KI in Österreichs Unternehmen: Viele Pilotprojekte, kaum Integration in Kernprozesse
An KI-Projekten mangelt es in Österreichs größeren Unternehmen offenbar nicht. Schwieriger wird es, wenn aus einzelnen Anwendungen ein fester Bestandteil des Geschäfts werden soll. Laut einer Studie von TQS Research & Consulting im Auftrag des IT-Dienstleisters Tieto schätzen 60 Prozent der befragten Führungskräfte und KI-Verantwortlichen die Integration in ihrem Unternehmen als wenig fortgeschritten ein: Erste Pilotprojekte werden getestet oder KI wird vereinzelt eingesetzt. Vollständig in die Kernprozesse integriert haben KI-Anwendungen erst vier Prozent der befragten Unternehmen.
Dabei ist das Bewusstsein für mögliche Nachteile durchaus vorhanden. 61 Prozent befürchten, Chancen auf mehr Effizienz, Innovation oder geringere Betriebskosten zu verpassen, wenn ihr Unternehmen beim KI-Einsatz nicht mithält. Zugleich wollen derzeit nur acht Prozent KI in sämtliche Kernprozesse einbinden.
Zwischen Anspruch und Umsetzung
Etwas mehr als ein Viertel der Befragten in Österreich (27 Prozent) bezeichnet die KI-Integration in die Kernprozesse als weit oder sehr weit fortgeschritten. In der parallel durchgeführten Befragung in Deutschland sind es 77 Prozent. Der Vergleich beruht auf der Selbsteinschätzung der Teilnehmenden, macht aber deutlich, wie unterschiedlich sie den Stand in ihren Unternehmen bewerten.
Was den breiteren Einsatz bremst, liegt vor allem im Umgang mit Daten. Die Hälfte der Befragten nennt rechtliche Aspekte wie den Datenschutz als eine der größten Herausforderungen, 46 Prozent verweisen auf Datensicherheit und Cybersicherheit. Für 21 Prozent sind Verfügbarkeit, Qualität und Aufbereitung der Daten ein Hindernis. Hinzu kommt ein Vertrauensproblem: 44 Prozent äußern Zweifel an der Korrektheit KI-generierter Ergebnisse.
Technik allein löst diese Fragen nicht. 29 Prozent der Befragten sehen einen Mangel an fachlicher Expertise im eigenen Unternehmen, 22 Prozent vermissen eine ausreichende Begleitung der Mitarbeitenden bei der Einführung. „Trotz aller Technologie sind die größten Hebel die strategische Verankerung in der Organisation und Skilling: Hier setzen wir an und unterstützen die Führungsebene nicht nur bei ihrer KI-Strategie, sondern begleiten den Wandel auch aktiv mit Schulungen für Mitarbeitende. Sonst bleibt KI oft im Pilotstadium stecken“, sagt Robert Kaup, Geschäftsführer von Tieto Österreich.
Der Nutzen zeigt sich bislang vor allem im Arbeitsalltag
Positive Ergebnisse sehen die Befragten am häufigsten im Wissensmanagement und bei der internen Informationssuche (38 Prozent). 30 Prozent nennen Effizienzsteigerungen, etwa durch das automatische Auslesen von Rechnungen oder Bestellungen. Deutlich seltener wird ein Nutzen bei der datengetriebenen Entscheidungsfindung gesehen: In Österreich nennen diesen Bereich elf Prozent, in Deutschland 44 Prozent. Für Innovation und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle sehen hierzulande zehn Prozent einen Nutzen.
Bemerkenswert ist auch die Gegenposition: 26 Prozent der Befragten in Österreich geben an, dass KI in ihrem Unternehmen bislang in keinem Bereich positive Ergebnisse oder Wettbewerbsvorteile gebracht hat. In Deutschland sagen das ein Prozent der Befragten.
Wie eine Anwendung jenseits der Pilotphase aussehen kann, zeigt ein Projekt beim oberösterreichischen Industrieunternehmen Greiner. Von jährlich rund 240.000 bisher manuell erfassten Bestellungen sollen künftig mindestens 50 Prozent mithilfe von KI automatisiert abgewickelt werden. Eine Anwendung liest eingehende PDF-Bestellungen aus; über eine Schnittstelle werden die Aufträge anschließend im SAP-System erstellt. Ob und in welchem Umfang die angestrebten Einsparungen erreicht werden, lässt sich aus dem angekündigten Vorhaben noch nicht ablesen.