Nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr kehrte die Affordable Art Fair in der Wiener Marx Halle zurück – und bewies mit 65 internationalen sowie lokalen Galerien und einer transparenten Preisspanne von 100 bis 10.000 Euro, dass Kunst nahbar sein kann. Frei von Schwellenängsten ging es unter dem Motto „find your art happiness“ um das pure Entdecken.

Doch hinter der bunten Messefassade, flankiert von großformatigen Installationen der Künstlerin Beth Shapeero, Arbeiten der Kampagnenkünstlerin Moni K. Huber und dem Länderschwerpunkt „Spotlight on Spain“, wartete auch ein tieferer Diskurs: Am Messefreitag lud sheconomy zum Panel, um den blinden Fleck des Kunstmarktes auszuleuchten.

Auf dem Podium diskutierten Kunstberaterin Tanja Skorepa, Galeristin Karoline Hilger-Bartosch, Karin Sorger, Leiterin Recht & Compliance der Stadt Wien Kunst GmbH und Mitgründerin des Frauennetzwerks SHE KNOWS, sowie die Künstlerin Assunta Abdel Azim Mohamed, über die nach wie vor bestehende Ungleichheit im Kunstmarkt. Obwohl Frauen an Kunstuniversitäten heute häufig die Mehrheit der Studierenden stellen, spiegelt sich dies weder in vielen Sammlungen noch in Museen oder am Sekundärmarkt wider.

Tanja Skorepa untermauerte dies mit harten Fakten und verwies auf eine Studie des Bundesministeriums für Kunst von September 2024: Obwohl an den Kunstuniversitäten exzellente Frauenquoten unter den Studierenden herrschen, sind Künstlerinnen in Museen, großen Sammlungen und auf dem Sekundärmarkt drastisch unterrepräsentiert. Daten spiegeln hier schlicht eine historische Benachteiligung wider.

Authentizität versus Marktdruck

„Besonders in wirtschaftlichen Krisenzeiten greift der Markt bevorzugt zu etablierten, meist männlichen Positionen“, erklärte Tanja Skorepa. Hinzu kommen strukturelle Hürden wie späte Karrierestarts und die gesellschaftliche Skepsis bezüglich der Vereinbarkeit von Mutterschaft und freischaffender Kunst.

Wie ein feministischer und zugleich wirtschaftlich erfolgreicher Ansatz in der Praxis aussieht, demonstrierte Galeristin Karoline Hilger-Bartosch. Seit fast zehn Jahren vertritt ihre Galerie ganz bewusst weibliche Positionen. „Wir setzen auf Qualität und eine langfristige Zusammenarbeit mit Künstlerinnen, um nachhaltige Sichtbarkeit in Sammlungen zu schaffen. Es geht darum, Barrieren beim Einstieg zu senken und Sammlungen ab dem zweiten Bild zu fördern“, so Karoline Hilger-Bartosch. Wichtig sei ihr dabei die Differenzierung: Kunst wird an ihrer Relevanz gemessen, nicht an Geschlechterstereotypen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Bedeutung von Communities. Für Künstlerin Assunta Abdel Azim Mohamed beginnt Vernetzung bereits an den Kunstuniversitäten. Gemeinsame Projekte, Freundschaften und spätere Kooperationen bilden oft die Grundlage für berufliche Entwicklung.

Sie weigert sich konsequent, ihre Bildsprache kurzfristigen Markttrends oder Algorithmen anzupassen: „Trends werden maximal als Experiment wahrgenommen, die eigene Identität bleibt zentral.“

Auch Galerien übernehmen eine wichtige Netzwerkfunktion. Empfehlungen, Kontakte und gegenseitige Unterstützung schaffen Sichtbarkeit und eröffnen neue Chancen. Genau hier setzte auch Karin Sorger an, die als Leiterin Recht & Compliance bei der Stadt Wien Kunst GmbH tiefe Einblicke in die institutionelle Landschaft hat. Als Mitgründerin des Frauennetzwerks SHE KNOWS weiß sie genau, wie essenziell interdisziplinäre Communities sind, um Frauen branchenübergreifend sichtbarer zu machen und gegenseitig zu unterstützen. Der Kunstmarkt sei groß genug für Kooperation statt Konkurrenz, so ein Tenor der Diskussion.

Joanna Pianka
Salon Kunst & Design Featured