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Startup der Woche: Community Kitchen

Das Münchner Startup Community Kitchen will das Klima retten und stellt dabei die Lebensmittelverschwendung ins Zentrum der Debatte. Catering, Speisen im Glas und jetzt ein Wohnzimmer mit frischer Küche – Community Kitchen München verwertet Lebensmittel, die sonst im Mülleimer gelandet wären. Sozialunternehmerin Günes Seyfarth erzählt, wie das gelingt. 

Worum geht es in Ihrem Startup und welches Problem lösen Sie damit?

Wir werfen in Deutschland wie auch weltweit mehr als 1/3 aller produzierten Lebensmittel weg. Damit ist Lebensmittelretten die drittwirksamste Maßnahme im Klimaschutz. Bevor wir also über Fernreisen oder Tempolimit diskutieren sollten wir essen, was eh schon da ist. Wir retten verzehrfähige Lebensmittel und können pro Tag bis zu 7 Tonnen Lebensmittel zu leckeren Mahlzeiten verarbeiten und diese verkaufen. Nicht nur in unserem Lokal in München, sondern auch als Marke im Glas im Handel. So können viele Menschen mit unseren Produkten aus dem Community Kitchen München ihren wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Welches Klischee rund um Frauen als Gründerinnen können Sie nicht mehr hören?

Es ist weniger ein Klischee als ein unterschwelliges Misstrauen in die Kompetenz von Gründerinnen. Es schwingt oft mit, dass man es Gründerinnen nicht zutraut, erfolgreich zu sein. Welche Frage mich außerdem nervt ist: Wie schaffen Sie das als dreifache Mutter? Ich frage dann zurück: Fragen Sie auch Götz Werner wie er dm mit sieben Kindern aufgebaut hat?

Was war die größte Hürde, die Sie bei der Gründung gemeistert haben?

Die Gelderakquise. Oft höre ich: Backe kleinere Brötchen. Blind und taub sein für Zweifel anderer ist dabei der Erfolgsfaktor und das stetige Dranbleiben.

Wie sind Sie mit der Entwicklung Ihres Unternehmens zufrieden?

Ich denke gerne groß und habe grundsätzlich eine unternehmerische Unzufriedenheit, die mich antreibt mich zu fragen: Wie kann es besser laufen? Das treibt mich an, weiter erfolgreich zu sein.

Wo soll die Reise noch hingehen?

Meine Währung ist die Wirksamkeit. Ich will meinen Beitrag leisten, um die Welt für mehr Chancengerechtigkeit zu gestalten. Das beinhaltet auch eine zukunftsfähige Lebensgrundlage zu erhalten und zu entwickeln – für uns und für zukünftige Generationen.

Welche drei Eigenschaften helfen Ihrem Unternehmen dabei, erfolgreich zu sein?

Ehrlichkeit, Netzwerk und Konsistenz. Ehrlichkeit: Im Unternehmen muss man ehrlich mit sich sein. Denn, wenn man das bezüglich seiner Fähigkeiten und der Zahlen nicht ist, zeigt sich das in der Entwicklung des Unternehmens. Netzwerk: Meine Kontakte wissen, dass sie sich auf mich verlassen können und ich kann das ebenso. So oft bin ich endlos dankbar, dass ich so tolle, inspirierende und hilfsbereite Menschen in meinem Umfeld haben, die es ermöglichen Projekte zu stemmen, die größer sind als wir. Konsistenz: Probleme sind da, um gelöst zu werden. Daran wachsen wir als Menschen und als Unternehmerinnen. Wegducken ist nicht, sondern es offensiv und mit aller Energie zu lösen.

Gibt es eine Entrepreneurin die Sie als Vorbild sehen würden?

Es gibt ganz viele. Doch eine, deren Werdegang mich schon lange inspiriert ist Oprah Winfrey.

Was wären Ihrer Meinung nach die nächsten wichtigen Schritte in Richtung Gender Equality?

Die Frauenquote ist ein Anfang. Denn wir müssen heute Sichtbarkeit erzwingen, um Vorbilder für morgen zu erzeugen. (Vor-)Bilder sind kraftvoll und wirksam.
Die Solidarität unter Frauen eine andere. Zu oft fehlt die blinde Solidarität unter Frauen. Ich sage mittlerweile: Wenn mich etwas nicht zu 100% abstößt, unterstütze ich es. Ich muss nicht zu 100% mitgehen können. Und die Solidarität mit modernen Männern auch. Nur gemeinsam kann Gender Equality entstehen.

Haben Sie das Gefühl, dass sich weibliche Gründerinnen oft doppelt oder dreifach anstrengen müssen?

Absolut. Aufgrund der gesellschaftlichen Bias und der maskulin geprägten Wirtschaft werden wir oft mit Detailfragen gelöchert, die uns in eine Rechtfertigungsposition bringen. Es ist wichtig dabei, im Dialog wieder zurückzufinden auf das Große und Strategische und sich nicht auf das kleindetaillige reduzieren zu lassen. Denn wir sind auch Chefinnen und Unternehmerinnen und nicht nur Assistentinnen.


Derzeit sammelt die Community Kitchen mit dieser Crowdfunding-Kampagne Geld, um ihren Münchner Standort im September eröffnen zu können.

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