Digitale Assets mit Vertrauen managen
Krypto polarisiert wie kaum ein anderes Anlagethema. Doch hinter den Kursschwankungen entstehen neue Infrastrukturen für Zahlungen, Kapitalmärkte und digitale Vermögenswerte. Seit 2019 zeigt unter anderem Bison, dass Krypto hierzulande kein Nischenthema mehr ist. Als erste deutsche Krypto-Trading-App mit einer traditionellen Wertpapierbörse im Rücken hat sich die Plattform zu einem Angebot mit mehr als einer Million Nutzer*- innen entwickelt. Wie sich die Branche verändert und wie der Broker der Börse Stuttgart Vertrauen als entscheidenden Wettbewerbsvorteil nutzt, erklärt Dr. Ann-Christine Brunen.
Frau Brunen, viele Anleger*innen erleben Krypto als besonders nervöses Marktsegment. Warum bleibt das Thema trotzdem relevant?
Weil Krypto heute mehr ist als ein spekulativer Randmarkt. Wir sehen, dass sich der Bereich strukturell weiterentwickelt. In den USA hat die Zulassung von Spot-Bitcoin-ETFs, also Fonds, in denen Bitcoin-Anteile wie Aktien über reguläre Broker gehandelt werden, den Zugang für breitere Anlegergruppen erleichtert. In Europa schafft der neue Regulierungsrahmen MiCAR (Markets in Crypto-Assets Regulation) das erste umfassende, einheitliche EU-weite Regelwerk zur Regulierung von Kryptowerten – mit klaren Regeln für Emittenten und Dienstleister und Schutz für Anleger*innen. Gerade in Zeiten von Kursrückgängen trennt sich die kurzfristige Aufregung von der langfristigen Bedeutung – und die liegt in der Rolle von Krypto als digitale Finanzinfrastruktur.
Wo zeigt sich diese Bedeutung?
Zum einen beim Zugang. Krypto ist längst nicht mehr nur bei spezialisierten Börsen zu finden, sondern zunehmend bei Brokern, Neobanken und etablierten Finanzhäusern. Zum anderen bei den Anwendungsfällen, die über Krypto hinausgehen. Es geht längst nicht mehr nur um den Handel mit Bitcoin, Ethereum und Co., sondern um die Frage, wie Finanzmärkte künftig funktionieren.
Was heißt das ganz konkret?
Digitale Assets steigern die Effizienz unserer Finanzmärkte und Zahlungsstrukturen. Beispiel Stablecoins: Ein Stablecoin funktioniert wie ein digitaler Gutschein. Für jeden ausgegebenen digitalen Coin sollte beim Anbieter ein entsprechender Wert, etwa ein Euro oder US-Dollar, als Reserve hinterlegt sein. Dadurch kann der Coin schnell digital übertragen und idealerweise jederzeit wieder in echtes Geld zurückgetauscht werden. Konkret machen Stablecoins – insbesondere solche, die an klassische staatliche, sogenannte Fiat-Währungen gekoppelt sind – als „Zahlungslayer“ digitale Transaktionen schneller, effizienter und günstiger und werden immer relevanter. Ein Beispiel ist die Société Générale, eine große französische Bank, mit ihrem Euro-Stablecoin EURCV.
Gibt es weitere Beispiele?
Auch die sogenannte Tokenisierung gewinnt an Bedeutung. Dabei werden Vermögenswerte wie Aktien digital auf einer Blockchain abgebildet und 24/7 handelbar gemacht, auch in kleineren Bruchteilen der Aktie. Im Rahmen eines so genannten Smart Contracts auf der Blockchain werden digitale Token erstellt, die zu 100 Prozent durch die echte Aktie gedeckt sind. Das könnte Kapitalmärkte stark verändern, weil Transaktionen mit weniger Zwischenstellen abgewickelt werden können.
Krypto als digitale Finanzinfrastruktur heißt für Sie also …?
… dass wir uns inzwischen von der spekulativen Betrachtung wegbewegen und sich die Abläufe internationaler Transfers maßgeblich verändern. Bei Stablecoins sehen wir, dass Blockchain-basierte Systeme Zahlungen, Settlement – also der Moment, in dem die Aktie tatsächlich an die Käuferin übertragen wird und das Geld endgültig beim Verkäufer ankommt – und internationale Transfers effizienter machen können. Bei der Tokenisierung wird sichtbar, wie Kapitalmarktprozesse künftig schneller, digitaler und potenziell rund um die Uhr funktionieren könnten. Das sind Entwicklungen, die nicht nur Krypto-Unternehmen betreffen, sondern Banken, Asset-Manager*innen, Börsen und Zahlungsdienstleister.
Der Markt der Plattformen und Krypto-Broker wird damit auch voller. Wodurch unterscheidet sich Bison?
Aus meiner Sicht durch drei Dinge: Erstens durch Regulierung und Sicherheit. Bison ist Teil der Gruppe Börse Stuttgart, die Verwahrung läuft über die Tochterfirma Boerse Stuttgart Digital Custody mit MiCAR-Lizenz. Zweitens durch Benutzerfreundlichkeit: Die User bestätigen uns, dass unsere App einfach handhabbar ist, sie spricht auch Menschen an, die zum ersten Mal in Krypto investieren. Und drittens durch Transparenz bei Kosten und Angebot. Entscheidend ist heute aber noch etwas anderes. Reines Trading reicht nicht mehr. Nutzerinnen und Nutzer erwarten ein Produkt, das über den Kauf und Verkauf hinausdenkt, also etwa Services wie Staking, bei dem Nutzer*innen digitale Coins im Netzwerk „parken“ und dafür Belohnungen erhalten – ähnlich wie bei einem Festgeldkonto oder Sparbuch. Alles zusammen schafft ein einfaches und zuverlässiges Angebot und Vertrauen.
Warum sollten sich gerade Frauen noch viel mehr mit Krypto beschäftigen?
Weil finanzielle Souveränität immer auch bedeutet, neue Entwicklungen zu verstehen, statt sie anderen zu überlassen. Krypto muss kein Entweder-oder zum klassischen Vermögensaufbau sein. Aber wer wissen will, wie die Finanzwelt von morgen aussieht, kommt an digitalen Assets kaum vorbei. Krypto kann zum einen Renditechancen eröffnen, zum anderen eine Diversifikation für das Portfolio bedeuten. Anlegerinnen sollten sich damit beschäftigen, nicht aus FOMO, sondern aus Kompetenzgründen, um Chancen und Risiken selbst einschätzen zu können. Viele Anlegerinnen investieren sehr strukturiert und langfristig – das ist ein guter Kompass, auch bei Krypto.
Die Vielfalt an Kryptowährungen ist riesig. Was raten Sie Einsteigerinnen?
Nicht dem Hype folgen, sondern mit Bildung beginnen – ein Grundsatz bei Krypto ist „Do your own research“. Anlegerinnen können sich beispielsweise in der Bison Academy über die Grundlagen informieren oder über die News-Plattform BTC- ECHO auf dem Laufenden halten. Wichtig ist zu verstehen, worin man investiert. Nur Geld einsetzen, dessen Schwankungen man aushält. Auf einen regulierten Anbieter achten. Und Krypto, wenn überhaupt, als bewussten Baustein im Gesamtportfolio sehen und nicht als Abkürzung zu schnellem Reichtum. Wer so an das Thema herangeht, kann auch in Rücksetzerphasen einen nüchternen, selbstbestimmten Zugang zur aktuellen Kursentwicklung finden.