StartRolemodels„Meine Frau hat einen Vorsprung von 9 Monaten, den muss ich gerade...

„Meine Frau hat einen Vorsprung von 9 Monaten, den muss ich gerade aufholen“

Den August widmet sheconomy dem Thema Vereinbarkeit. Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, ist mit viel Aufwand, Planungsstress und Hindernissen verbunden. Umso wichtiger ist es, Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken und Rolemodels zu Wort kommen zu lassen, die das Thema aus ihrer Perspektive und Erfahrung beleuchten.

Im balanceUP Blog und den dazugehörigen Videointerviews geben verschiedene Persönlichkeiten und Unternehmer*innen Einblick in ihre Vereinbarkeitsstrategien. Im Interview mit balanceUP Co-Founderin Ruth Gabler-Schachermayr vom 14.02.2022 erzählt Entrepreneur und Keynote Speaker Daniel Cronin aus der Vater- und Gründerperspektive über seine bisher schwierigste Rolle: Vater zu sein. Lesen Sie hier einen Ausschnitt des Interviews. Das gesamte Interview ist auf dem Blog von balanceUP zu sehen.

Ruth Gabler-Schachermayr: Lieber Daniel, erzähle uns doch bitte ein bisschen etwas über dich, deinen USP und deine unternehmerische Tätigkeit.

Daniel Cronin: Sehr gerne. Die Frage ist eine, die ich oft gestellt bekomme. Du hast es gerade gesagt, ich bin Unternehmer, Moderator, Speaker und ich habe auch den lustigen Titel „Der Pitch Professor“. Das Ganze kommt daher, dass ich BWL studiert habe und eine Schauspiel-und Sprecherausbildung gemacht habe. Vor ungefähr zehn Jahren habe ich gemeinsam mit runtastics und dem Company Builder i5invest ein erstes Unternehmen namens allaboutapps, eine Agentur die mobile Apps entwickelt und vermarket, mitgründen dürfen und so bin ich in der Startup-Szene gelandet. Später wurde ich gefragt, ob ich ein Startup Event moderieren möchte, worauf ich mich eingelassen habe. Daraufhin sind mir zwei Dinge aufgefallen. Erstens, dass es zu dieser Zeit keine Initiative gab, unter der Startups versammelt waren. Daraufhin habe ich mit fünf anderen Leuten Austrian Startups mitgründen dürfen. Wir haben mittlerweile das Ziel, Unternehmertum so normal und zugänglich wie Skifahren in Österreich zu machen. Beim Moderieren habe ich als zweiten Punkt festgestellt, dass alle pitchen und dazu auch immer wieder Fragen haben. Daraus hat sich entwickelt, dass ich in den letzten acht Jahren rund 10.000 Pitches gesehen und daran mitgearbeitet habe. Aber: Ich bin mittlerweile seit rund sieben Monaten absolut begeisterter Papa und das ist eigentlich zur Zeit das, was mich am meisten beschäftigt und auch der „Reason Why“ hinter all den Dingen.

Was bedeutet für dich in deiner neuen Rolle als Vater und Ehemann Vereinbarkeit?

Vereinbarkeit ist ein spannendes Wort. Es hat sich für mich nie die Frage gestellt, denn für mich war klar: Wenn man Vater wird, dann schafft man nicht nur Leben, sondern man übernimmt Verantwortung für dieses Leben. Da ist plötzlich so ein kleiner Knirps da, und alles was man macht, ist der Grund, weshalb er da ist und damit es ihm gut geht. Es ist klar, dass er maximale Priorität hat, das ist für mich unendlich wichtig. Mit meiner Frau versuchen wir alles so zu organisieren, dass wir so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen können. Das ist, wenn man selbstständig ist, noch relativ einfach. Ich weiß nicht, wie es Leute machen, die zum Beispiel Pilot*in oder Arzt beziehungsweise Ärztin oder Straßenbahnfahrer*in sind. Diese Personen arbeiten zu festgelegten Zeiten, das ist bei mir nicht so. Das heißt, ich kann mir meine Zeit organisieren. Es heißt auch, dass ich wahnsinnig dankbar dafür bin, diese Momente mit meinem Sohn erleben zu dürfen. Es heißt aber natürlich auch, dass ich zeitgleich die Verantwortung dafür habe, meine Leistung zu bringen und mich permanent weiterzuentwickeln. Das ist auch eine Verantwortung, die ich für ihn eingehe. Somit ist das für mich ein Spagat, der mich allerdings auch sehr, sehr glücklich macht. Im Leben habe ich gelernt, nie eine Sache isoliert zu machen. Ich bin nicht nur Unternehmer oder nur Moderator. Wenn ich zum Beispiel eine Keynote halte, muss ich mich darauf vorbereiten. Ich denke darüber nach und lerne, Dinge zu hinterfragen, die ich vorher gemacht habe. So ähnlich sehe ich das auch bei meinem Vatersein und in meiner selbstständigen Arbeit. Diese beiden Dinge sind am Ende des Tages auch miteinander verbunden und ich lerne unendlich viel. Ein Zusatz noch zu diesem Thema: Meine Frau hat einen gewissen Vorsprung von neun Monaten, den muss ich gerade aufholen.

