Vor vielen Jahren saß ich im Wiener Café Engländer und beobachtete die folgende beeindruckende Szene: Ein älterer Herr sprang von seinem Tisch auf und stürmte zu einem jungen Mann, der vor sich einen Laptop aufgeklappt hatte. „Man against the Machine!“ schrie der Ältere und stach mit einem (Butter)-Messer auf den Computer ein.

Wie ich erfuhr, handelte es sich beim Täter um den berühmten Philosophen Ossi Wiener. Bereits im 20. Jahrhundert beschäftigte er sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz und entwarf unter anderem das Konzept des Glücksanzuges, der Körper und Geist des darin Eingeschlossenen übernehmen konnte.

Manchmal werde ich gefragt, ob ich Künstliche Intelligenz für meine Arbeit verwende. Tatsächlich habe ich nicht einmal damit experimentiert. Bis ein Freund auf den Einfall kam, die Texte meines neuen Buches „Ciao Jesolo“ in die KI hineinzufüttern und sie zur Herstellung von Filmtrailern zu animieren. Die Resultate haben mich umgehauen.

Wer nun glauben Sie hat diesen Text, den Sie gerade lesen, geschrieben? Ein Mensch oder eine Maschine namens KI?

Tatsächlich habe ich ihn verfasst, weil Schreiben eine Tätigkeit ist, die mir Spaß macht und die ich mir nicht (ab)nehmen lassen möchte. Gut, dass ich dies selber entscheiden kann. Viele Menschen fragen sich derzeit zu recht, ob die Fähigkeiten durch die sie bis jetzt ihr Leben bestreiten konnten, in absehbarer Zeit durch immer intelligenter werdende Systeme ersetzt werden. Wird der Mensch das Menschliche überhaupt noch erkennen können und es schätzen?

Es gibt viele Gebiete, in denen die unbestechliche, kühle, gnadenlose Logik des Nicht-Menschlichen von Vorteil ist. Operationen können präzise durchgeführt, Unmengen an Daten ausgewertet und Röntgenbilder punktgenau analysiert werden. Es ist schwierig Gegenargumente für ihre Nutzung zu finden.

Die Maschinenstürmer der industriellen Revolution zerstörten die mechanischen Webstühle, die in ihren Augen der Grund für ihre miserablen Arbeitsbedingungen waren. Wir wollen heute mit Einschränkungen die Auswüchse von Social Media und KI bekämpfen. Doch da wie dort ist nicht die Maschine das Problem. Es ist immer der Mensch dahinter.

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