Wenn es um Luxus, Stil und die oft unausgesprochenen Codes weiblicher Führung geht, kennt Andrea Unterberger beide Seiten der Medaille. Die ehemalige Leiterin des Designteams des Schweizer Modehauses Akris und heutige Boutique Managerin von Akris Austria hat ihre Karriere zwischen internationaler Modewelt, Kreativität und Führung aufgebaut und dabei gelernt, dass Erfolg weit mehr ist als perfekte Lebensläufe oder fehlerfreie Entscheidungen.

Am 1. Juli wird Unterberger bei she.leads UNFILTERED gemeinsam mit der Grande Dame der Semiotik, Motiv- und Meinungsforschung, Helene Karmasin, und sheconomy-Herausgeberin und Geschäftsführerin Kristin Hanusch-Linser darüber sprechen, welche Bilder von Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft bis heute nachwirken, welche Rolle Kleidung als Machtsymbol spielt und warum Sichtbarkeit oft mehr über Karriere verrät als jede Jobbeschreibung.

Im Vorfeld haben wir sie für unserer Serie „now she knows“ interviewt und über prägende Wendepunkte, unterschätzte Zukunftskompetenzen und die Erkenntnis, dass nicht Fehler über Karrieren entscheiden, sondern der Umgang mit ihnen, gesprochen.

Was war Ihr persönlicher Game-Changing-Moment?

Mein Praktikum und der anschließende erste Job in New York waren der entscheidende Wendepunkt in meinem Leben. Das pulsierende Leben, die Kultur der unbegrenzten Möglichkeiten und die Begegnungen mit inspirierenden Menschen aus aller Welt haben meinen Horizont nachhaltig gesprengt. Wer einmal in diesem dynamischen Umfeld gelernt hat, groß und international zu denken, nimmt diese zukunftsweisende Perspektive für immer mit in seine berufliche Laufbahn.

Was hätten Sie zu Beginn Ihrer Karriere gebraucht, was damals noch nicht vorhanden war, aber heute verfügbar ist?

Wenn ich auf meine Anfänge im Modedesign zurückblicke, war vieles mühsamer als heute. Was mir damals definitiv gefehlt hat, war das globale, digitale Netzwerk, das man sich heute per Klick aufbauen kann. Damals musste man sich jeden Kontakt und jeden Markteinblick Schritt für Schritt hart erarbeiten.
Mit den heutigen Mitteln wäre vieles schneller und einfacher gegangen. Aber ehrlicherweise hat jede Zeit ihre Qualitäten: Ich habe es damals ohne diese Tools geschafft – und genau dieses intensive Erarbeiten hat mir ein Fundament gegeben, das mich bis heute trägt. Man würde es heute einfach anders schaffen.

Was war der größte Karriere-Boost?

Mein Wechsel von Österreich in die Schweiz zu Akris. Ich habe dort als Design-Assistentin angefangen, bekam aber schnell die Möglichkeit, in alle Bereiche einzutauchen und hautnah zu erleben, wie ein High-Fashion-Unternehmen aufgebaut ist. Diese Reise führte mich schließlich an die Spitze: Ich durfte das Design-Team leiten und stand Albert Kriemler als kreative rechte Hand zur Seite. Ein Absoluter Traumjob, der mich als Designerin und Führungskraft nachhaltig geprägt hat.

In welchen Situationen denken Sie heute: „Hätte ich das bloß früher gewusst“?

Diese Situationen gibt es nach wie vor in meinem Leben, sei es privat oder beruflich. Aber Fehler zu machen ist das Eintrittsgeld für Innovation. Wer nichts falsch macht, probiert nicht genug Neues aus. Das wichtigste Learning: Nicht der Fehler definiert dich, sondern deine Reaktion darauf.

Welche Kompetenzen werden Frauen in den kommenden zehn Jahren brauchen, die heute noch unterschätzt werden?

In den kommenden zehn Jahren werden Fähigkeiten wie Beziehungsmanagement, Krisen Resilienz und das präzise Steuern von KI zu den wichtigsten Kernkompetenzen zählen. Der Klimawandel beschleunigt den Bedarf an langfristigem, vernetztem Denken und krisenresilienter Teammoderation – Kompetenzen, die Frauen statistisch häufiger mitbringen, wodurch sie zu unverzichtbaren Gestalterinnen der grünen Transformation werden.

Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit mehr Frauen Führungspositionen erreichen und welche, damit sie erfolgreiche Unternehmerinnen werden?

Damit Frauen Führungspositionen erreichen, braucht es eine lückenlose Kinderbetreuung, flexible Arbeitsmodelle wie Shared Leadership und transparente Beförderungsprozesse. Für erfolgreiche Unternehmerinnen ist vor allem ein gleichberechtigter Zugang zu Risikokapital entscheidend, da Gründerinnenteams trotz hoher Effizienz bisher nur einen Bruchteil der Investitionen erhalten. Zudem müssen Selbstständige durch gesetzliche Regelungen zu Mutterschutz und Elternzeit sozial abgesichert werden, um das finanzielle Risiko einer Gründung drastisch zu senken.

Ihr persönlicher Rat an alle, die „die große Karriere“ anstreben?

Eine große Karriere fällt einem nicht in den Schoß – sie ist das Ergebnis von Strategie, mentaler Stärke und Mut. Fordere ein, was dir zusteht. Warte nicht darauf entdeckt zu werden. Präsentiere deine Leistung selbstbewusst und verhandele Gehalt und Beförderungen auf Augenhöhe.

Mut zur Lücke haben. Bewirb dich auch dann, wenn du nicht 100% der Anforderungen erfüllst. Wachse in der neuen Rolle, anstatt auf Perfektion zu warten. Allianzen bilden. Konkurriere nicht mit anderen Frauen, sondern baue ein starkes Netzwerk auf, in dem ihr euch gegenseitig fördert, Infos teilt und Türen öffnet.

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