Andreas Wagner: „Das fehlende KI-Know-how ist ein tatsächliches Problem und die größte Hürde“
Österreich lässt noch immer KI-Potenziale liegen. Das zeigt die internationale Studie „Allianz Pulse“ des Versicherungskonzerns Allianz vom Oktober 2026. Sie untersucht, welche Länder besonders vom technologischen Fortschritt profitieren. Dabei gehört Österreich zu den Schlusslichtern, vor allem hinsichtlich der KI-Kompetenz in der Bevölkerung. Nur elf Prozent der österreichischen Erwerbstätigen haben am Arbeitsplatz bereits eine KI-Schulung absolviert.
Zudem gibt die Hälfte der Befragten an, dass ihr Arbeitgeber überhaupt keine entsprechenden Schulungen anbietet. Damit liegt Österreich sogar auf dem letzten Platz. Das ist insofern toxisch, da die Hälfte der Befragten – korrekterweise – erwartet, dass KI ihren Job verändern wird. Doch sie werden darauf nicht vorbereitet. Da darf es niemanden wundern, dass in Österreich so viele Menschen der KI-Nutzung am Arbeitsplatz skeptisch gegenüberstehen.
Auch mir erzählen heimischen Unternehmen häufig von Sorgen und Ängsten beim KI-Einsatz – rechtliche Unsicherheiten, großer Umstellungsaufwand, Kontrollverlust – die aber oft auf Missverständnissen beruhen. Wir können sie im Gespräch stets rasch aufklären. Digitaler Wandel bedeutet nicht, den Menschen zu ersetzen, sondern ihn zu entlasten. Das bedingt strenge Sicherheitsvorgaben, und die Letztentscheidung muss beim Menschen liegen. So haben wir unsere Systeme gebaut.
Aber das fehlende KI-Know-how ist ein tatsächliches Problem und die größte Hürde. Richtig eingesetzt, übernimmt KI selbstständig Routineaufgaben des Arbeitsalltags und verschafft so den Menschen mehr Zeit für das, was sie besser können als jede Maschine: Kreativität, Strategie und Austausch. Damit das funktioniert, muss man KI – wie jedes Werkzeug – klug einsetzen. Dafür braucht es Wissen und Übung.
KI-Bildung bei SAP: Wissen und Tun
Darum gibt es bei SAP eine Grundregel: 15 Prozent der Arbeitszeit sind fürs Lernen reserviert. In dieser Zeit bilden sich die Beschäftigten weiter, trainieren Prompts oder bauen eigene KI-Agenten.
Um Expertise auf höchstem Niveau zu erhalten, haben wir die monatliche Veranstaltungsreihe „SAP InsAIghts“ ins Leben gerufen. Dabei kommen KI-Expertinnen und -Experten zu uns ins Büro und geben Impulsvorträge zu technologischen, rechtlichen oder wirtschaftlichen Aspekten der KI.
Denn Mitarbeitende brauchen zukünftig beides: konkretes Know-how im Umgang mit den Tools und einen breiten Blick auf die Auswirkungen dieser Technologie. Nur so können wir unseren Anspruch erfüllen, österreichische Betriebe kompetent und umfassend durch diese Transformation zu begleiten.
KI an die Schulen
Doch natürlich können Unternehmen allein den Wandel nicht stemmen, auch die Politik ist gefordert. KI-Skills müssen von der Schule bis zur Universität fest im Bildungssystem verankert werden. Die jüngste Initiative des Bildungsministeriums in diese Richtung war dafür ein wichtiger Schritt.
Zudem braucht es zusätzliche öffentliche Angebote für Um- und Weiterbildungen zu KI. Österreich profitierte schon immer von einer hervorragend ausgebildeten Erwerbsbevölkerung, das war stets einer unserer wichtigsten Wettbewerbsvorteile. Um den zu erhalten, müssen wir auch bei KI-Kompetenz vom Schlusslicht ins Spitzenfeld kommen. Das ist eine knallharte Standortfrage.
Österreich kann eine KI-Nation werden, in der Betriebe jeder Größe vom technologischen Fortschritt profitieren. Dafür müssen Wirtschaft und Politik gemeinsam anpacken. Die Zukunft der Arbeit ist KI-gestützt, und wir bei SAP sind bereit, gemeinsam Österreichs KI-Lücke zu schließen.