mcbw: Design als Wirtschaftsfaktor
Gerade ist die Milan Design Week zu Ende gegangen – wie beeinflussen Messen wie diese Ihre Arbeit oder die munich creative business week?
Diese Events sind wichtige Momente, weil sie eine enorme Sichtbarkeit für das Thema Design schaffen, auch weit über die Branche hinaus und seine gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Relevanz zeigen. Das begeistert mich persönlich sehr. Gleichzeitig sind sie eine wichtige Quelle der Inspiration und bringen die internationale Design-Community zusammen. Dieser Austausch ist für unsere Arbeit und die Weiterentwicklung unserer eigenen Formate äußerst wertvoll. Zudem halten wir natürlich immer Ausschau nach Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Designwochen.
Viele Unternehmen wollen mehr Innovation. Wo liegt für Sie der konkrete wirtschaftliche Wert von Design?
Design schafft Orientierung und macht Angebote relevant. Es stärkt Produkte, Dienstleistungen und Marken, weil es Bedürfnisse präziser übersetzt und Komplexität reduziert. Wirtschaftlich wird es dort besonders sichtbar, wo Design Differenzierung ermöglicht, Kundenerlebnisse verbessert und Unternehmen hilft, schneller und verantwortungsvoller auf Veränderung zu reagieren.
Mit der mcbw führen Sie ein Format, das Kreativität und Wirtschaft zusammenbringt. Warum ist diese Verbindung gerade jetzt so wichtig?
Weil Unternehmen in einer Zeit von Unsicherheit und Transformation neue Denk- und Handlungsräume brauchen. Die mcbw zeigt, dass Kreativität kein Nice-to-have ist, sondern ein echter Zukunftsfaktor. Wo unterschiedliche Disziplinen zusammenkommen, entstehen neue Perspektiven, Kooperationen und oft genau jene Impulse, aus denen Innovation und Wettbewerbsfähigkeit wachsen.
Das Motto der mcbw 2026 lautet „Playground of Possibilities“. Was kann die Wirtschaft aus diesem Gedanken mitnehmen? Ist die aktuelle Zeit nicht zu ernst für Spiele?
Ein „Playground of Possibilities“ steht für Räume, in denen Ideen getestet, weitergedacht und gemeinsam geschärft werden. Für Unternehmen heißt das: mehr Offenheit, mehr Lernbereitschaft und der Mut, Unfertiges zuzulassen. Genau daraus entstehen oft die tragfähigsten Innovationen, und die brauchen wir gerade in der aktuellen Situation.
Was möchten Sie Entscheider:innen mitgeben, die Design vielleicht enger verstehen?
Design sollte nicht erst am Ende eines Prozesses dazukommen, sondern früh in strategische Fragen eingebunden sein. Wer Gestaltung als Teil von Innovation, Markenführung und Transformation versteht, nutzt deutlich mehr Potenzial. Gerade in dynamischen Märkten braucht es diese Perspektive, um relevante Lösungen zu entwickeln und Zukunft aktiv mitzugestalten.
Warum ist aus Ihrer Sicht die mcbw wichtig für die Stadtgesellschaft?
Die mcbw macht Design für alle sichtbar und zugänglich. Mit ihren vielfältigen Formaten und Angeboten schafft sie Raum für Austausch über zentrale Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, Innovation und gesellschaftlichen Wandel. Gleichzeitig stärkt sie München als kreativen Standort und lädt die Menschen dazu ein, Design aktiv zu erleben und mitzugestalten.

Wenn Sie sich in München umschauen, wo könnte die bayerische Metropole noch deutlich mehr Design vertragen?
Ich sehe vor allem Potenzial in der Gestaltung sogenannter „Dritter Räume“ – also Orte jenseits von Arbeit und Zuhause. Hier kann Design noch stärker dazu beitragen, kreative Räume für unterschiedliche Zielgruppen zu schaffen, die Austausch fördern und ein Gefühl von Gemeinschaft entstehen lassen. Solche offenen, gut gestalteten Orte stärken das Miteinander und vermitteln das Gefühl, Teil der Stadt zu sein.
Welche drei Tipps rund um das Programm können Sie uns geben?
Bei der großen Vielfalt ist das immer gar nicht so leicht zu beantworten. Am meisten freue ich mich auf die besondere Atmosphäre – die Aufregung und die lebendige, inspirierende Stimmung während der sieben Tage. Inhaltlich gibt es so viele Highlights. Wenn ich drei rauspicken „muss“: unsere Public Spaces, vor allem die poetische Arbeit „Cappella del Suono“ von Studio Carraldo, die Ausstellung unserer koreanischen Partner:innen in der Galerie Barbara Ruetz oder die täglichen Creative-Morning-Sessions in unserem mcbw Hub als kurzer Inspirationsimpuls mit Kaffee und Snacks vor dem Arbeitstag.
Aber am besten ist es, selbst ins Programm zu schauen und die eigenen Favoriten zu entdecken.
Sie selbst haben in Marketing, Designstrategie und Coaching gearbeitet. Wie prägt dieser Mix heute Ihren Blick auf Design?
Ich sehe Design nie isoliert, sondern immer im Zusammenspiel mit Marke, Organisation, dem Markt und vor allem den Menschen. Mein Background hilft mir, Gestaltung nicht nur kreativ, sondern auch strategisch zu lesen: als Werkzeug für Positionierung, als Hebel für bessere Entscheidungen oder als Prozess, der Teams verbindet. Genau dort entsteht für mich wirksame Gestaltung. Design wird dann besonders spannend, wenn es Orientierung gibt, Klarheit schafft und Menschen miteinander verbindet.
Als Geschäftsführerin von bayern design, systemischer Business Coach und erfahrene Strategin an der Schnittstelle von Marke, Kommunikation und Gestaltung denkt Nadine Vicentini Design konsequent als Hebel für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Wandel. Nadine Vicentini hat im April 2021 die Leitung von bayern design übernommen, dem Kompetenzzentrum für Gestaltung in Bayern und Veranstalter der munich creative business week (mcbw, 4.-10. Mai 2026). In ihrer Rolle trägt sie die Gesamtverantwortung für die mcbw, die als Deutschlands größtes Designevent gilt.