StartBusinessSuccess"Wir müssen am digitalen Mindset arbeiten"

„Wir müssen am digitalen Mindset arbeiten“

Die bayerische Digitalministerin Judith Gerlach will neue Talente für Tech- und Digital-Berufe begeistern. Ein Instrument ist das Nachwuchs-Programm BayFiD.

Das BayFID-Programm (Bayerns Frauen in Digitalberufen) startet bald in die vierte Runde, aktuell können sich neue Teilnehmerinnen dafür bewerben. Wer sollte unbedingt mitmachen?

Grundsätzlich sprechen wir alle jungen Frauen an, die sich einbringen wollen in die digitale Transformation. Es kommt nicht darauf an, ob sie schon weitreichende Digitalkenntnisse haben oder bisher mit Digitalisierung nur im Privatgebrauch zu tun hatten. Entscheidend ist die Leidenschaft für Digitalisierung und die Lust, die Bandbreite digitaler Berufe kennenzulernen.

Ganz konkret richtet sich unser Programm an Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren in Bayern. Sie erhalten einen erstklassigen Einblick in bayerische Unternehmen wie BMW, Siemens oder Datev, aber auch in internationale Techkonzerne wie Google, Microsoft, Amazon und IBM. Diese Praxiseinblicke kombiniert mit einem hochkarätigen Netzwerk aus Paten und Rolemodels sowie vielseitigen Workshops machen BayFID attraktiv.

Welche Erfolge und/oder Meilensteine freuen Sie besonders, wenn Sie auf die ersten drei Runden zurückschauen?

Besonders beeindruckt bin ich von den Teilnehmerinnen selbst. Wir haben hier sehr vielseitige Talente – jede, ob Schülerin oder Berufserfahrene, ist eine besondere Persönlichkeit mit ihrer eigenen digitalen Geschichte.

Wir haben Polizistinnen dabei, Sicherheitselektronikerinnen, Ärztinnen, aber auch Auszubildende oder IT-Studentinnen. Diese Vielfalt macht BayFID so spannend. Die Begeisterung der jungen Frauen sich weiterzuentwickeln steckt mich bei jedem Treffen an.

Welche wichtigsten Learnings haben Sie aus den vergangenen drei Runden gezogen?

Sehr wichtig sind Rolemodels. Sie erhöhen die Sichtbarkeit erfolgreicher Frauen und sind ein wichtiger Faktor, um junge Frauen für Tech und Digitalisierung zu begeistern. Denn wir müssen noch mehr am digitalen Mindset arbeiten: Mut, etwas zu wagen und auch einmal Fehler zu machen und aus den Fehlern zu lernen. Wir müssen die Bereitschaft fördern, Neues zu lernen und gerade mehr Frauen die großartigen Perspektiven der Techbranche aufzuzeigen.

Warum braucht es Programme wie BayFID überhaupt?

Derzeit fehlen in naturwissenschaftlichen Berufen fast 300.000 qualifizierte Arbeitskräfte, darunter allein fast 100.000 in IT-Berufen. Und die Prognosen sind nicht gut. Denn aufgrund des steigenden Bedarfs an IT-Lösungen etwa für den Klimaschutz werden wir hier künftig noch viel mehr Fachkräfte benötigen.

Der Frauenanteil ist dabei mit gerade mal von 15,5 Prozent immer noch viel zu niedrig – auch wenn es bei den Studienanfängerinnen inzwischen besser aussieht. Entscheidend ist, wie Mädchen und Frauen von ihrem Umfeld eingeschätzt werden und welches Selbstbild sie haben. Hier wollen wir mit unserem Programm BayFiD junge Frauen mit Hilfe von Patinnen und Paten sowie Rolemodels unterstützen.

Warum richten Sie sich damit nur an 18-30-jährige Frauen, gibt es nicht auch viele ältere Interessierte?

Absolut. Ich höre immer wieder, dass sich auch ältere Frauen für das Programm interessieren. Und natürlich unterstützen wir auch ältere Frauen bis hin zu Seniorinnen bei ihrem Weg in der Digitalisierung. BayFiD richtet sich allerdings speziell an junge Frauen, die am Beginn ihres beruflichen Lebens stehen. Dies ist für mich eine besonders wichtige Phase, in der Frauen in der bisher männerdominierten Digitalwelt ihre Rolle finden müssen.

Welche Ziele wollen Sie mit BayFID noch erreichen?

Wir wollen ganz klar den Anteil an Frauen in naturwissenschaftlichen Berufen erhöhen und damit dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Wir können es uns einfach nicht erlauben, auf weibliche Fachkräfte zu verzichten. Mir geht es aber auch darum, dass wir Frauen uns die Chancen innerhalb der Digitalberufe nicht entgehen lassen. Im Gegenteil: Wir müssen Digitalisierung aktiv mitgestalten, wenn wir nicht wollen, dass die Algorithmen der Zukunft nur männlich geprägt sind. Mit BayFID sind wir da auf dem richtigen Weg. Andere Bundesländer wie Schleswig-Holstein haben unser bayerisches Konzept zum Teil schon kopiert. Je mehr Länder sich anschließen, desto besser. Aber: Wir sind das Original.


Die Bayerische Staatsministerin für Digitales Judith Gerlach hat die Initiative „BayFiD – Bayerns Frauen in Digitalberufen“ ins Leben gerufen. Aktuell läuft die Bewerbungsphase für den vierten Jahrgang des jeweils 1,5-jährigen Talent- und Mentoringprogramms. Ziel ist es, mehr junge Frauen aus Bayern für digitale Berufe zu begeistern, ihre Leidenschaft für MINT-Themengebiete zu fördern und ein Netzwerk aufzubauen.

 

Fotomaterial©Anne Hufnagl

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