Motherhood Penalty und Fatherhood Bonus: Die unsichtbare Rechnung der Mutterschaft
Der diesjährige Muttertag am 10. Mai liegt gerade hinter uns. Einmal im Jahr erinnern wir uns kollektiv daran, dass Mütter großartig sind: Mit Blumen, Frühstück im Bett oder selbstgemalten Karten. Gesellschaftlich haben wir Mutterschaft perfekt romantisiert und sie zur schönsten Aufgabe der Welt erklärt. Bis die Rechnung kommt.
Denn was kaum jemand laut sagt: Kinder zu bekommen, ist für Frauen bis heute mit einem systematischen finanziellen Nachteil verbunden. Im ökonomischen Kontext spricht man von der Motherhood Penalty, die Mutterschaftsstrafe. Konkret bedeutet das: Wenn Frauen Mütter werden, büßen sie dies mit strukturellen Einkommens- und Karriereverlusten. Diese lebenslangen Erwerbsnachteile führen auch zu niedrigeren Pensionen und erhöhen die ohnehin schon größere Gefahr von Altersarmut bei Frauen.
Und er? Profitiert.
Während Mütter einbüßen, gewinnen Väter hinzu. Der gegenteilige Effekt, der Fatherhood Bonus, beschreibt, wie Vaterschaft die Erwerbsbiografien von Männern häufig sogar stabilisiert, mit höherem Einkommen und besseren Aufstiegschancen: Dieselbe Lebensentscheidung, aber zwei komplett verschiedene Konsequenzen. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Erwartungen, die tief in unseren gesellschaftlichen Strukturen verankert sind: Väter versorgen und Mütter kümmern sich.
Besonders tückisch dabei ist, wie freiwillig das alles aussieht. Paare einigen sich auf Teilzeit, auf Mitversorgung, auf ein Modell, das jetzt gerade praktisch erscheint. Doch während 72,2 Prozent der österreichischen Mütter mit Kindern unter 15 Jahren in Teilzeit arbeiten, sind es bei den Vätern gerade mal 8,6 Prozent. Gleichzeitig liegt die Erwerbstätigkeitsquote von Vätern bei 91,7% und die der Mütter nur bei 79,3 Prozent. Was leider selten mitgedacht wird: Jedes Jahr in Teilzeit ist ein Jahr weniger Rentenanspruch. Jede Karrierepause hinterlässt eine Lücke im Lebenslauf, die sich kaum aufholen lässt. Und wenn die Beziehung endet, steht eine Person mit sehr viel mehr da als die andere. Meistens ist klar, wer welche Seite übernimmt.
Es braucht mehr als Blumen
Mutterschaft ist keine Armutsfalle, weil Mütter schlechte Entscheidungen treffen. Sie ist eine Armutsfalle, weil wir Care-Arbeit systematisch entwerten, finanzielle Abhängigkeit romantisieren und strukturelle Ungleichheit als persönliche Wahl verkaufen. Die daraus entstehenden Folgen zeigen sich spätestens im Alter: Frauen in Österreich bekommen im Schnitt 40 Prozent weniger Pension als Männer, in Deutschland betrug der Gender Pension Gap zuletzt 24,2 Prozent.
Wer das ändern will, muss aufhören, Muttertag mit Blumen abzufeiern und anfangen, über Geld zu reden. Über Ausgleichszahlungen, faire Aufgabenteilung, gemeinsame Vorsorge. Das ist keine Detailfrage für Paartherapie. Das ist eine der zentralen Gleichstellungsfragen unserer Zeit.
Zur Person:
Natascha Wegelin hat 2015 Madame Moneypenny gegründet, Deutschlands führendes Unternehmen für Female Financial Education. Seitdem begleitet und berät die Unternehmerin, Investorin und Bestseller-Autorin Frauen dabei, selbstbestimmt ihre finanzielle Zukunft zu gestalten – ab sofort auch als sheconomy-Kolumnistin.