StartOpinionMännerhand und Frauenland

Männerhand und Frauenland

Wäre die Welt eine friedlichere, wenn Frauen mehr Geld hätten? Eine Frage, die man nur mit Mutmaßungen beantworten kann – allerdings lassen sich diese untermauern.

In meiner letzten Kolumne habe ich über Hoffnungen, die wir alle mit einer analogen oder auch digitalen Welt nach Covid-19 verbinden, nachgedacht und diese mit dem Steve-Jobs-Zitat beendet: „Es ist nicht der Glaube an die Technologie. Es ist der Glaube an die Menschheit.“ Nun.

Dass dieser Glaube an die Menschheit am 24.2.2022 so hart auf die Prüfung gestellt wurde, konnte ich im Herbst 2021 nicht voraussehen; und als ich mir damals gewünscht habe, endlich wieder ein anderes Thema auf den Titelseiten der Magazine und Zeitungen zu lesen als Corona, da habe ich doch sicher nicht mit einem Krieg, einem Krieg IN EUROPA, gerechnet.

Diese aktuelle Ausgabe von sheconomy widmet sich dem Thema Finanzen, und obwohl ich bei der Themenwahl meiner Kolumne frei bin, schließe ich mich hiermit gerne an. Den eine der unmittelbarsten Folgen dieses Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine sind Teuerungen im Energiebereich, Teuerungen aber auch bei anderen Grundlagen des täglichen Lebens – zum Beispiel beim Wohnen oder auch bei Nahrungsmitteln.

Warum das so ist, kann man erklären – verstehen will man aber nicht immer, wieso auch in Krisenzeiten immer wieder ganze Branchen zunächst nur an Gewinnmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit denken. Denn während Öl-Konzerne an der momentanen Einkaufspolitik am Energiemarkt gut verdienen, sind es öffentliche Budgets, die nun mit Unterstützungsleistungen in den Steuertopf greifen müssen. Ein Steuertopf, der übrigens noch immer zu wenig jene zur Kassa bittet, die ihr Geld in Stiftungen, Steueroasen oder anderen (meist) legalen Verstecken „für SICH“, statt „für UNS“ arbeiten lassen.

Phallische Objekte für den Weltraum

Geld und Krieg gehen seit Menschengedenken Hand in Hand. Und zwar fest in Männerhand. Wäre die Welt eine friedlichere, wenn Frauen mehr Geld hätten – vermutlich ja! Eine sozial ausgeglichenere Welt wäre es jedenfalls. Ein Beispiel gefällig? Jeff Bezos gibt sein Geld aus, um phallische Objekte in den Weltraum zu schießen und somit seinen persönlichen All-Machts-Fantasien auszuleben – seine Ex-Frau, MacKenzie Scott, immerhin die drittreichste Frau der Welt, hat, seit sie geschieden ist (und vermutlich damit Macht über Geld hat), mehrere Milliarden in die strukturelle Bekämpfung von Armut und Rassismus in den USA investiert. Und damit auf Umwegen zurückgegeben, was der Amazon-Konzern nicht „für UNS“ in Form von Steuerleistungen arbeiten lassen wollte …

Frauen investieren in die Gemeinschaft. Männer erweitern ihr Territorium. Ich wüsste, wem ich mein Geld anvertrauen würde. Sie auch?


Über die Autorin:

Sonja Kato-Mailath Moderatorin und systemischer Leadership-Coach, ausgebildet in der Schweizer Coachingakademie St. Gallen. Zuletzt erschien ihr Buch „10 Hoffnungen” im Verlag story.one. Sie lebt und arbeitet in Wien.

STAY CONNECTED