Münchner Bank als Bühne für junge Kunst
Seit 2019 prägen Kuratorin Dr. Sonja Lechner und Münchner-Bank-Vorstandsvorsitzende Sandra Bindler mit dem Kunstforum Münchner Bank einen Ausstellungsort, der Förderung konsequent lebt. Junge Künstler:innen erhalten hier mitten in München einen Raum für ihre Sichtbarkeit und die seltene Chance, ihre Werke ohne Abzüge zu verkaufen.
Die 15. Ausgabe der Münchner Meisterklasse widmet sich in diesem Jahr der Skulptur und der Frage, wie zwei Hälften ein Ganzes bilden können. Zu sehen sind zum einen Arbeiten von Joana Albuquerque, deren „Eierbecher“ aus Aluminiumguss mit der Abwesenheit des Eis spielen und damit Fragen nach Ursprung, Schutz und Schöpfung aufwerfen. Zum anderen übersetzt Martin Lehmer in seiner Werkreihe „Inbetween“ die Idee des Gegenübers, des Austauschs und der Verwandlung in zweigeteilte Holzskulpturen. Im Interview zur Vernissage spricht Dr. Sonja Lechner über junge Kunst und unternehmerische Kulturförderung.
Was macht die Partnerschaft Ihres Unternehmens Kunstkonnex mit der Münchner Bank besonders – sie geht ja auch schon über mehrere Jahre?
In der Tat! Wir feiern dieses Jahr 10-jähriges unserer Partnerschaft: Zunächst kreiierte ich Kunstausstellungen in der Private Lounge der Bank, einem kleinen Raum mit Kamin, der sich für intime Kabinettausstellungen eignete. 2019 setzten wir dann erstmals meine Idee um, das ganze Stammhaus der Bank für Ausstellungen zu nutzen, die der Förderung junger künstlerischer Talente gewidmet ist. Als Unternehmerin weiß ich selbst, wie ungemein schwierig der Anfang als Selbstständige war – für Künstlerinnen und Künstler gilt dies in besonderem Maße. Das Kunstforum Münchner Bank bietet nunmehr in der 15. Ausstellung dieses Formates jungen KünstlerInnen, die als DiplomandInnen oder MeisterschülerInnen die Akademie verlassen haben oder noch in der Ausbildung begriffen sind, eine Ausstellungsfläche im gesamten Stammhaus am Frauenplatz, auf der die KünstlerInnen ihr Werk mitten im Herzen von München ein halbes Jahr lang zeigen können.
Das Besondere daran ist: Die Münchner Bank ermöglicht den KünstlerInnen eine Verkaufsausstellung, ohne selber an den Erlösen zu partizipieren – die KünstlerInnen erhalten von allem, was sie verkaufen, tatsächlich hundert Prozent ohne Abzüge. Zudem baut die Münchner Bank ihre eigene Kunstsammlung mit Käufen nicht aus den millionenschweren Namen des Kunstbetriebes auf, sondern unterstützt eben diese jungen KünstlerInnen, die sie ausstellt, durch den Ankauf von einzelnen ihrer Werke – pro Ausstellung ein Werk pro KünstlerIn: Der Katalog „Kunstsammlung Münchner Bank“ würdigt alle angekauften Werke mit einem Text von mir. Als dritte Säule der Förderung ist jede Ausstellung kostenfrei zugänglich: Sie ist stets ein halbes Jahr zu sehen und wird von einem Katalog begleitet, den jeder Besucher ebenfalls kostenfrei erhält.

Wie wählen Sie die Künstler:innen aus?
Ich versuche, alle Diplom- und Jahresausstellungen der Kunstakademie in München zu besuchen und fotografiere dorten, was mein Herz und meinen Verstand gleichermaßen anspricht. Aus den Fotografien gestalte ich eine Vorstellung der jeweiligen Künstlerin oder des Künstlers, versehe sie mit einem Kurztext und sende sie dem Vorstand der Münchner Bank, der dann die finale Auswahl trifft.
Warum hat die Kunstakademie so einen hohen Stellenwert für Sie?
