Die Welt braucht eine Firewall gegen Hass im Netz
Dieses Jahr saß ich zum ersten Mal jemandem vor Gericht gegenüber, den ich angezeigt hatte – wegen Hunderten von Nachrichten bis hin zu Gewaltandrohungen gegenüber meiner Mutter. Als er mir in echt gegenüberstand, hat er zum ersten Mal begriffen, dass es da um einen Menschen geht.
Diesen Moment würde ich gern vorziehen. Am besten, bevor der erste Kommentar abgeschickt wird. Was ich mir deshalb wünsche, ist eine KI, die ganze Nachrichten versteht und in dem Moment, in dem jemand senden will, direkt fragt: „Weißt du, was du da gerade anrichtest? Und das sind die Konsequenzen!“ Wenn die Nachricht Strafbares enthält, würde die KI das automatisch weiterleiten, ohne dass ich tausende Kommentare durchlesen und selbst Anzeige erstatten muss.
Einiges wäre technisch schon machbar. Viele Plattformen wollen aber nichts einschränken, weil Hasskommentare Diskussionen befeuern, Diskussionen für längere Screentime sorgen und längere Screentime mehr Werbeumsatz bedeutet. Irgendwo in dieser Rechnung bleibt der Mensch auf der Strecke. KI kann so viel. Es wäre schön, wenn wir sie dafür nutzen, dass Social Media ein sicherer Ort für alle wird.
Zur Person:
Miss Ivanka T. kommt aus Linz, lebt seit elf Jahren in Berlin und ist Drag-Entertainerin, DJ, Content Creatorin und Podcasterin. Auf Instagram folgen ihr mehr als 100.000 Menschen, darunter eben leider auch Trolls. „Ich zeige an, bekomme einen Brief, und dann kann die Person oft nicht ermittelt werden, weil sich nicht herausfinden lässt, wer hinter dem Profil steckt. Ich mache es trotzdem, damit diese Taten in der Statistik sichtbar werden“, sagt sie. Bravo!