Staatspreis Innovation: Aya Maria Thallner nimmt Preis für EV Group entgegen
Am 4. November wurde im Wiener Erste Bank Campus der österreichische Staatspreis Innovation 2026 verliehen. Prämiert wurde die EV Group (EVG), ein Hightech-Betrieb aus dem Innviertel, der in der Halbleiterindustrie weltweit zu den führenden Anbietern zählt. Für das Unternehmen ist es nach 2017 bereits der zweite Staatspreis. Den Preis nahm unter anderem Gründerin Aya Maria Thallner entgegen, überreicht von Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.
Ausgezeichnet wurde das Projekt „IR LayerRelease™ Technologie revolutioniert Mikrochip-Skalierung“: Infrarot-Laser lösen dünnste Siliziumschichten samt Schaltkreisen nanometergenau ab, ohne empfindliche Strukturen zu belasten. Damit lassen sich Chips stapeln und leistungsfähigere, energieeffizientere Mikrochips bauen, etwa für künstliche Intelligenz.
Die EV Group wurde 1980 von Aya Maria und Erich Thallner in St. Florian am Inn gegründet. Heute ist das Unternehmen ein weltweit führender Anbieter von Anlagen und Prozesslösungen für die Halbleiterindustrie. Es beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter*innen, über 1.200 davon am Hauptsitz, und unterhält eigene Tochtergesellschaften in den USA, Japan, Südkorea, China, Taiwan und Singapur.
Aya Maria Thallner hat sich inzwischen aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, das Unternehmen aber wesentlich geprägt. Sie verantwortete die Finanzen und die Personalentwicklung und ließ unter anderem einen Betriebskindergarten errichten, der vor allem Frauen die Rückkehr aus der Karenz erleichtert. EVG ist weiterhin in Familienbesitz und im Innviertel fest verwurzelt. Alle drei Kinder des Paares arbeiten heute im Betrieb.
Dass ein solches Familienunternehmen auf der Bühne stand, hat für Staatssekretärin Zehetner Symbolkraft. „Was macht uns in Österreich aus? Dass wir es nicht nur schaffen, neue Ideen in die Welt zu bringen, sondern uns über Generationen immer wieder als Unternehmen neu zu erfinden, damit wir vorne mitspielen. Und genau das brauchen wir in Zukunft“, sagte sie bei der Verleihung.
Warum Innovation überlebenswichtig ist
Der Staatspreis Innovation wird im Auftrag des Wirtschaftsministeriums von der aws organisiert und wurde heuer zum 46. Mal vergeben. Für Zehetner geht es dabei um mehr als um eine Trophäe: „Innovation ist sowas wie die Lebensversicherung für Österreich, auch für Europa.“ Bei den Lohnkosten könne und wolle man nicht mithalten. Stark sei Österreich dort, wo es auch mit China aufnehmen könne, das mittlerweile ganz weit vorne liege, nämlich bei der Innovation.
Die Zahlen sollen den Anspruch stützen: Bis Jahresende dürften rund 17,6 Milliarden Euro in Forschung fließen, die Forschungsquote liege bei 3,34 Prozent. Im europäischen Innovationsvergleich zähle Österreich zu den „Strong Innovators“, noch nicht ganz vorn, aber weit über dem Durchschnitt. Das Ziel sei, zu den Innovation Leaders aufzuschließen. Dafür will Zehetner die Forschungsprämie als starkes Instrument erhalten, und aws und FFG sollen Ideen bis zur Wertschöpfung begleiten.
Das Besondere am Staatspreis sei seine Breite. Es zähle nicht, ob die Innovation eine riesige Maschine oder ein kleines technisches Detail sei, das einen Prozess entscheidend verbessert. Der Preis bilde auch die Regionen ab, denn die Wettbewerbe laufen in allen Bundesländern.
