Gründungsstudie: Warum Österreich mehr unternehmerische Vorbilder braucht
Wenn Österreicher*innen spontan an Unternehmer*innen denken, steht Red Bull ganz vorne, und auch das nur bei 13 Prozent. Genannt werden Dietrich und Mark Mateschitz. Dahinter folgen Hans Peter Haselsteiner, René Benko und Elon Musk. Auch Frank Stronach, Bill Gates, Richard Lugner, Leo Hillinger und Josef Zotter tauchen in der Liste auf. Eine Frau steht nicht darunter, zumindest nicht unter den Namen, die die Studie einzeln ausweist.
Das größte Segment ist ohnehin ein anderes: 49 Prozent der Befragten fällt niemand ein, bei den 16- bis 29-Jährigen sogar 60 Prozent. Am häufigsten genannt werden in dieser Altersgruppe Musk, Mateschitz und Benko, jeweils nur rund fünf bis sechs Prozent. Die Zahlen stammen aus einer Online-Befragung von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag der Stiftung Unternehmerische Zukunft.
Das Elternhaus macht den Unterschied
An Potenzial fehlt es nicht. 30 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. „Das ist mehr unternehmerisches Potenzial, als die Gründungszahlen vermuten lassen“, sagt Markus Raunig, Vorstand der Stiftung. Der deutlichste Zusammenhang liegt laut Stiftung nicht bei Alter, Bildung oder Einkommen, sondern in der Familie. Wer mindestens einen selbstständigen oder unternehmerischen Elternteil hat, kann sich eine Gründung zu 47 Prozent vorstellen, ohne diese Prägung nur zu 27 Prozent. Bei der konkreten Absicht stehen 18 gegen sieben Prozent.
Auch der persönliche Kontakt zu Unternehmer*innen zahlt sich aus: Wer jemanden kennt, kann sich eine Gründung deutlich öfter vorstellen und würde eine nahestehende Person etwa doppelt so oft aktiv bestärken. Auf die konkrete Absicht schlägt das dagegen kaum durch. Der Kontakt öffnet die Tür, das Elternhaus bewegt dazu, durch sie zu gehen. Wobei die Autor*innen darauf hinweisen, dass es sich hier um Zusammenhänge handelt und nicht um nachgewiesene Ursachen. Nur 20 Prozent der Befragten haben überhaupt einen selbstständigen Elternteil. Alle anderen müssen sich ihre Vorbilder woanders suchen, und genau dort ist die Auswahl dünn.
Lieber sicher als mutig
Dazu kommt eine Stimmung, in der Mut keine Konjunktur hat. 69 Prozent sehen Österreich auf dem Weg in die falsche Richtung, die wirtschaftliche Lage bekommt im Schnitt eine 4,0 auf einer Skala von 1 bis 6. Bei der Abwägung zwischen Sicherheit und Chancen liegt der Mittelwert mit 2,5 klar auf der Sicherheitsseite: 46 Prozent neigen deutlich zur Sicherheit (Stufen 1 und 2), insgesamt sind es 78 Prozent (Stufen 1 bis 3). Nur 18 Prozent liegen eher bei den Chancen.
Entsprechend fallen die Gründe gegen eine Gründung aus. Am häufigsten nennen die Befragten das wirtschaftliche Risiko (23 Prozent) und fehlendes Kapital samt hoher Kosten (17 Prozent). Bürokratie und schwierige Rahmenbedingungen folgen mit je zehn Prozent. Wer es dennoch wagen würde, denkt eher klein: 83 Prozent der Gründungsbereiten können sich ein Ein-Personen-Unternehmen oder eine freiberufliche Tätigkeit vorstellen, ein Start-up mit Wachstumsperspektive dagegen 53 Prozent.
Volkswirtschaftlich ist das nicht egal. Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria und Vorstandsmitglied der Stiftung, verweist auf internationale Evidenz: In den USA gehen rund 20 Prozent der Brutto-Jobschaffung auf Neugründungen zurück, rund 50 Prozent auf wachstumsstarke, überwiegend junge Unternehmen. Es zähle also weniger die Zahl der Gründungen als ihre Qualität. „Wer bestehende Strukturen schützt, bremst diese Dynamik“, sagt Köppl-Turyna, in einem strukturell niedrigen Wachstumsumfeld wie dem österreichischen wirke das besonders stark.
Was sich ändern ließe
Die Befragten haben dazu klare Vorstellungen. 80 Prozent finden, junge Menschen sollten in der Schule stärker lernen, wie man ein Unternehmen gründet oder führt, 29 Prozent stimmen dem uneingeschränkt zu. 75 Prozent hätten sich selbst mehr praktische Wirtschaftsbildung gewünscht. Und beim Scheitern ist die Bevölkerung großzügiger als das Klischee: 79 Prozent finden, wer mit einem Unternehmen scheitert, sollte eine zweite Chance bekommen.
Lisa-Marie Fassl, Investorin, Mitgründerin von Fund F und Vorstandsmitglied der Stiftung, setzt deshalb auf Nähe. „Wer Unternehmertum einmal aus der Nähe erlebt, traut sich mehr zu“, sagt sie. Die Stiftung will Gründer*innen in die Schulen bringen und Erwachsene auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleiten. „Österreich muss unternehmerischer werden, denn die Politik kann allein weder Wachstum noch Arbeitsplätze schaffen.“
Studienautor Peter Hajek fasst es so zusammen: „Das liegt nicht an fehlendem Talent. Es sind das wirtschaftliche Risiko, das fehlende Startkapital und eine Grundstimmung, die Sicherheit über Chancen stellt.“ Dass knapp der Hälfte der Befragten bei „Unternehmer*in“ niemand einfällt, ist dann vielleicht das deutlichste Zeichen, was noch fehlt: Menschen, die man kennt oder zumindest kennenlernen kann.
Wir brauchen Unternehmer*innen: jetzt auf Knopfdruck gendern
Wenn knapp der Hälfte der Befragten bei „Unternehmer*in“ niemand einfällt und unter den meistgenannten Namen keine Frau steht, dann beginnt Sichtbarkeit auch bei der Sprache. Es ist 2026, und nur 20 Prozent großer Unternehmen gendern konsequent. Wer Diversität will, muss auch so schreiben. „Alle sind mitgemeint“ war gestern, denn inklusive Sprache wird mit dem sheconomy Gender-Key so einfach, dass ab jetzt Schluss mit faulen Ausreden ist. Das Plugin legt den Genderstern einfach auf eure Tastatur: Aus der +-Taste wird *in, aus der #-Taste innen. So wird aus Unternehmer auf Knopfdruck Unternehmer*innen. Sprache formt Gesellschaft, und wir formen mit. Das Gender-Key Plugin ist einfach zu installieren und kann jederzeit pausiert werden.