Bluse, Blazer, Bleistiftrock – lange war ziemlich eindeutig, was als geschäftstauglich galt. Bei der Abschluss-Show der Modeschule Hetzendorf im Juni stellte sich diese Frage neu: Ist ein solches Regelwerk überhaupt noch zeitgemäß, oder ist erlaubt, was gefällt? Über 200 Modelle liefen an diesem Abend im Schlosspark Hetzendorf über den rund 50 Meter langen Laufsteg, vor prominenten Gästen aus Mode, Kultur, Wirtschaft und Medien – die Antwort der nächsten Designer-Generation auf die Frage, welche Rolle neben aller Kreativität die Wirtschaftlichkeit spielt.

Unter dem Titel „Umbruch“ zeigten die Schüler*innen ihre Abschlussarbeiten: Kollektionen, die sich mit persönlichen Geschichten, gesellschaftlichen Fragestellungen, Ängsten und Hoffnungen sowie kulturellen Einflüssen auseinandersetzten. Wie vielfältig sich zeitgenössische Mode heute interpretieren lässt, zeigte sich schon in der Bandbreite der Ausbildungsschwerpunkte auf dem Laufsteg: von Modedesign und Kleidermachen über Strick- und Textildesign bis zu Produktgestaltung für Taschen, Accessoires und Schuhe.

Wie eng Kreativität und Wirtschaftlichkeit im Schulalltag tatsächlich zusammenhängen, ließ sich an einem Kooperationsprojekt ablesen: Für den Kultbrötchen-Hersteller Trzesniewski entwarfen Schüler*innen des 3. und 4. Jahrgangs neue Corporate-Modelle für Damen und Herren. Die Siegermodelle von Estella Prinz, Marion Nwoha und Fleur Korsatko feierten ihr Laufsteg-Debüt – vorgeführt von den Trzesniewski-Mitarbeiter*innen selbst.

Im transparenten Zelt mitten im Schlossgarten war der Applaus entsprechend groß, die Frontrow, darunter zahlreiche heimische Kreative, zeigte sich beeindruckt und emotional berührt.

Im Herbst beginnt für die Modeschule Hetzendorf das 80. Schuljahr. Die Verbindung aus Kreativität, handwerklicher Präzision und unternehmerischem Denken, die sich im Juni auf dem Laufsteg zeigte, dürfte dabei auch das kommende Jahr prägen – ein Beleg dafür, dass sich Businessmode als starre Kategorie überholt haben mag, als reale Aufgabenstellung zwischen Ausdruck und Marktfähigkeit aber so aktuell ist wie nie.

Katharina Schiffl/Modeschule Hetzendorf
Mode & Beauty