Doch Ideen allein machen noch kein Produkt. WKÖ-Vizepräsidentin Bettina Dorfer-Pauschenwein, die den Sonderpreis ECONOVIUS überreichte, nannte das große Aber: „Österreich ist ein Land der guten Ideen und der Innovation, und es ist ganz toll, dass wir das heute auf die Bühne holen und die Unternehmerinnen und Unternehmer feiern können, die tagtäglich an Innovation arbeiten.“ Was fehle, seien Zeit und Freiraum, aus einer guten Idee ein marktfähiges Produkt zu machen. „Die österreichischen Unternehmen wenden rund 320 Millionen Arbeitsstunden im Jahr für Bürokratie auf. Das sind Kosten von über 21 Milliarden Euro, die auf der anderen Seite für Innovation und Wachstum fehlen.“ Das müsse man runterbringen, um noch innovativer und über die Staatsgrenzen hinaus erfolgreich zu werden.
Der Sprung in die Quantenwelt
Nominiert war auch Infineon Technologies Austria für die „Technologieplattform Quantenchip“. Sie verbindet Entwicklung und industrielle Fertigung auf dem Weg zu praxistauglichen Quantencomputern. CEO Sabine Herlitschka erklärt, warum die Auszeichnung so wichtig ist: „Der Staatspreis Innovation ist eine großartige Auszeichnung für die Innovationskraft und Innovationsleistung von österreichischen Unternehmen.“ Es gehe darum, Forschung in tatsächliche Innovation zu übersetzen, also Produkte und Technologien erfolgreich am Markt zu platzieren. „Damit entsteht Wertschöpfung, damit entsteht Wohlstand.“ Diese Leistung mit den besten Technologien des Landes herzuzeigen, sei eine tolle Gelegenheit.
Neugier braucht Mut
Erste Bank-Risikovorständin Ilinka Kajgana, am Vortag Speakerin beim sheconomy she.leads UNFILTERED-Event, würdigte die Nominierten als Menschen, die sich nicht mit dem Status quo zufriedengeben und Bestehendes hinterfragen. Sie selbst habe diese Neugier schon im Physikstudium fasziniert. Doch Neugier allein reiche nicht, es brauche Mut, Ausdauer und Umsetzungskraft, die Bereitschaft, Rückschläge in Kauf zu nehmen und weiterzumachen, bis aus der Idee eine echte Lösung wird. Die größten Durchbrüche entstünden nicht im Alleingang, sondern dort, wo Wissenschaft und Wirtschaft zusammenkommen. „Innovation und Technologie müssen immer Menschen gewinnen“, so Kajgana. Echter Fortschritt bedeute einen einfacheren Alltag, sichere Arbeitsplätze und neue Chancen.
Die weiteren Nominierten und Sonderpreisträger
Neben EVG und Infineon waren Anexia (Kärnten), AT & S (Steiermark), Brantner green solution (Niederösterreich) und VRVis (Wien) nominiert. Den Sonderpreis ECONOVIUS der WKÖ erhielt Farm-ING Smart Farm Equipment FlexCo für ein System, das Unkraut in Echtzeit erkennt und den Pflanzenschutzmitteleinsatz um bis zu 95 Prozent senkt. Den VERBUND-Sonderpreis VERENA gewann ECOLYTE mit der TU Graz für KI-entwickelte Moleküle und papierbasierte Membranen für recycelbare Redox-Flow-Batterien.
„Seien Sie Vorbilder“
Zum Schluss richtete sich Zehetner an jene, die noch zögern. Aus Start-ups sollten Scale-ups werden, und die Ausgezeichneten sollten weltweit erfolgreich bleiben. „Sie sind großartige Vorbilder für alle, in denen der Unternehmergeist schlummert, für alle, die noch in der Wissenschaft verharren und sich nicht ganz trauen, den Schritt ins Business zu gehen. Seien Sie das, ermutigen Sie Ihr Umfeld, und dann wird Österreich weiter an der Spitze sein. Und wir werden in diesem großartigen Land alle gemeinsam froh sein, mit unseren Familien hier leben zu können.“