Sheconomy versteht sich als zentrale Plattform für Frauennetzwerke in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Jede Woche stellen wir eines der zahlreichen Netzwerke aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaftspolitik und Kultur im Detail vor.

Das UNIQA Frauennetzwerk setzt sich für die Mitarbeiter*innen bei der UNIQA ein. Das Ziel ist es, den Erfahrungsaustausch zu fördern, und Frauen in ihrem Beruf und auf ihrem Karriereweg aber auch in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen.

Wir haben uns mit dem UNIQA Frauennetzwerk Kernteam unterhalten, wie sie das Netzwerk aufgebaut haben, was sie antreibt und welche Bedeutung das Netzwerk für ihre Mitarbeiter*innen hat.

Wie lautet der Name Ihres Netzwerks?

UNIQA Frauennetzwerk

Wann wurde Ihr Netzwerk ins Leben gerufen?

November 2020

Wie viele Mitstreiter:innen zählt Ihr Netzwerk aktuell?

11 Kolleginnen im Kernteam, rund 280 Kolleg*innen insgesamt

Was sind die Kernthemen und Schwerpunkte Ihres Netzwerks?

Das UNIQA Frauennetzwerk trägt zur Gleichstellung und Inklusion von Frauen in allen Arbeits- und Entscheidungsbereichen im Unternehmen bei und strebt einen Frauenanteil in allen Führungsebenen an, der dem Frauenanteil der Gesamtbelegschaft entspricht. Mit dem UNIQA Frauennetzwerk wollen wir eine Plattform schaffen – zur Förderung des Austausches untereinander, zum Vernetzen und Kontakte knüpfen. Das Netzwerk dient damit dem Empowerment der Mitarbeitenden von UNIQA.

Was ist der gemeinsame Nenner aller Mitglieder, die sich in Ihrem Netzwerk zusammengefunden haben?

Uns verbindet der Wunsch, uns gegenseitig zu unterstützen und unser Arbeitsumfeld aktiv mitzugestalten. Das geschieht vor allem durch Vernetzung, Erfahrungsaustausch und das Teilen von Wissen – unabhängig von Rolle oder Karrierestufe. Viele unserer Mitglieder eint außerdem der Anspruch, Chancengleichheit nicht nur theoretisch zu unterstützen, sondern sie im Arbeitsalltag konkret zu leben, etwa in Entscheidungen, Entwicklungsmöglichkeiten und der Zusammenarbeit.

Wie läuft der Austausch innerhalb der Community ab und über welche Kanäle?

Der Austausch im Netzwerk findet auf zwei Ebenen statt: bei persönlichen Treffen und durch laufende Kommunikation im Alltag. Zentrale Elemente sind gemeinsame Formate wie moderierte Gespräche mit dem Vorstand oder Aktivitäten wie die gemeinsame Teilnahme am Frauenlauf.

Zusätzlich stehen viele Mitglieder auch direkt miteinander in Kontakt und tauschen sich regelmäßig aus. Für die laufende Kommunikation nutzen wir vor allem MS Teams, das Intranet und E-Mail. Darüber informieren wir über Veranstaltungen, sammeln Themen und halten den Austausch zwischen den Treffen aufrecht. Neben regelmäßigen Netzwerkformaten organisieren wir auch anlassbezogene Events, etwa rund um den Weltfrauentag.

Werben Sie gezielt neue Mitglieder für Ihr Netzwerk an, und wenn ja, wie?

Ja, wir sprechen neue Mitglieder bewusst an. Heuer haben wir erstmals eigene Flyer produziert, die wir bei Veranstaltungen sowie in der Zentrale aufgelegt haben. Besonders deutlich zeigt sich aber: Den größten Zulauf verzeichnen wir nach größeren Netzwerk-Events. Im Anschluss an diese Veranstaltungen melden sich regelmäßig viele neue Kolleg*innen an – weil sie den Austausch, die Atmosphäre und den konkreten Mehrwert des Netzwerks direkt erleben.

Wie organisieren Sie die Arbeit im Netzwerk?

Das Frauennetzwerk wird von einem engagierten Kernteam koordiniert. Dieses plant die Formate, setzt thematische Schwerpunkte und sorgt dafür, dass die Community aktiv bleibt. Inhalte und Anliegen kommen dabei direkt aus dem Netzwerk, z. B. durch Umfragen, und werden gezielt aufgegriffen. Bei der Organisation der regelmäßigen Veranstaltungen unterstützen auch weitere Kolleg:innen aus dem Netzwerk das Kernteam.

Netzwerk oder auch Interessenvertretung – wie tritt Ihr Netzwerk nach außen auf?

Für uns sind beide Komponenten zentral. Einerseits stärken wir das Netzwerk durch regelmäßigen Austausch und Vernetzung, andererseits verstehen wir uns auch als Interessenvertretung, die Themen aufgreift und bei UNIQA in die Umsetzung bringt. Ein Beispiel dafür ist das Mentoring-Programm, das wir gemeinsam mit dem Bereich People etabliert haben.

Darüber hinaus setzt das Frauennetzwerk auch konkrete Impulse im Arbeitsalltag. Drei Kolleginnen aus dem Kernteam haben sich beispielsweise dafür eingesetzt, dass in der Zentrale kostenlose Periodenprodukte zur Verfügung stehen – ein kleines, aber wirkungsvolles Zeichen für Sensibilität und Gleichstellung.

Wie steht es um den „Nachwuchs“ – ist es schwer, ihn zu motivieren, oder ist er begeistert, Teil des Netzwerks zu werden?

