StartInnovationMary Follett: Die Pionierin der demokratisch-dezentralen Unternehmensführung

Mary Follett: Die Pionierin der demokratisch-dezentralen Unternehmensführung

Die Sozialwissenschaftlerin, Unternehmensberaterin und Forscherin Mary Parker Follett kritisierte bereits vor über hundert Jahren die hierarchische Unternehmensführung und legte die Grundsteine für das, was wir heute als agiles Arbeiten in einer modernen Arbeitswelt feiern.

Mary Follett (1868 – 1933) gilt als die Gründerin der humanistischen Organisationlehre. Parallel zu den noch heute dominierenden Managementtheorien erforschte und entwickelte Follett eine Lehre, die den Fokus auf selbstorganisierte Zusammenarbeit, gemeinsames Wertschöpfen und integrativ-partizipative Führungsarbeit legt. 

Selbstbestimmung und gleichrangige Zusammenarbeit als Grundlage 

Die Urmutter für moderne Formen von Zusammenarbeit war eine scharfinnige und hochgeschätzte Denkerin ihrer Zeit und hat großartige Vorarbeit geleistet. Bereits vor 100 Jahren erkannte Follett wesentliche Grundlagen der Unternehmensführung, die der Humanität, Selbstentfaltung und Selbstbestimmung des Menschen entspricht. 

Die Interaktion zwischen den Individuen, das Gestalten von Zusammenarbeit, das gemeinsame Erreichen von Zielen wird in Unternehmen gebraucht.“, so Follett.

Follett erforschte, dass Gruppen erfolgreicher sind, wenn sie ihre Aufgaben selbst bestimmen, in Netzwerkstrukturen zusammenarbeiten und wenn sie die Vielfalt ihres Denkens und Handelns direkt in die gemeinsame Arbeit einbringen können. Sie proklamierte bereits damals den Nutzen von Vielfalt und die Integration von Unterschieden als Erfolgsfaktoren der modernen Geschäftswelt. Lernen ist dabei eine kontinuierliche Lebensaufgabe. Sie setze sich dafür ein, Auseinandersetzung, Diskurs und Konfliktlösungen im Alltag als wichtige demokratische Fähigkeiten zu sehen. 

Von Vorgaben zu gemeinsam gesetzten Zielen 

Von Mary Follett stammt die bekannte These, dass das Teilen von Verantwortung, das Erreichen von gemeinsam gesetzten, statt vorgegebenen Zielen und das Vermehren von Macht die Potenziale einer Organisation hervorholt. Dieser Musterwechsel entscheide über Erfolg. Ihre Spuren finden wir heute in all jenen Unternehmen, die sich auf die besten Bedingungen für großartige, selbstorganisierte Teamarbeit konzentrieren und das gemeinsame Wertschöpfen in den Vordergrund stellen; dort wo statt der Letztverantwortung, die an einer Führungskraft klebt, gemeinsame Führungsarbeit, geteilte Verantwortung, das Miteinander-füreinander-leisten gilt. Mary Follett hinterlässt uns die ersten fundierten und bis heute aktuellen, Grundlagen für agile, selbstorganisierte Arbeit. Ich plädiere dafür, dass Mary Folletts umfassende Lehre fixer Bestandteil universitärer Curricula wird, sowie in Weiterbildungen integriert wird und als wesentliche Grundlage für moderne Organisationsgestaltung Anerkennung findet.

Zur Person Mary Parker Follett

Aufgewachsen in Massachusetts, schloss sie 1898 ihr Studium der Wirtschaft, Regierung, Jura und Philosophie am Radcliffe College, dem damaligen Frauenzweig von Harvard, mit summa cum laude ab. Sie war Vorsitzende des Komitees der Städtischen Frauenbewegung, Mitglied des Massachusetts Ausschuss für Mindestlöhne und Vizepräsidentin der Nationalen Vereinigung der Gemeindezentren. In ihrer langjährigen Tätigkeit in der Gemeinwesenarbeit setzte sie sich für Lerngruppen, Bildungszentren und das Anerkennen und Nutzen von Diversität ein und kam aus dieser Arbeit heraus mit vielen Wirtschaftsunternehmen in Kontakt. Mary Follett war eine renommierte Beraterin und fester Bestandteil der intellektuellen Szenen an der Ostküste der USA. Trotz ihrer zahlreichen wissenschaftlich anerkannten Arbeiten blieb ihr zur damaligen Zeit ein Lehrstuhl verwehrt. 


Zur Autorin: Elisabeth Sechser ist Expertin für
Organisationsentwicklung mit Fokus auf Agilität, Demokratieentwicklung und organisationales Lernen. Als führende Spezialistin des “Beta-Kodex” – der Follettianische Organisationlehre – steht die kritische Denkerin für lebendige, erfolgreiche Arbeitsorte.
www.sichtart.at 

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