StartThemenSHEplanetZukunft der Lebensmittelverpackung

Zukunft der Lebensmittelverpackung

(Advertorial) Das Thema Kunststoff lässt heute niemanden mehr kalt. Im neuen SHEconomy-Umwelt-Talk spricht ARA-Vorstand Harald Hauke mit Claudia Berger, Leitung Einkauf bei Berger Schinken, über die wichtige Rolle von Digitalisierung, Wissenschaft und den Konsumenten, um das Recycling von Lebensmittelverpackungen künftig noch zielführender zu gestalten.

Verpackungen müssen das Produkt schützen gleichzeitig steigt aber die Nachfrage nach um-weltgerechten Lösungen. Welche besonderen Anforderungen gibt es an die Verpackung von frischen Lebensmitteln?

Claudia Berger: Allem voran muss der Schutz des Lebensmittels stehen. Dieser ist für die im Handel notwendigen Zeitspannen zur Zeit nicht ohne Kunststoffe möglich. Gerade bei Wurst und Schinken. Es gibt Vakuumverpackungen oder Schutzatmosphärenverpackungen, ohne die wir die Haltbarkeit des Produktes nicht garantieren können. Natürlich ist es möglich und wichtig, Material zu reduzieren, aber es bringt uns nichts, Verpackung zu reduzieren und abzuspecken, wenn dann auf der anderen Seite Lebensmittel entsorgt werden müssen.

Herr Hauke, was wäre hier im Sinne eines Circular Designs beider Entwicklung von Verpackung zu beachten?
Harald Hauke: Die große Herausforderung ist eine recycelbare Gestaltung der Verpackung bei gleichzeitiger Erfüllung der Vorgaben und Vorschriften. Das eingesetzte Material sollte möglichst homogen und ohne Zusätze produziert sein. Das heißt: Wenn es geht, dann ist ein Monomaterial für das Recycling immer besser als Materialkombinationen. Wichtig dabei sind auch die regionalen Verwertungsströme, den es nutzt nichts, wenn wir recycelbare Verpackungen produzieren, aber die Infrastruktur nicht zur Verfügung stellen. Daher stehen in Österreich mittlerweile über zwei Millionen Container für Sammlung und Recycling von Verpackungen zur Verfügung.

Frau Berger, Sie haben so eine Mono-PP-Verpackung für Ihren Bestseller, die 100-Gramm-Wurst-Verpackung entwickelt. Wie läuft so ein Prozess ab?
Berger: Begonnen haben wir mit Lieferantengesprächen 2019. Damals mussten wir feststellen, dass sich gar nicht so viele Zulieferer mit dem Thema Monomaterial beschäftigen. Danach gab es Testphasen, die unterrealen Bedingungen stattfanden. Was bedeutet, dass die Maschinen in der Produktion freigespielt werden müssen, der Schinken frisch geschnitten wird, etc. Mit unserem eigenen Labor haben wir die Möglichkeit, Messungen durchzuführen, um die Dichtheit der Materialien bewerten zu können. Darüber hinaus haben wir mit dem Labor des OFI (Österreichisches Forschungs- und Prüfungsinstitut)zusammengearbeitet, um die Ergebnisse abzusichern. Und letztendlich haben wir dann Ende 2020, gemein-sam mit der ARA und der FH Campus Wien die tatsächliche Recyclingfähigkeit feststellen lassen, die bei 96Prozent liegt. Darüber hinaus spart unsere Verpackung jährlich rund 24Tonnen an Kunststoff ein.

Herr Hauke, wie evaluiert die ARA den Faktor Rezyklierbarkeit?
Hauke: Wir haben ganz genaue Verpackungsspezifkationen, auf deren Basis wir Verpackungsmusteruntersuchen. FH Campus evaluiert dabei umfangreich. Zum Beispiel: In welchem Zustand oder in welchen Einheiten fallen die Verpackungen überhaupt bei der Entsorgung an? Können sie überhaupt in der Sortieranlage erkannt werden? Und unter Berücksichtigung der Einzelkomponenten ermitteln wir auch das Verwertungspotential des Materials. Die Analyse der Schinkenverpackung von Berger hat eine Top-Recyclingfähigkeit ergeben.

Compliance rückt in allen Be-reichen in den Fokus. Wie stellt die ARA dabei rechtskonformes Verhalten sicher?
Hauke: Wir werden regelmäßig geprüft. Erst vor Kurzem haben wir wieder eine vierjährige Expertenprüfung abgeschlossen, wo uns die Compliance erneut zu 100 Prozentbestätigt wurde. Aber wir gehen noch einen Schritt weiter: Wir lassen uns nach der neuen ISO-37301-Normtesten. Ich glaube, es gibt in Österreich bisher kein Unternehmen, das sich dieser Zertifzierung gestellt hat. Wir sind hier mitten im Prozess und sind defnitiv das einzige Sammlungs- und Verwertungssystem, das ISO-37301-zertifziert ist.

