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Die tabuisierte Gewalt

Martina Ludwig-Faymann ist Vorsitzende der Wiener Frauenhäuser. Im Gespräch mit SHEconomy sprach sie über das Angebot der Stadt Wien und wieso die Anzahl der benötigten Plätze nun wieder steigt.

Pro 10.000 Einwohner*innen stellt die Stadt Wien einen Platz in einem Frauenhaus. Damit ist Wien bundesweit und sogar europaweit im Spitzenfeld. Insgesamt 175 Plätze für betroffene Frauen und ihre Kinder gibt es in den vier Wiener Frauenhäusern – ein fünftes befindet sich im Bau und schafft zusätzliche 50 Plätze nach der Fertigstellung 2022. „Die Finanzierung der Wiener Frauenhäuser erfolgt durch Mittel der Gemeinde Wien – dadurch ist die langfristige Absicherung der Frauenhausplätze gesichert“ so Ludwig-Faymann.

Die Frauenhäuser bieten bedrohten Frauen und ihren Kindern Schutz und Unterstützung. Die Gründe, wieso Betroffene ein Frauenhaus aufsuchen müssen sind vielfältig. Meistens spielen aber psychische oder physische Gewalt und eine toxische Beziehung eine vordergründige Rolle. In Zusammenarbeit mit Sozialarbeiter*innen und Expert*innen bieten die Wiener Frauenhäuser neben dem Schutz der von Gewalt betroffenen Personen auch umfangreiche Unterstützung und Hilfe im Bereich Ausbildung, Erziehungsarbeit und rechtlichen Belangen an. So entsteht ein Safe-Space in denen die Betroffenen Abstand gewinnen und zur Ruhe kommen können.

Neben den Plätzen in den Wiener Frauenhäusern werden auch sogenannte Übergangswohnungen angeboten. „Für jene Frauen mit ihren Kinder, die nicht mehr die absolute Sicherheit und den Schutz der Frauenhäuser benötigen aber dennoch nicht auf die Unterstützung und Betreuung verzichten möchten“, so Ludwig-Faymann. 54 dieser Übergangswohnungen können derzeit angeboten werden. Das Angebot der Frauenhäuser soll betroffenen Frauen helfen, wieder unabhängig zu werden. Die Trennung vom Partner ist in vielen Fällen eine psychische und existenzielle Krise. Der Weg in ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben ist somit essentiell.

„Der Kampf für Gleichberechtigung ist auch ein Kampf gegen Gewalt“

Für alle Frauen, die nicht die Absicht haben in ein Frauenhaus zu ziehen aber dennoch die Unterstützung und Beratung benötigen haben die Möglichkeit dies bei der ambulanten Beratungsstelle anonym und kostenlos zu bekommen.

Zu Beginn der Corona-Krise wurden zusätzliche Plätze geschaffen, um im Falle einer steigenden Nachfrage vorbereitet zu sein. Allerdings wurden nicht mehr Plätze benötigt – im Gegenteil. Die Wiener Frauenhäuser konnten im Krisenjahr 2020 sogar einen leichten Rückgang verzeichnen. Ludwig-Faymann sieht den Grund in der Ausnahme Situation: „in Zeiten der Krise war die Situation wahrscheinlich so furchtbar und abnorm, dass viele Frauen garnicht flüchten konnten.. Noch dazu sind die Abhängigkeiten während einer Krise viel präsenter“. Mit Beginn der Lockerungen steigt nun aber auch wieder die Anzahl der benötigten Plätze.

Wenn Situationen eintreten, in der man selber von psychischer oder physischer Gewalt betroffen ist oder Gewalt im eigenen Umfeld wahrnimmt, ist der Kontakt mit der Beratungsstelle der Wiener Frauenhäuser der erste Schritt um Hilfe zu leisten.

Sie erreichen den Notruf der Wiener Frauenhäuser Tag und Nacht unter 05 77 22
Wenn Sie Beratung oder Unterstützung benötigen erreichen Sie die Beratungsstelle unter 01/512 38 39 und erhalten Unterstützung in Deutsch, Türkisch und Englisch. Frauen die von ihrem Ehemann, Lebensgefährten oder Freund misshandelt werden sind keine Einzelfälle. Eine von fünf Frauen erlebt Gewalt durch ihren Partner.

Mehr Informationen erhalten Sie hier.

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