen? Welche Investorinnen bleiben dennoch am Ball, und welche gilt es im deutschsprachigen Raum besonders zu beachten – sei es aufgrund ihres spannenden Portfolios, ihrer Kompetenz in ausgewählten Wirtschaftsbereichen oder aufgrund ihres starken internationalen Netzwerks?

SHEconomy stellt sie vor – eine nach der anderen. Und klärt auf, wie es zu schwankenden Investitionssummen in den letzten Jahren kommen konnte, warum Nachhaltigkeitsinvestments kurzfristig genauso risikoreich sind wie ihre nicht-nachhaltigen Pendants und wohin sich die Venture Capital-Industrie bewegt. Stay tuned.


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