Damit Züge zuverlässig unterwegs sind, braucht es nicht nur Gleise, Signale und Fahrpläne, sondern auch leistungsfähige digitale Systeme im Hintergrund. Paramjit Kaur arbeitet seit Anfang 2024 im Digitalen Kapazitätsservice der ÖBB-Infrastruktur und verantwortet dort die fachliche Betriebsführung von Softwarelösungen für das Trassenmanagement. Gleichzeitig studiert sie Informations- und Kommunikationssysteme an der FH Technikum Wien – und gestaltet damit an der Schnittstelle von IT und Bahn die Prozesse von morgen mit.

Sie arbeiten im Digitalen Kapazitätsservice der ÖBB-Infrastruktur. Wofür sind Sie konkret verantwortlich?

In meiner Funktion betreue ich Softwarelösungen, die für das Trassenmanagement eingesetzt werden. Das bedeutet: Ich sorge gemeinsam mit meinem Team dafür, dass diese Systeme stabil und zuverlässig funktionieren und gleichzeitig laufend fachlich weiterentwickelt werden. Dazu gehören unter anderem die Koordination von Softwarelieferungen, die Planung und Begleitung von Tests, das fachliche Error-Handling
sowie die Abstimmung mit der Entwicklerfirma und den Fachbereichen, wenn Fehler analysiert und gelöst werden müssen. Auch die Einhaltung von Projektmeilensteinen und Terminen spielt dabei eine wichtige Rolle.

Aktuell arbeiten Sie an der Weiterentwicklung von TRAKSYS. Was steckt hinter diesem System?

TRAKSYS ist unser Trassenkonstruktionstool. Es dient der Erstellung und Verwaltung von Fahrplangrundlagen – also der Planung jener Fahrwegkapazitäten, die Züge später konkret nutzen. Das System ist quasi die zentrale Drehscheibe für die Fahrplanerstellung und liefert wichtige, sowie sicherheitsrelevante Daten an zahlreiche Systeme innerhalb der ÖBB weiter. Damit bildet es eine wesentliche Grundlage dafür, dass Züge effizient und zuverlässig unterwegs sein können. Derzeit testen wir intensiv eine neue Version von TRAKSYS, damit alle Funktionen stabil, fachlich korrekt und benutzerfreundlich sind, bevor sie produktiv
eingesetzt werden.

Was macht Ihre Arbeit besonders spannend?

Mich begeistert vor allem die Kombination aus Technik, Teamarbeit und Weiterentwicklung. Ich kann eigene Ideen einbringen, Aufgaben selbstständig umsetzen und gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen Lösungen für unterschiedliche Herausforderungen erarbeiten. Besonders schön ist, dass neue Ideen aktiv gefördert werden und der fachliche Austausch im Team eine große Rolle spielt. Gleichzeitig lerne ich durch neue Projekte, abwechslungsreiche Aufgaben und den kontinuierlichen Austausch laufend dazu – fachlich und persönlich.

Welche Herausforderungen bringt Ihr Job mit sich?

In Softwaresystemen können immer wieder Fehler auftreten, die oft kurzfristig behoben werden müssen. Dann braucht es schnelles Handeln, strukturiertes Vorgehen und eine enge Abstimmung mit allen Beteiligten. Gleichzeitig müssen Termine, Tests, Softwarelieferungen und Prozesse über das Jahr hinweg so geplant werden, dass sie gut ineinandergreifen. Die Herausforderung besteht darin, flexibel auf kurzfristige Anforderungen zu reagieren, ohne die Gesamtplanung aus dem Blick zu verlieren.

Sie haben Ihre Laufbahn bei der ÖBB-Infrastruktur als Fahrdienstleiterin begonnen und arbeiten heute an digitalen Systemen. Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?

Ich habe 2019 als Fahrdienstleiterin bei der ÖBB-Infrastruktur begonnen. Mit dem Wunsch, mich weiterzuentwickeln, habe ich mich später im Bereich Netzzugang beworben. Heute kann ich mein Wissen aus dem Bahnbetrieb mit digitalen Themen verbinden – und genau das macht meine Aufgabe für mich besonders wertvoll. Parallel dazu studiere ich Informations- und Kommunikationssysteme, um mein technisches Wissen weiter zu vertiefen.

MINT- und Digitalisierungsbereiche gelten nach wie vor oft als männerdominiert. Was möchten Sie jungen Frauen mitgeben?

Am Anfang war ich nervös, weil ich eine von wenigen Frauen in meinem Bereich war. Mit der Zeit habe ich aber erlebt, wie unterstützend, respektvoll und offen mein Umfeld ist. Mein Rat an Frauen von heute und morgen ist deshalb: Vertraut auf euch selbst und eure Fähigkeiten. Habt den Mut, euren eigenen Weg zu gehen – denn Erfolg und Wissen kennen kein Geschlecht. Zeigt eure Stärken, eure Kompetenz und eure Expertise. Mit Selbstbewusstsein, Mut und Leidenschaft könnt ihr eure Ziele erreichen. Wichtig ist, den ersten Schritt zu wagen und an euch selbst zu glauben.

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