Eine Empfehlung hat Irene Bader nicht parat, wenn sie danach gefragt wird, wie man denn Ölflecken am besten aus weißer Kleidung bekommt. Braucht sie auch nicht. Denn wenn die Vorständin des global agierenden Werkzeugmaschinenherstellers DMG Mori ein Werk besucht, ist es dort sauber. „Wir sind in der Hochtechnologie tätig, stellen Teile für Medizin, Flugzeugbau oder Computerchips her. Maschinenbau ist weder schmutzig noch ölig. Ich gehe weiß hinein und komme weiß wieder heraus“, sagt sie und lacht. Das Klischee der „dreckigen Fabrik“ gehört längst der Vergangenheit an, stellt sie klar. Um das zu unterstreichen, wählt die gebürtige Niederösterreicherin bewusst helle Hosen, Blusen, Blazer.

So pendelt sie zwischen München, dem Europa-Headquarter, und der japanischen Hauptstadt Tokio. Dort befindet sich der Unternehmenssitz von DMG Mori. Seit 2005 ist sie für das börsennotierte Familienunternehmen mit rund 13.500 Mitarbeitenden tätig und hat ihren Karriereweg nach oben Schritt für Schritt gemacht. 2023 haben die Aktionäre sie in den Vorstand berufen. Ihre Ressorts: Strategie Europa, Global Corporate Communication und Global Marketing.

„Eine von uns muss anfangen und andere Frauen ermutigen, sich ebenfalls viel zuzutrauen.“

In österreichischen Boards sind Frauen aktuell nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Ob eine Frau erst ins Ausland wechseln muss, um ganz an die Spitze zu kommen? Irene Bader wiegt den Kopf hin und her und sagt: „Ob ich in Österreich die gleichen Chancen bekommen hätte, kann ich schwer einschätzen, denn ich bin in jungen Jahren ins Ausland gegangen. Doch wenn dieser Weg in Japan möglich ist, dann allemal in meiner Heimat.“ Damit spielt sie darauf an, dass in der asiatischen Metropole noch weniger Frauen in den absoluten Spitzenpositionen vertreten sind als in Österreich. Immerhin habe sich in der japanischen Wirtschaft und Politik in letzter Zeit viel getan, um das zu ändern, gibt sie zu bedenken.

Apropos Japan: Für Menschen und Kultur kann sich die Geschäftsfrau seit jeher begeistern, im Business- Kontext schätzt sie den respektvollen Umgang sehr. Das ist übrigens auch ein Grund dafür, dass sie beruflich nicht die Landessprache spricht. „Die Japanerinnen und Japaner sind sehr, sehr stolz auf ihre Sprache. Wer sie nicht wirklich perfekt spricht, fällt auf. Außerdem möchte ich sie motivieren, Englisch zu sprechen.“ Abläufe beschreibt sie als ruhig und strukturiert, was keineswegs Gemächlichkeit mit sich bringt. Im Gegenteil. „Alles fließt, das langfristige Denken und die große Geduld sind vorbildlich.“

Acht- bis zehnmal im Jahr reist sie für ein paar Tage nach Tokio, die übrige Zeit ist sie europaweit unterwegs. Lebensmittelpunkt ist dabei München. Von zu Hause aus sei sie schnell in der Natur, wo sie mit ihrem Mann und ihrem Hund den Ausgleich zu ihrem fordernden Job finde. Zurück im Unternehmen ist Irene Bader eine Führungspersönlichkeit, die darauf achtet, Frauen in die Verantwortung zu holen. Einen großen Stellenwert räumt sie Kolleginnen ein, die als Role Models vorangehen. „Eine von uns muss anfangen. Als ich in diesem globalen Konzern vorangegangen bin, hat es Wirkung gezeigt, dass ich mich dabei sichtbar gemacht und andere Frauen ermutigt habe, sich ebenfalls viel zuzutrauen, ohne vorab alles zu zerdenken.“ Zu einer tiefgreifenden Entscheidung gehöre freilich der Verstand, argumentiert sie. Doch auch das Bauchgefühl sei essenziell.

Und weil gelungene Leadership für sie niemals allein möglich wäre, hat sie im vergangenen Jahr den Minerva- Award in der Kategorie „Beyond Leader“ entgegengenommen und dabei stets ihr Team in den Jubel einbezogen. Das Prinzip Teilen zeigt sich auch in Irene Baders sozialem Einsatz, allem voran für die Tabaluga Kinderstiftung am Starnberger See, die traumatisierten und schwer erkrankten Kindern ein sicheres Zuhause und Therapieangebote bietet. Dort ist sie seit Jahren privat engagiert, seit zwei Jahren sitzt sie im Beirat.

„Manches Mal braucht es nur den einen Menschen, der eine Chance gibt.“

„Warum ich das mache? Weil ich selbst Chancen bekommen habe in meinem Leben und ich anderen Menschen Chancen ermöglichen möchte. Ich finde, wenn es einem gut geht, dann muss man etwas weiter- geben im Leben. Und manches Mal braucht es nur den einen Menschen, der zur richtigen Zeit da ist und eine Chance gibt oder eine Tür öffnet, die das weitere Leben positiv prägt“, erklärt sie. Offizielle Werbung für die Stiftung gibt es nicht, um die Kinder zu schützen. Der beste Weg für Irene Bader ist, stets über sie zu sprechen und so ihrem eigenen Netzwerk den Geist mitzugeben, der das Projekt so einzigartig macht. Und das ist ihre andere Superpower: ihre Empathie. Sie zeigt also nicht nur wie sauber es im Maschinenbau zugeht, sondern auch wie menschlich.

Florian Generotzky, Lisa Hantke Photograph
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