Führungskräfte verdienen mehr denn je und sind dennoch so wechselbereit wie nie. Caroline Gellrich-van Brakel, Managing Partner Page Executive für Deutschland, Österreich und die Niederlande, über die wahren Treiber von Leadership, blinde Flecken in Organisationen und warum viele Unternehmen ihre Herausforderungen noch unterschätzen.

Frau Gellrich-van Brakel, wie belastbar sind die Ergebnisse Ihrer Studie?

Unsere Studie basiert auf einem globalen Datensatz mit über 60.000 Professionals in 36 Märkten, darunter mehr als 14.000 Führungskräfte und 4.300 C-Level-Executives. Besonders ist der Fokus auf die oberste Führungsebene: Wir analysieren nicht nur Trends, sondern die Denk- und Entscheidungslogiken der Menschen, die Organisationen steuern.

Was hat Sie an den Ergebnissen am meisten überrascht?

Vor allem die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität in der Transformation. Nur etwa die Hälfte der Führungskräfte glaubt, dass ihre Organisation größere Veränderungen erfolgreich umsetzen kann. Gleichzeitig ist das C-Level deutlich optimistischer als die Ebenen darunter. Diese Lücke hat konkrete Folgen: Strategien scheitern oft nicht an Ideen, sondern an fehlendem Alignment im Führungsteam.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz aktuell für Führungskräfte?

KI ist längst im Alltag angekommen und steigert die persönliche Produktivität. Der eigentliche Engpass liegt jedoch auf Organisationsebene: Nur rund zwei Drittel sehen dort bislang echte Effekte.

Warum reicht ein gutes Gehalt heute nicht mehr aus, um Top-Talente zu halten?

Weil sich die Erwartungen verändert haben. Zwar sind rund 70 Prozent der Executives mit ihrem Gehalt zufrieden, dennoch sind 90 Prozent offen für neue Möglichkeiten. Entscheidend sind heute Vertrauen, Transparenz, Unternehmenskultur und die Chance, wirksam zu sein. Viele würden sogar auf den nächsten Karriereschritt verzichten, wenn er nicht zu ihrem Lebensmodell passt. Retention
ist damit vor allem eine Führungsaufgabe.

Skill-based Hiring wird viel diskutiert – was zeigt Ihre Studie?

Rund zwei Drittel der Unternehmen geben an, kompetenzbasiert zu rekrutieren, doch nur etwa 30 Prozent priorisieren Fähigkeiten tatsächlich stärker als klassische Karrierepfade. In der Praxis gewinnen häufig weiterhin Titel, Stationen und bekannte Marken. Dabei sind Potenzial, Lernfähigkeit und Wirkungskraft oft die entscheidenden Faktoren für modernes Leadership.

Was müssen Unternehmen jetzt wirklich anders machen?

Der entscheidende Unterschied entsteht heute nicht durch bessere Strategien, sondern durch bessere Führung. Erfolgreiche Organisationen investieren in Alignment, Vertrauen und diverse Führungsteams. Gleichzeitig braucht es Führungskräfte, die Veränderungen nicht nur planen, sondern wirksam in die Organisation tragen. Die Zukunft gehört Unternehmen mit Teams, die vielfältig denken, Verantwortung teilen und gemeinsam Wirkung entfalten.

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