Atomarer Aufwind?
Der Iran-Krieg hat die globale Versorgung mit Rohöl und Erdgas stark beinträchtigt. Immer mehr Länder setzen deshalb auf ein nukleares Comeback. Das eröffnet auch Investmentchancen.
Es war ein großer Hoffnungsschimmer, als US-Präsident Donald Trump am 12. Juni einen Friedensdeal mit dem Iran verkündete. Wie nachhaltig die Bemühungen sein werden, bleibt abzuwarten. Zumindest aber war der Ölpreis nach der Ankündigung stark gesunken. Überhaupt verdeutlichten die Entwicklungen der vergangenen Monate die starke Abhängigkeit von Öl- aber auch von Gaslieferungen aus der Region.
Ein höherer Gaspreis hat schließlich auch Auswirkungen auf die Strompreise. Während etwa Deutschland die Wende hin zu erneuerbaren Energien kräftig forciert, wird noch immer ein guter Teil des Stroms allein in der EU in Gaskraftwerken erzeugt, je nach Region. Doch seit Ausbruch des Iran-Kriegs rückt ein weiterer Energieträger in den Fokus. Immer mehr Länder wollen ihre Atomprogramme ausbauen, um die Abhängigkeit von Erdgasimporten zu reduzieren. So meinte etwa EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Pariser Atomgipfel vergangenen März, die schrittweise Abkehr von Atomkraft in Europa sei ein strategischer Fehler gewesen.
Vor allem Deutschland hatte auf den Ausstieg gesetzt und drehte Mitte April 2023 die letzten drei Reaktoren ab. Nun fordert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Errichtung von Mini-AKWs – sogenannte Small Modular Reactors (SMRs). In Schweden, wo die Kernenergie rund 30 Prozent des Strommixes ausmachen, bekundete die Regierung vor wenigen Monaten ihre Unterstützung für den Ausbau der Atomkraft. Ende April stoppte die belgische Regierung den geplanten Rückbau ihrer Reaktoren.
In anderen Regionen schreitet der Ausbau bereits länger voran. Handfeste Zahlen liefert die Internationale Energieagentur. Demnach erreichte 2025 die Atomstromproduktion weltweit mit rund 2.900 Terawattstunden ein neues Rekordhoch. Und damit ist längst nicht Schluss. Laut „World Nuclear Industry Status Report“ befanden sich zu Jahresbeginn weitere 66 Reaktoren in elf Ländern im Bau. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf China.
„Argumente für Investitionen in die Kernenergie gewinnen zunehmend an Gewicht, zumal fossile Brennstoffe mit geopolitischen Risiken eng verbunden sind.“
So steche die Atomkraft als eine der wenigen skalierbaren und geopolitisch widerstandsfähigen Alternativen heraus. Und sie wird verstärkt nachgefragt. Natalia Luna, Senior Investment Analyst, Sustainability Research bei Columbia Threadneedle Investments, verweist in diesem Zusammenhang auf die wachsende Zahl an Rechenzentren in den USA. Dabei sichern sich viele der großen US-Technologiekonzerne, die solche Zentren bauen, den Zugang zu einer stabilen Stromversorgung. Dazu zählten auch Investitionen in nukleare Kapazitäten.
Bei all der Euphorie birgt die strahlende Renaissance aber auch Gefahren, wie das Unglück im japanischen Fukushima von 2011 verdeutlichte. Obendrein ist die Frage der Endlagerung abgebrannter Brennstäbe nicht gelöst. Dass Sicherheit für eine Million Jahre kaum zu garantieren sei, verstehe sich von selbst, meint Patricia Lorenz, Anti-Atom-Sprecherin bei Global 2000, im Hinblick auf die lange Lagerzeit. Bei allen Endlagern seien schwere Bedenken bei Wirtsgesteinen – geologischen Formationen im Untergrund – und Containermaterialien vorhanden. „Finnland steht offenbar vor der Eröffnung des ersten tiefengeologischen Endlagers Onkalo. Soweit bekannt ist, hat dies fünf Milliarden Euro gekostet“, ergänzt Lorenz. Doch das sei in anderen Ländern nicht eins-zu-eins nachahmbar.

Als mögliche Zukunftstechnologie gelten Small Modular Reactors (SMR). Die kompakten Reaktoren, die wie ein Baukastensystem zusammengesetzt wer- den, sollen sicherer, platzsparender und effizienter sein als herkömmliche Kernkraftwerke. Erste Pilotprojekte laufen bereits in China und Russland
Die Kernenergie bleibt damit trotz ihrer wachsenden Bedeutung umstritten. Für Anleger*innen heißt das, Chancen und Risiken gleichermaßen im Blick zu behalten. Dennoch könnte der weltweite Ausbau ausgewählten Unternehmen Rückenwind verleihen. Der VanEck Uranium and Nuclear Technologies UCITS ETF (IE000M- 7V94E1) umfasst Firmen aus aller Welt, die in den Bereichen Uranbergbau und Kernenergie-Infrastruktur tätig sind. Dazu zählen das kanadische Bergbauunternehmen Cameco sowie Uranium Energy und Fuji Electric. Der japanische Konzern liefert Teile für den AKW-Bau.
Der Ansatz im Global X Uranium UCITS ETF (IE000NDWFGA5) ist fokussierter. Sein Schwerpunkt liegt auf Konzernen, die im Abbau, aber auch der Verarbeitung von Uran tätig sind. Dazu zählen Cameco-Konkurrent Denison Mines sowie NexGen Energy aus den USA und Paladin Energy mit Sitz in Australien. Bei beiden ETFs sind auch Kursverluste möglich.