Bereits bei der Gründung des Netzwerks haben wir ausschließlich positives Feedback erhalten. Umso mehr begeistert uns, wie viele Kolleg*innen sich seither aktiv einbringen und mitgestalten möchten. Das zeigt, dass das Bedürfnis nach Austausch, Vernetzung und gemeinsamer Arbeit an relevanten Themen groß ist.

Gleichzeitig ist uns bewusst, dass dieses Engagement zusätzlich zu den operativen Aufgaben und auf freiwilliger Basis stattfindet. Deshalb achten wir darauf, Beiträge und Formate gut zu timen und flexibel zu gestalten. Umso wertvoller ist der Einsatz all jener, die sich mit Energie und Überzeugung im Netzwerk engagieren.

Gemeinsam sind wir stark – was treibt Sie und Ihre Netzwerk-Mitstreiter*innen an?

Uns treibt das Bewusstsein an, wie wichtig ein starkes Netzwerk in einem großen Unternehmen ist – eines, das den Fokus auf die Mitarbeitenden legt und Themen von der Basis aus vorantreibt. Der Austausch im Netzwerk macht Perspektiven sichtbar, diesonst oft ungehört bleiben, und zeigt, dass aus gemeinsamer Initiative tatsächlich Veränderung entstehen kann. Dieses Gefühl, gemeinsam etwas zu bewegen, ist ein zentraler Antrieb für unser Engagement.

Auf den Punkt gebracht – welche drei Eigenschaften zeichnen Ihr Netzwerk aus?

Engagement, weil sich viele Kolleg:innen freiwillig und zusätzlich zu ihren operativen Aufgaben einbringen. Leidenschaft, weil die Themen aus persönlicher Überzeugung entstehen und mit Energie vorangetrieben werden. Und Umsetzungswille, weil es nicht beim Austausch bleibt, sondern konkrete Impulse gesetzt und Veränderungen angestoßen werden.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Netzwerk? Wo sehen Sie das Netzwerk in fünf Jahren?

Unser Ziel ist es, durch mehr Frauen in relevanten Führungspositionen eine Kultur zu stärken, in der alle Mitarbeitenden ihre Karrieremöglichkeiten gleichermaßen wahrnehmen können. Vielfalt in Entscheidungen und Perspektiven trägt direkt zum nachhaltigen Erfolg von UNIQA bei. Das Frauennetzwerk ermächtigt Frauen, Zugang zu Entscheidungsträger:innen zu bekommen, ihre Ideen aktiv einzubringen und ihre Stimme hörbar zu machen.

Gleichzeitig setzen wir uns, in enger Zusammenarbeit mit People und Diversity & Inclusion, für mehr Transparenz bei Personal- und Entwicklungsentscheidungen ein. In fünf Jahren sehen wir das UNIQA Frauennetzwerk als fest verankerte, wirksame Community, die Entwicklung fördert, Dialog ermöglicht und einen spürbaren Beitrag zu einer fairen, zukunftsorientierten Unternehmenskultur leistet.

Welches Klischee rund um Frauen im Wirtschaftsleben können Sie nicht mehr hören?

Dass Frauen „nicht gerne führen“ oder „zu wenig ambitioniert“ seien. Oft fehlt nicht Ambition, sondern es fehlen Zugang, Sichtbarkeit, passende Rahmenbedingungen und manchmal auch Ermutigung im richtigen Moment. Netzwerke helfen, diese Lücken zu schließen, weil sie Orientierung geben und Türen über Beziehungen öffnen.

Was wären Ihrer Meinung nach die nächsten wichtigen Schritte Richtung Gender Equality?

Ein zentraler Hebel ist mehr Transparenz bei Entwicklungsmöglichkeiten, Rollen und Kriterien, also ein klares Verständnis dafür, was es tatsächlich für den nächsten Karriereschritt braucht. Ebenso wichtig sind verbindliche Maßnahmen statt bloßer Absichtserklärungen, etwa in Talentprozessen, bei Besetzungen oder in der gezielten Entwicklung von Mitarbeitenden. Darüber hinaus braucht es sichtbare Rollenmodelle. Moderne Arbeitsrealitäten und echte Vereinbarkeit müssen dabei selbstverständlich sein und dürfen keine Ausnahme bleiben.

Haben Sie das Gefühl, dass sich Frauen oft doppelt oder dreifach anstrengen müssen, um gleiche Positionen wie Männer zu bekommen?

Unsere Erfahrung zeigt, dass Frauen für bestimmte Positionen nach wie vor nicht gleichermaßen berücksichtigt werden – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Das führt oft dazu, dass sie sich stärker beweisen müssen, um dieselben Chancen zu erhalten. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist für uns mehr Transparenz in Recruiting- und Entwicklungsprozessen. Klare und nachvollziehbare Richtlinien helfen, unbewusste Ausschlüsse zu vermeiden und Entscheidungen fairer zu gestalten.

Wie bewerten Sie die Rolle von (Frauen-) Netzwerken in unserer heutigen Gesellschaft und in der Zukunft?

Netzwerke fördern heute maßgeblich berufliche Entwicklung, weil sie Zugang zu Wissen, Sichtbarkeit, Chancen und Unterstützung ermöglichen, besonders in großen Organisationen. Ihre Bedeutung wird weiter steigen, da Karrierewege weniger linear verlaufen und Orientierung zunehmend durch Communities, Lernen und Beziehungen entsteht. Frauen-Netzwerke stehen dabei für faire Chancen, sichtbare Rollenmodelle, Austausch und eine Kultur, in der Vielfalt als Stärke gelebt wird.

Tobias Nessweda
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