Energie ist längst keine Frage von Technik oder Preis mehr, sie ist zur Standortfrage unserer Zeit geworden. Versorgungssicherheit, Netze, Investitionsbedingungen, Tempo in der Umsetzung: Genau hier entscheidet sich, ob Transformation für Österreich zur Belastung oder zum Wettbewerbsvorteil wird. shift., das neue Diskursformat von ÖBB-Infrastruktur und sheconomy, hat im Panoramasaal des Schlossberg Restaurants in Graz genau dort angesetzt.

Mit Silvia Angelo, Vorständin der ÖBB-Infrastruktur AG, und Susanna Zapreva, Vorständin der VERBUND AG, trafen zwei Perspektiven aufeinander, die für Österreichs Zukunft zentral sind: Infrastruktur und Energie. Moderiert von Dr. Kristin Hanusch-Linser, Herausgeberin sheconomy, kreiste der Abend um die Frage, wie Versorgungssicherheit, Transformation und wirtschaftliche Stärke zusammengedacht werden müssen, damit der Standort Österreich tragfähig, resilient und investitionsfähig bleibt.

Die Diskussion machte deutlich, wie verwundbar Österreichs Energiesystem durch seine Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen bleibt. Genau hier liegt für beide Diskutantinnen der Hebel: Elektrofahrzeuge arbeiten deutlich effizienter als Verbrenner, und konsequente Elektrifizierung gilt als wirksamer Weg, den Energieverbrauch insgesamt zu senken.

„Wir diskutieren Energie in Österreich oft als Kostenfrage, das greift zu kurz. Energie ist vor allem eine Frage der Unabhängigkeit und damit der Wettbewerbsfähigkeit. Wer Energie verlässlich und unabhängig organisiert, ist stabiler und attraktiver als Standort. Genau dort muss Österreich ansetzen, mit heimischer erneuerbarer Erzeugung, einer starken Infrastruktur und der klugen Verknüpfung von Energie und Mobilität“, so Silvia Angelo, Vorständin ÖBB-Infrastruktur AG.

Tempo, Akzeptanz und der europäische Vergleich

Dass sowohl beim Netzausbau als auch bei Infrastrukturprojekten viel Zeit verloren geht, machten beide Vorständinnen deutlich: Verzögerungen durch Genehmigungsverfahren und mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz betreffen Energie- wie Bahnprojekte gleichermaßen, und das obwohl technisch deutlich mehr und schneller möglich wäre. Die kleinteilige, dezentrale Struktur sowohl der Stromnetze als auch einzelner Infrastrukturvorhaben erschwere den Diskutantinnen zufolge eine koordinierte, effiziente Umsetzung.

Im europäischen Vergleich zeige sich, wohin konsequente Strategie führen kann: Länder wie Spanien und die skandinavischen Staaten haben durch langfristige, strategische Planung sowohl ihre Energieversorgung als auch die dazugehörige Infrastruktur deutlich resilienter aufgestellt als Österreich.

„Die entscheidende Ressource des 21. Jahrhunderts ist die Fähigkeit, Wandel kompromisslos in Fortschritt zu überführen“, so Susanna Zapreva, Vorständin VERBUND AG.“ Nachhaltige Energie und der kluge Einsatz Künstlicher Intelligenz sind die Infrastrukturen der kommenden Wirtschaftsära. Wer sie beherrscht, gestaltet Zukunft. Denn aus Wandel entsteht Zukunft nur dort, wo Gestaltungswille, Mut und Tempo entschlossen zusammenspielen.“

Lukas Leonte
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