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„Die Familie ist ein Rückzugsort. Für viele Frauen ein Tatort.“

Von Therese Aigner

„Die Familie ist ein Rückzugsort. Für viele Frauen ein Tatort.“ Mit schlagkräftigen Sätzen wie diesen sorgte Natalia Wörner in einem TV-Spot wochenlang für Gänsehaut. Mit ihrer Kampagne „Sicherheim“ zeigt die Schauspielerin auf, welche Lehren wir gesellschaftspolitisch aus der Krise ziehen sollten.

Die Coronapandemie hat weltweit zur Zunahme von häuslicher Gewalt geführt. Laut Kriminalstatistik ist diese 2020 um 13 Prozent gestiegen. Wirtschaftliche Existenzsorgen, geringere Ventilmöglichkeiten oder das Zusammengesperrtsein auf engstem Raum sind nur einige Faktoren, die Experten als Gründe benennen. Österreich steuert laut der Sozialforscherin Birgitt Haller in diesem Jahr sogar auf einen traurigen Rekord zu. Die Leiterin des Instituts für Konfliktforschung rechnet 2021 mit einem Höchststand an Femiziden. Die Schauspielerin Natalia Wörner hat diese dramatische Zuspitzung schon am Beginn des ersten Lockdowns vorausgeahnt und ist gemeinsam mit dem UFA-Produzenten Marc Lepetit und dem Berliner PR-Profi Tom Daske noch im Frühjahr aktiv geworden. Mit der Unterstützung von 18 prominenten Mitstreitern aus Film und Fernsehen wurde ein kurzer Clip gedreht, der richtig unter die Haut ging. SHEconomy-Autorin Therese Aigner hat nachgefragt, was sich seit dem Start im vergangenen Jahr getan hat und welche wichtigen Frauenthemen für die Deutsche als Nächstes anstehen.

SHEconomy: Sie haben mit Ihrem aufrüttelnden TV-Spot „Sicherheim“ schon zu Beginn der Pandemie das Thema häusliche Gewalt ins Rampenlicht geholt. Wie kam es dazu und was ist seither passiert?

Natalia Wörner: Die Kurzfassung? Ich hab mit Marc Lepetit im ersten Lockdown ein langes Telefonat geführt, und wir haben uns gemeinsam Gedanken gemacht. Unser Ziel war es, die Sache aus dem Halbschatten hinaus in die Öffentlichkeit zu tragen und Betroffenen einen Weg aufzuzeigen, an wen sie sich wenden können. Ich bin ehrlich gesagt selbst davon überrascht worden, was wir im vergangenen Jahr bewegen konnten. Abgesehen von der großen medialen Aufmerksamkeit ist es uns auch gelungen, nicht unwesentliche Spenden einzusammeln.

Wenig später haben Sie sich für die Frauenquote in Deutschland engagiert – Sie setzen sich überhaupt wiederholt für Frauenrechte ein. Was treibt Sie an?

Was mich antreibt, ist meine Leidenschaft für Gerechtigkeit, mein Bedürfnis, Dinge zu verändern. Selbstbestimmung zu definieren und der Stärkung von Frauen einen Raum zu geben – das ist ein mich ständig begleitendes, inneres Bedürfnis geworden. Einfach weil ich es will. Gewalt gegen Frauen muss als ein gesamtgesellschaftliches Problem angegangen werden, nur dann verändert sich etwas nachhaltig. Jeder kann einen Beitrag leisten. Ich möchte dem etwas anderes entgegensetzen als Ohnmacht.

Wie unterscheidet sich der Diskurs über häusliche Gewalt von der MeToo-Debatte der vergangenen Jahre?

Beim Thema häusliche Gewalt geht es um verschiedene Formen von Gewalt in den eigenen vier Wänden: Es geht um seelische Gewalt, emotionale Gewalt, digitale Gewalt und natürlich physische Gewalt gegen Frauen und Kinder. Die Zahlen sind erschreckend hoch. Im letzten Jahr sind sie nochmals massiv angestiegen – das ist ein Fakt. Bei MeToo hingegen geht es primär um Machtmissbrauch und um sexualisierten Machtmissbrauch. Es geht um Berufswelten, die in ihren hierarchischen und patriarchalischen Strukturen untersucht, hinterfragt und neu definiert werden müssen. Unsere Zukunft und die unserer Kinder soll ein Zusammenspiel von Frauen und Männern auf Augenhöhe sein. Es geht um die legitime Ermächtigung der Frauenwelt, aber nicht auf Kosten der Männerwelt. Die MeToo-Debatte hat sehr viel ausgelöst und ist noch lange nicht zu Ende.

Inwieweit hat die Coronakrise die Karten neu gemischt?

Die Pandemie hat gezeigt, dass unsere Politik in erster Linie Wirtschaftspolitik ist und keine Familienpolitik. Es hat sich zudem mittlerweile deutlich offenbart, dass Frauen in vielen Bereichen die Verlierer in dieser Krise sind. Es gilt jetzt, diese Erkenntnis als Chance zu sehen. Die Politik muss Familienförderung neu denken – das steht ganz oben auf der Liste.

DAS VOLLSTÄNDIGE INTERVIEW FINDEN SIE IN UNSERER AKTUELLEN AUSGABE.


Zur Person:

Natalia Wörner zählt zu den renommiertesten Schauspielerinnen Deutschlands. Einem breiten Publikum ist sie wegen ihrer Rollen in deutschen TV-Produktionen, wie „Unter anderen Umständen“, „Die Säulen der Erde“ oder zuletzt aus der Fernsehreihe „Die Diplomatin“, bekannt. Wörner setzt sich seit vielen Jahren für Frauenrechte ein. 2016 bekam sie vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz verliehen. Privat ist sie mit dem deutschen Außenminister Heiko Maas liiert

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