Wie am Beispiel der Take-away-Verpackungen zu sehen, spielt aber auch das Verhalten der Konsumenten eine wichtige Rolle. Welche Aktionen werden hier zur Sensibilisierung gesetzt?
Hauke: Grundsätzlich muss man einmal sagen, dass wir in Österreich zu den besten in Europa und zu den besten weltweit gehören. Wir haben bei Glas, Papier und Metall schon heute die EU-Ziele 2030 erreicht. Beim Kunststoffrecycling müssen wir noch besser werden. Wie schaffen wir mehr? Ein ganz wichtiges Thema ist die Umweltbildung. Wir beginnen im Kindergarten. Wir haben das Programm „ARA4Kids“, bei dem wir schon den Kindergartenkindern er-klären, wie man richtig sammelt. Wir machen viel im Bereich Social Media. Aktuell haben wir eine Kampagne mit dem „traurigen Gärtner“ Fabian Unger, der bei der Zielgruppezwischen 15 und 30 Jahren extremgut ankommt. Unser Fokus liegt hierauf Instagram und TikTok. Und wir haben sogar einen Mülltonnen-Songkomponiert, der hat schon jetzt 2,5Millionen Impressionen. Er kommt extrem gut an.

Wie kann noch mehr Potenzial aus der Kreislaufwirtschaft geschöpft werden? Digitale Transformation?
Berger: Digitalisierung auf der Packung kann am ehesten über einen QR-Code erfolgen, der zeigt, wo Material entsorgt werden kann. Es gibt auch seitens der Packmittelherstellergroßartige Ideen wie Wasserdrucke in der Folie, die es dem Altstoffsammlerermöglichen, die Art des Kunststoffes einzulesen. Ich bin davon überzeugt, dass sich im Verpackungsbereich in den nächsten Jahren vieles ändern muss. Wir werden das beobachten und selbstverständlich, soweit es uns möglich ist, umsetzen.

Hauke: Die Digitalisierung ist nicht nur im Bereich der Sammlung, zum Beispiel Füllstands-Sensoren, oder im Bereich der Verwertung oder Sortierung bei den Hightech-Sortier-anlagen möglich. Sondern wir testen gerade ein digitales Incentive-Modell. Eine App, in der die Konsumenten Punkte für das richtige Entsorgen sammeln und einlösen können, in dem sie ihre Verpackung und die gelbe Tonne bzw. den gelben Sackscannen.

Die ARA als Innovationstreiber

Österreich hat eine hoch entwickelte Kreislaufwirtschaft mit hervorragender Infrastruktur für Sammlung und Verwertung. Und obwohl das Land in Abfallwirtschaft und Recycling im EU-Spitzenfeld liegt, steht es vor einer besonderen Herausforderung: Kunststoff. Bei allen anderen Packstoffen hat Österreich heute schon die meisten EU-Recycling-Ziele für 2025 oder 2030 erreicht. Deshalb sollte bereits heute bei Substitution auf deren öko-logische Vorteilhaftigkeit geachtet werden. ARA Circular Design unterstützt den Kundendarin, die Recyclingfähigkeit seiner Verpackungen zu verbessern. Kreislaufwirtschaft funktioniert nur dann, wenn die Akteure entlang der Wertschöpfungskette Informationen über die stoffliche Zusammensetzung, Nutzung, Wartung und Entsorgung der Produkteaustauschen. Diese Fakten können dann für das Recycling genutzt werden und gleich-zeitig auch umweltrelevante Informationen beinhalten. Genau dafür hat die ARA DiGiDO entwickelt – eine digitale Datenplattform, die Unternehmens- und Behördenstandards kompatibel macht. Dieser unternehmensübergreifende Austausch von Echtzeitdaten – wo fällt wann welcher Abfall in welchem Ausmaß an – spart allen Beteiligten Zeit und Geld, weil Produktions-und Logistikprozesse rascher und effizienter geplant werden können. Das hat nicht nur deutliche Produktivitätssteigerungen zur Folge, es bietet zudem eine absolut zuverlässige, einheitliche Basis für Rechnungskontrollen und Behördenmeldungen – und minimiert dadurch mögliche rechtliche Risiken.

STAY CONNECTED

AKTUELLE AUSGABE - ONLINE ANSEHEN

0:00
0:00
Send this to a friend