Als in der Bayerischen Hauptstadt verortete Bank will die Münchner Bank natürlich den Nachwuchs vor Ort fördern, weshalb dieses Förderprojekt tatsächlich ausschließlich Studentinnen und Studenten der Münchner Akademie zugute kommt, hoffentlich jedoch Folgeprojekte in anderen Städten nach sich zieht. Die Münchner Kunstakademie ist für mich als Teil des Kunstareals insofern von besonderer Wichtigkeit, als dass hier diejenigen Künstlerinnen und Künstler ausgebildet werden, die später – so hoffe ich – Einzug in die umliegenden Museen halten werden, etwa in die Pinakothek der Moderne oder das Museum Brandhorst. Während dorten Kunst ausgestellt wird, die von arrivierten und international bekannten Künstlern wie etwa von Gerhard Richter, Cy Twombly oder Andy Warhol stammt, kann man als KunstenthusiastIn oder als SammlerIn in der Kunstakademie von Anfang an dabei sein, ein Talent zu entdecken und zu begleiten. Zudem bin ich sehr glücklich, dass wir mit Prof. Pontoppidan eine Frau an der Spitze der Akademie haben, der Frauenanteil unter den Lehrenden mittlerweile sogar denjenigen männlicher Kollegen überschreitet und auch die Zahl weiblicher Studierender jedes Jahr ansteigt. Dies war nicht immer so: Erst zum Wintersemester 1920/21 wurde Frauen der Zugang zum Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München erlaubt. Diese so späte Zulassung gilt für die meisten europäischen Kunstakademien: Die Kunstgeschichte war also jahrhundertelang eine männliche – die Gegenwartskunst kippt diese Prägung momentan, ebenso wie die Kunstgeschichte neu geschrieben wird, indem sie Künstlerinnen vergangener Jahrhunderte in selbige einschreibt.
Welche Rolle spielt die Kunstsammlung für die Bank? Wie integriert sich die Kunst in den Raum, in die Routine dort?
Da wir aus jeder Ausstellung, die im Kunstforum Münchner Bank gezeigt wird, Werke ankaufen, vergrößert sich die Kunstsammlung der Münchner Bank jährlich. Sie zeigt nicht nur die Bandbreite des Schaffens junger Künstlerinnen und Künstler, sie beschenkt auch die Mitarbeiter der Bank: Die angekauften Werke werden in den Bankfilialen in den Zimmern der Mitarbeiter gehängt oder gestellt und erfahren durch die jeweiligen Neuzugänge eine Rotation. Mich haben schon unzählige Mitarbeiter angesprochen, die hierdurch einen Zugang zur Kunst fanden oder zu den Fragestellungen, die das jeweilige Werk aufwirft: eine immense Bereicherung für jedweden Arbeitsplatz.

Was ist das verbindende Element der beiden Künstler:innen in dieser Ausstellung?
Wir haben stets eine grobe thamtische Klammer, die beide Ausstellende verbindet: In diesem Fall ist es die philosophische Frage nach der Zugehörigkeit und den Zusammenfügungsoptionen zweier Hälften – ein Thema, das nicht nur in der Liebe essentiell ist!
Wo liegt die Herausforderung bzw. Spannung in der Ausstellung von Skulpturen im Gegensatz zu Bildern, Grafiken oder Gemälden?
Skulpturen beziehen die Betrachter unmittelbar in die Rauminstallation mit ein: Da sie dreidiemensional und oft umschreitbar sind, werden die Besucher Teil des Ganzen, können die Exponate aus verschiedenen Perspektiven in Augenschein nehmen, manchmal gar berühren. Hierdurch entsteht eine besondere Teilhabe, eine Offerte zur Teilnahme beinahe. Nicht nur die Skulpturen treten also in einen Dialog miteinander, auch die Betrachter sind eingebunden – bestenfalls spricht die Kunst zu ihnen und sie miteinander über die Kunst!
Die Ausstellung ist werktags von 9 bis 16 Uhr im Stammhaus der Münchner Bank am Frauenplatz 2 bei kostenfreiem Eintritt noch bis Mitte Oktober 2026 zu sehen. sheconomy ist Medienpartnerin.