Mikroorganismen unterstützen Samen von Natur aus – das ist wissenschaftlich längst bewiesen. Doch warum ist es dann noch immer so kompliziert sie auch in der Praxis einzusetzen? Genau diese Frage hat die Gründung von Ensemo im März 2021 gesät.

Hinter dem Unternehmen stehen die Mikrobiologin Birgit Mitter und der Biotechnologe Nikolaus Pfaffenbichler vom Austria Institute of Technology (AIT) in Wien. Das Tullner Agritech-Start-up Ensemo ging aus dem AIT hervor. Die beiden Gründer*innen waren frustriert darüber, dass das Potenzial biologischer Wirkstoffe unzureichend in die Praxis übertragen wird – und beschlossen deshalb genau diese Lücke zu schließen.

Die Technologie des Start-ups heißt SeedJection und ist durch Ensemo patentiert. Dabei werden nützliche Mikroorganismen direkt ins Innere des Samens injiziert. So sollen die Mikroorganismen im schützenden Kern des Samens aktiv und lebensfähig bleiben – damit der Samen optimal keimen kann.

Denn Mikroorganismen spielen eine zentrale Rolle für gesundes Pflanzenwachstum. Sie sind winzige Lebewesen, die überall um uns herum sind – auf der Haut, in der Luft, im Essen und eben im Boden. Jedoch sind sie viel zu klein, um sie mit den Augen zu erkennen – dafür braucht man ein Mikroskop. Sie helfen den Wurzeln, Nährstoffe aufzunehmen, fixieren Stickstoff, schützen vor Krankheiten und fördern die Bodenfruchtbarkeit. In der Natur verlassen sich Pflanzen täglich auf die winzigen Lebewesen.

Landwirt*innen erhalten in der Praxis das gebrauchsfertige Saatgut – es enthält bereits wirksame Mikroorganismen. „Mit unserer Technologie kann Soja Saatgut mit Knöllchenbakterien behandelt werden. Die stellen der Sojapflanze Stickstoff zur Verfügung, wodurch kein Kunstdünger notwendig ist. Für Landwirt*innen bedeutet die Verwendung von geschlitztem Saatgut, dass sie sich Arbeit sparen und Sicherheit gewinnen, denn aktuell müssen sie die Behandlung des Soja Saatguts mit den Knöllchenbakterien selbst kurz vor der Aussaat durchführen“, sagt Birgit Mitter – Co-Founderin und CEO von Ensemo.

Aufgeschlitztes Saatgut | Foto: Matthias Obergruber

Genau deshalb wurde das Start-up Ensemo vom European Innovation Council (EIC) gefördert – einem EU-Programm zur Unterstützung besonders innovativer Unternehmen. Insgesamt erhielten 61 Startups und kleine und mittlere Unternehmen aus 17 Ländern Förderungen im Gesamtvolumen von 467 Millionen Euro, um ihre Technologien weiterzuentwickeln. Ensemo war dabei das einzige Unternehmen aus Österreich, das in dieser Runde ausgewählt wurde.

Die Technologie wurde bereits in Feldversuchen an verschieden Standorten in Europa getestet. Dabei konnten die Erträge um drei bis 19 Prozent gesteigert werden, obwohl weniger künstliche Dünger eingesetzt wurden.

Inzwischen wird das Verfahren sogar schon in der Praxis verwendet, um Sojasamen vor dem Pflanzen zu behandeln. Derzeit wird SeedJection für Sojabohnen verbessert und gleichzeitig auf andere Kulturen wie Mais übertragen. Die Ergebnisse zeigen: Von der Keimung bis zur Ernte funktioniert die Technologie auch unter realen Bedingungen zuverlässig.

So trägt Ensemo dazu bei, dass in der Landwirtschaft künftig weniger Chemikalien eingesetzt werden müssen und Ressourcen gespart werden. Gleichzeitig bleiben die Erträge stabil. So wird die Landwirtschaft einfacher, umweltfreundlicher und zukunftsfähiger.

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