Da sind schon viele tolle Tipps dabei. Du hast die Gründung von Austrian Startups angesprochen und die vielen Unternehmen, denen du beim Pitchen geholfen hast. Darunter sind auch viele junge Unternehmer*innen. Was ist aus deiner Sicht wichtig für die Kombination Unternehmertum und Familie?

Für mich ist das Thema Gründertum und Elternwerden immer auch ein Thema der Verantwortungsübernahme. Verantwortung einerseits für andere Personen und andererseits auch für sich selbst. Wenn ich beide Aspekte hinterfrage, komme ich drauf, dass sowohl im Unternehmertum als auch im Elternsein in Wahrheit keine Ausreden gelten. Das ist das große Thema. Diese beiden Dinge, Elternsein und Gründertum, sind nur möglich, wenn es einen klaren Purpose gibt und man sagt: Ja, ich will das mit jeder Faser meines Körpers und meiner Seele. Oft fragen mich Junge und Junggebliebene, wann der richtige Zeitpunkt zum Gründen ist. Ich sage, es ist dann der richtige Zeitpunkt, wenn man die ganze Zeit darüber nachdenken muss und wenn man es unendlich will. Dann stellt sich noch die Frage, wann man sich dafür bereit fühlt. Das Lustige ist, wann fühlt man sich denn tatsächlich bereit? Als Eltern nie, oder? Je mehr sich das Leben entwickelt, desto weniger wird der ideale Zeitpunkt wahrscheinlich. Ich habe aus beiden Seiten gelernt, dass man auch zugeben muss, wenn man einfach keine Ahnung hat oder dass man schlichtweg Momente hat, in denen man sich überfordert fühlt. Und ich glaube, das ist okay. Man sieht in vielen Geschichten immer nur die sensationellen Seiten präsentiert. Am Ende des Tages zählt für mich der Weg und die Art, wie man es macht und wie man damit umgeht.


Zur Person

Daniel Cronin ist Experte für Startup Culture, Innovation, New Work und kreatives Denken sowie Moderator, Coach und Entrepreneur. Der mehrfache Unternehmer, Dozent, Präsentator und Keynote-Speaker schrieb seine Dissertation über Mobile Marketing, ist Gründungsmitglied der Full-Service-App-Agentur allaboutapps (ein Joint Venture von i5invest und runtastic) und berät mehrere Startups. Er hat mehr als 250 Veranstaltungen zu Startups moderiert und war Moderator der österreichischen Version von Shark Tank, “2Minuten, 2Millionen” im nationalen Fernsehen. Im Oktober 2016 war er Co-Moderator bei “The Spark – Der Deutsche Digitalpreis”, im Juni 2017 beim “Tag der Deutschen Industrie” mit anschließender Startup-Academy auf der Bits & Pretzels 2017 und im Februar 2018 gab er sein US-Debüt als Gastgeber der “Moving Forward” (eine Konferenz mit Innovationsfokus) in New York.

Daniel Cronin ist auch als Podumsspeaker am balanceUP Summit am 11. Oktober 2022 vertreten.

Das ganze Interview mit Ruth Gabler-Schachermayr finden Sie auf dem Blog von balanceUP und auf dem balanceUP Youtube-Kanal:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

STAY CONNECTED

AKTUELLE AUSGABE - ONLINE ANSEHEN

0:00
0:00